Radsport: Tour de France
Fabian Wegmann als TV-Experte – Seite gewechselt, Passion behalten

Münster -

Sechs Mal hatte Fabian Wegmann das für viele Laien zweifelhafte Vergnügen, bei der Tour de France im Sattel zu sitzen. Nun ist der ehemalige Profi wieder dabei, diesmal aber in wesentlich bequemerer Position. Als TV-Experte – ein Job, der aber durchaus auch anstrengend sein kann.

Mittwoch, 25.07.2018, 18:08 Uhr

Nach Frankreich ist vor der Deutschland-Tour: Fabian Wegmann ist dort als Sportlicher Leiter im Einsatz
Nach Frankreich ist vor der Deutschland-Tour: Fabian Wegmann ist dort als Sportlicher Leiter im Einsatz Foto: Peter Hartenfelser

Er ist eine der Entdeckungen bei der Tour de France. Sechs Mal fuhr Fabian Wegmann selbst die Schleife durch Frankreich, 2010 das letzte Mal. In Spa wurde er, der dreifache Deutsche Straßenmeister, damals Dritter einer Etappe. Drei Jahre zuvor landete er bei der Bergetappe mit Ziel in Le Grand Bornand auf Rang sechs. Der Münsteraner Linus Gerdemann war der Held des Tages, gewann das Teilstück durch die französischen Alpen und schlüpfte ins Gelbe Trikot, Wegmanns starke Performance ging so etwas unter.

Le Grand Bornand erlebte in diesem Jahr auch den Co-Kommentator Fabian Wegmann, der gemeinsam mit Florian Nass die Zuschauer der ARD informierte. Ein Gespann mit Perspektive.

„Nee, nee, nee. Mitfahren möchte ich nicht mehr“, sagt der heute 38-Jährige, er hat mit der aktiven Karriere nach 15 Saisons abgeschlossen. Obwohl er gern die letzten 40, 50 Kilometer einer Etappe abfahren würde. Wie in Roubaix: „Das ist für die Rennanalyse schon wichtig.“ In den Alpen und Pyrenäen aber hatte er die „Leeze“ nicht dabei, ein wenig bereut er es. Beim nächsten Mal soll sich das ändern.

Weiter viel unterwegs

Wegmann ist weiter Handlungsreisender in Sachen Radsport, in anderer Funktion, es lässt ihn nicht los. Aber nun er kennt er auch die Seite der Medien. Es sei härter, als man glaubt. Denn: „Nach Bergetappen dauert es schon mal vier Stunden, ehe man im Tal ist und das Hotel erreicht hat.“ Aber natürlich ist die körperliche Beanspruchung eine andere. Beides ist anspruchsvoll.

Nass und Wegmann haben sich jedenfalls gefunden. „Wir kennen uns schon lange“, erzählt Wegmann, der noch als aktiver Fahrer häufig mit Nass sprach, damals aber noch aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nun ist es ein funktionierendes Tandem bei den Live-Übertragungen der ARD. Der erste Tag sei noch kompliziert gewesen: „Ich musste mich erst daran gewöhnen, drei Stunden hochkonzentriert zu sein, während dauernd jemand in meinen Kopfhörer sprach.“ Aber wenn man erstmal über den Berg ist . . .

Positive Kritiken

Die Kritiken für den Ex-Profi (Gerolsteiner, Team Milram, Team Leopard, Cult Energy und Stölting Service Group), der praktisch auf jede Rennsituation eine Antwort findet, waren fast nur positiv. Darauf lässt sich aufbauen: „Vielleicht mache ich noch eine Rhetorikschulung. Aber ich kann mir vorstellen, das als Co-Kommentator häufiger zu machen.“ Zwischen den beiden Radsport-Moderatoren stimmt jedenfalls die Chemie.

Schon im Vorjahr hatte Wegmann noch für Eurosport die Facebook-Berichterstattung ergänzt, nun also der Probelauf bei der Tour für die ARD. Weitere Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen. Bis zur Pyrenäen-Etappe am Mittwoch blieb er in Frankreich, länger als gedacht und geplant. Aber der sowieso verkürzte Familienurlaub erlaube keinen Aufschub mehr: „Sonst müsste ich schauen, ob die Hausschlüssel noch passen.“

Einsatz als Sportlicher Leiter

Zumal die nächste Aufgabe im Radsport ihre Schatten voraus wirft. Wegmann wird als Sportlicher Leiter die wiederbelebte Deutschland-Tour Ende August begleiten. Radsport sieht er hierzulande wieder im Aufwind. Die Quoten würden der ARD recht geben. Nach einem ordentlichen Start, als die Fußball-WM noch lief, steigerte sich der Marktanteil während der Tour de France bei den Alpen-Etappen auf über zehn Prozent, in der Spitze gar bis 16 Prozent. Das ist deutlich mehr, als Konkurrent Eurosport zu bieten hat. Aber es sind vor allem auch zufriedenstellende Zahlen nach der Rückkehr zur Live-Berichterstattung. Wegmann hat die Seiten gewechselt, die Passion für seinen Sport ist geblieben.

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