Handball: Landesliga
Torwart-Oldie Heinz Janssen hält Westfalias Kasten dicht

Münster -

Viel hat sich in den vergangenen 35 Jahren im Handball verändert, das nicht: Das Runde muss ins Eckige – oder aus Sicht von Heinz Janssen: Das Runde darf nicht ins Eckige. Der 49-jährige Notnagel von Westfalia Kinderhaus macht den gegnerischen Angreifern das Leben heute so schwer, wie schon vor 35 Jahren.

Mittwoch, 19.09.2018, 14:28 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 14:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 19.09.2018, 14:28 Uhr
Heinz Janssen arbeitet viel mit Erfahrung und Antizipation und macht in diesen Tagen genau das, was er schon vor 35 Jahren machte: den Kasten dicht.
Heinz Janssen arbeitet viel mit Erfahrung und Antizipation und macht in diesen Tagen genau das, was er schon vor 35 Jahren machte: den Kasten dicht. Foto: Johannes Oetz

Der gute alte Volksmund hat es schon immer gewusst: Alter schützt vor Torheit nicht. Was der Volksmund noch nicht wissen konnte: Vor Toren schützt Alter mitunter schon. In der Handball-Abteilung von Westfalia Kinderhaus ist man wie es scheint recht firm im Umgang mit bewährten wie mit neuen Redewendungen – und weiß zudem gute Ratschläge zu schätzen. Sebastian Dreiszis , Trainer der Landesliga-Herren, hat aus der Not eine Tugend gemacht und im Spiel gegen SW Havixbeck Routinier Heinz Janssen zwischen die Pfosten gestellt.

Der Keeper ist seit 1978 aktives Mitglied der Westfalia-Familie, hat 1983 mit 13 Jahren sein Debüt zwischen den Pfosten gegeben, zwischenzeitlich beim TuS Hiltrup das Oberliga-Tor gehütet, und ist 1996 zurück zur Westfalia gekommen, um dort seine Karriere sanft ausklingen zu lassen. „Naja, das hat dann ziemlich lange gedauert“, sagt Heinz Janssen heute. Erst 2015 wurden die Schuhe an den Nagel gehängt – und hingen da abgesehen von einigen spontanen Blauhelmeinsätzen in der ersten und zweiten Mannschaft auch vergleichsweise sicher. Bis zum Start in die aktuelle Spielzeit, als sich die etatmäßigen Keeper Christopher Cooper und Eike Reichardt passend zum Auftakt verletzt abmeldeten.

Sport nur noch beim Zähneputzen

Glücklicherweise ist Dreiszis in der Ahnengalerie von Westfalias Handball-Großfamilie schnell fündig geworden und hat neben Janssen auch noch Jonas Rottstegge reaktiviert, die jetzt im Wechsel das Team im Punkterennen halten sollen, bis sich das Stammduo wieder zurückmeldet. „Und dann bin ich auch wieder weg“, sagt Janssen, dessen nächster Geburtstag immerhin der 50. sein wird, und der sich freut, seinem Verein noch einmal helfen zu können. „Aber Ambitionen habe ich da nicht“, so Jansen. „Im Tor ist es halt auch einfach“, sagt der Mann, der nicht joggen mag. Aus Prinzip nicht und weil es den Körper auch nicht mehr danach verlangt. „Meine Patella-Sehne habe ich mir beim Kicken mit den Jungs von der vierten Mannschaft versaut, Sport mache ich eigentlich nicht mehr. Beim Zähneputzen stehe ich auf dem Balance-Board. Mehr nicht. Aber ich kann mich immer noch ins Tor stellen und ein bisschen abwerfen lassen“, so Jansen.

Wie das aussieht, zeigte er im Spiel gegen Havixbeck in bewährter Qualität. 19 Treffer kassierte der gelernte Bauingenieur, der seinen Kasten dann auch schön dicht hielt. Janssen hat in seiner langen Handball-Historie schon unzählige Spielsysteme gesehen, schmerzhaften Kontakt sowohl zu den alten harten als auch zu den neuen soften Bällen gehabt, mit ganz viel oder komplett ohne Harz – sein Job indes blieb weitgehend unverändert. „Für den Torwart bleibt die Aufgabe die gleiche. Und manchmal hilft Erfahrung tatsächlich mehr als Schnelligkeit. Dann kann man am Wurfbild sehen, wohin der Ball kommen muss, oder welche Möglichkeiten ein Angreifer in bestimmten Konstellationen überhaupt hat. Doof sieht es aus, wenn man in der falschen Ecke steht und nicht mehr schnell genug zum Ball kommt.“ Bislang sah Janssen selten doof aus und machte hinter einer starken Defensivreihe, zusammengehalten vom Zweitligaerfahrenen Manuel Honerkamp, eine sehr gute Figur. Und das wird er wohl auch am Wochenende im mit Spannung erwarteten Derby gegen Münster 08 tun dürfen. „Er hat sehr gut gehalten“, sagt Trainer Dreiszis, „warum sollte ich wechseln.“

Vorfreude auf das Münster-Derby

Auch Janssen freut sich auf die nächste Herausforderung, möglicherweise schon eine der letzten. In zwei Wochen wird Christopher Cooper im Training zurückerwartet, noch zwei Wochen später Eike Reichardt. Eile herrscht indes nicht: „Das Gute ist, dass sie in Ruhe wieder fit werden können. Heinz und Jonas kann ich mit gutem Gewissen aufstellen“, freut sich Dreiszis, dass auf die alten Haudegen Verlass ist. Janssen zumindest hält, wie es kommt. Nur einen Wunsch hat er: „Macht da bitte nicht so eine große Geschichte draus.“ Aber wie der Volksmund sagt: Das Leben ist kein Wunschkonzert

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