Sandkicker nehmen Fahrt auf
Real Münster sorgt im Beachsoccer für Furore

Münster -

Der Jahrhundertsommer ist langsam, aber sicher Geschichte – und dennoch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Auf der Sportanlage Sentruper Höhe in Münster ist eine neue Ära ange­brochen. Denn es gibt einen neuen Beach. Anders als in einer gleichnamigen Party-Location am münsterischen Hafen werden hier keine Cocktails in Liegestühlen geschlürft, sondern es ­fliegen Fußbälle über den strandartigen Untergrund und Sandkörner werden aufgewirbelt. Dies ist kein Ort zur Entspannung – der Sport und seine Aktiven bestimmen die Szenerie: die Beachsoccer-Spieler von Real Münster.

Samstag, 15.09.2018, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 11:00 Uhr
Hossein-Ali Shahrokhi liegt quer in der Luft und trifft per Fallrückzieher in bester Klaus-Fischer-Manier. Absolut sehenswert!
Hossein-Ali Shahrokhi liegt quer in der Luft und trifft per Fallrückzieher in bester Klaus-Fischer-Manier. Absolut sehenswert! Foto: Jürgen Christ

An einem sonnigen Montagspätnachmittag trainieren zwölf Kicker mit zwei Trainern auf dem frisch angehäuften Sandplatz. Fallrückzieher sowie fliegende Torhüter prägen das Bild – den Kickern ist die Freude dabei anzusehen. Es herrscht beste Stimmung. Kein Wunder: Denn unweit des Aasees ist auf dem Sportareal an der Sentruper Höhe die Heimstätte der Beach­soccer-Mannschaft von Real Münster entstanden. Für die insgesamt weit über 20 Kicker des Clubs ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen.

Rückblick: Über einen längeren Zeitraum regte Gabriel Mohagheghi, Vereinsvorsitzender und Mitgründer von Real, zusammen mit seiner Stellvertreterin Inga Heidebauer beim städtischen Sportamt immer mal wieder den Bau einer solchen Anlage an. In regelmäßigen Abständen machten sie Werbung in eigener Sache, um sich so für den noch jungen Sport in Münster stark zu machen. Im Frühjahr dieses Jahres gab die Stadt grünes Licht – auf der Breitensportanlage wurde endlich ein Beachsoccer-Feld errichtet.

Drittbeste Mannschaft in Deutschland

Real Münster blickt auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück: In der Meisterschaftsrunde der Deutschen Beachsoccer-Liga belegte das Team den zweiten Platz und qualifizierte sich somit für das Final Four in Warnemünde. Im Halbfinale unter­lagen die Münsteraner dem münsterländischen Rivalen aus Ibbenbüren unglücklich im Neun- Meter-Schießen, aber dank eines 4:3-Erfolgs ge­gen Hertha BSC beendete Real die Saison als drittbeste Mannschaft Deutschlands. Eine Partie, bei der sich je vier Feldspieler plus Torhüter gegenüberstehen, dauert insgesamt 36 Spielminuten, die in Drittel unterteilt sind. ­Neben der Meisterschaft  finden das ganze Jahr über Turniere statt.

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Faszination: Fußball auf Sand 

Bevor die Real-Kicker auf sandigem Geläuf dem Leder hinterherjagten, war Hallenboden das Terrain des Clubs, der 2013 zunächst als Futsal-Team gegründet wurde. Zwei Jahre später lenkte eine „folgenschwere“ Begegnung das Team in eine andere Richtung. „2015 lernte ich einen Iraner kennen, den ich nach seiner Ankunft in Münster bei Behördengängen als Dolmetscher unterstützte.

Impressionen vom Beachsoccer

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In seiner Heimat gehörte er zum Trainerteam der Beachsoccer-Nationalmannschaft“, erzählte Gabriel Mohagheghi. Die Berichte seines Landsmannes über den Fußball auf Sand faszinierten Mohagheghi, er übertrug die Begeisterung auf seine Mitspieler. Fortan kickte Real Münster statt in der Halle auf Sand. „Von uns hatte niemand Beachsoccer-Erfahrung – alle kamen zuvor aus dem klassischen Fußballbereich.“ Rasen-, Asche- und Kunstrasenplätze kannte Mohagheghi noch aus seiner Zeit als Spieler des 1. FC Gievenbeck, TuS Hiltrup und Westfalia Kinderhaus.

Intensives Spiel

Er selbst greift nach einer schweren Verletzung nur manchmal aktiv ins Geschehen ein und beschreibt die Vorteile und Anforderungen des Untergrunds so: „Das Spielen auf Sand ist gut für Rücken und Gelenke, zudem wird der Muskelaufbau gefördert. Im Spiel zählt Laufstärke, Schnelligkeit, Technik, Ausdauer und eine gewisse Aggressivität. Das ist sehr intensiv, daher erfolgt im Match alle zwei bis drei Minuten ein Spielerwechsel.“

Noch gibt es in Deutschland keine Beachsoccer-Profis, sagt Gabriel Mohagheghi, hierzulande befindet sich der Sport noch im Entwicklungsstatus. „Ich gehe aber davon aus, dass die Popularität steigen wird, zumal jetzt auch der DFB mit im Boot ist. Die Spieltage werden live im Internet übertragen.“

International aktiv

Zuversichtlich, stolz und auch ambitioniert blickt der Vereinsmitbegründer auf seinen Verein: „Was wir in den letzten drei Jahren geschafft haben, ist schon enorm. Seit 2016 spielen wir in der 1. Bundesliga und haben recht erfolgreich auf Turnieren wie beispielsweise in Portugal, Frankreich, Holland sowie im Senegal abgeschnitten. So haben wir unsere Erfahrungen sammeln können. Mittelfristig wollen wir zu den vier besten Clubs in Deutschland gehören – und langfristig weltweit zur Top Ten.“

Neben der geplanten Gründung eines Damenteams will Real vor allem auch die Nachwuchsarbeit intensivieren. Die Bedingungen am Universitäts-Standort Münster sind günstig, um neue Mitspieler zu finden. Aktuell setzt sich das Team aus Studenten und Schülern im Alter zwischen 17 und 42 Jahren zusammen. Eine Mannschaft mit internationalem Charakter – unter anderem mit Kickern aus Guinea, Russland, Belgien, Griechenland, Iran und dem Senegal.

Kicker aus dem „klas­sischen“ Fußball 

Real Münster verpflichtete als erster Verein in Deutschland Beachsoccer-Nationalspieler aus Afrika und ­engagierte zwei ältere Profis aus dem euro­päischen Ausland, „die die jungen Spieler in ihrer ­fußballerischen Entwicklung fördern und ­ihnen Vorbilder sein sollen“, berichtet Ga­briel Moha­gheghi. Vom derzeitigen Kader sind einige Akteure ­parallel auch im „klas­sischen“ Fußball bei Vereinen aus dem Münsterland – wie bei Grün-Weiß Nottuln, VfL Billerbeck, Eintracht Rheine und IKSV Münster – im Ligabetrieb im Einsatz.

Der symbolische Anpfiff an der Sentruper Höhe ist erfolgt, Gabriel Mohagheghi ist ­optimistisch, dass nun ­Beachsoccer in Münster ­weiter Fahrt aufnimmt.

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