Reiten: Vielseitigkeit
Enttäuschung weicht bei Ingrid Klimke nach WM-Bronze dem Stolz

Münster -

Abwurf am letzten Hindernis. Damit Bronze statt Gold. Große Enttäuschung wäre nur menschlich gewesen. Doch schon am Tag nach dem WM-Finale, nach dem letzten Akt der Vielseitigkeit, konnte sich Ingrid Klimke wieder freuen. Ein Vorwurf an Hale Bob kam ihr sowieso nicht über die Lippen.

Dienstag, 18.09.2018, 17:48 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 15:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 17:48 Uhr
Es war der letzte Sprung, der Ingrid Klimke und Hale Bob den Einzel-Titel bei den Weltreiterspielen den Titel kostete. So wurde es Bronze für die Münsteranerin, die hinter der britischen Weltmeisterin Rosalind Canter (kl. Foto, M.) und dem Iren Padraig McCarthy landete.
Es war der letzte Sprung, der Ingrid Klimke und Hale Bob den Einzel- Titel bei den Weltreiterspielen den Titel kostete. So wurde es Bronze für die Münsteranerin, die hinter der britischen Weltmeisterin Rosalind Canter (kl. Foto, M.) und dem Iren Padraig McCarthy landete. Foto: dpa

Keine 24 Stunden waren nach dem abschließenden Springen vergangen, da war Ingrid Klimke schon wieder in der Heimat. Runter vom Sattel, ab zur Siegerehrung und zur Doping­probe, von der folgenden Pressekonferenz direkt zum Flughafen nach Charlotte. Alles ging am Montagabend in Tryon ganz schnell. Nur hatte die Münsteranerin zunächst wenig Zeit, das bei den Weltreiterspielen Geschehene einzuordnen.

Bis zum letzten Oxer war Klimke unterwegs in Richtung goldenes Edelmetall, die Europameisterin von 2017 schickte sich an, nun auch die höchste Stufe des WM-Podests zu erklimmen. Doch dann kam dieser verflixte letzte Sprung, an dem sie im Sattel von Hale Bob eine Stange herunterrollen ließ. Vier Strafpunkte be­deuteten den Fall vom ersten auf den dritten Rang.

Gold verloren oder Bronze gewonnen? Diese Frage ließ sich mit etwas Abstand eindeutig beantworten. „Im ersten Moment ist man enttäuscht, ganz klar. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr überwiegt der Stolz. Und ehrlich gesagt, gibt es schlimmere Schicksalsschläge, als bei einer WM Dritte zu werden. Manchmal fehlt halt ein bisschen Glück“, sagte Klimke. „Aber natürlich ist es schon schade. Denn es war der einzige Fehler, den Bobby in den Tagen hier gemacht hat.“

Ihr Pferd hatte sich bis zum finalen Sprung in bester Verfassung präsentiert – und dabei die Vorahnung seiner Reiterin bestätigt. Vor dem Abflug an die amerikanische Ostküste hatte Klimke ihrem Wallach eine konditionelle Top-Form attestiert, die Vorbereitung passte auf den Punkt. „Schon in der Dressur war er spitze. Aber seine Geländeleistung war dann gewaltig. Den letzten Berg ist er leicht hinaufgaloppiert, er war mit viel Herz und Mut unterwegs. Das war einfach toll“, erklärte Klimke.

Freude über Platz drei und ihre erste Einzelmedaille bei Weltreiterspielen, Enttäuschung aber über Rang fünf mit der Mannschaft, die nach dem Triumph von 2014 Titelverteidiger war und in Tryon noch gerade so die direkte Olympia-Qualifikation schaffte. „Wir hatten zwar keinen Totalausfall, waren aber einfach nicht gut genug“, sagte Klimke, der ihr Teamkollege Andreas Dibowski zustimmte. „Man muss nicht hinterm Berg halten, dass unsere eigenen Erwartungen höher waren“, sagte Dibowski, der nach einem fehlerfreien Springen auf Corrida Platz 28 belegte. Auch Kai Rüder blieb im Parcours mit Colani Sunrise ohne Abwurf und wurde mit 47,4 Punkten 33., die Deutsche Meisterin Julia Krajewski kam mit Chipmunk als 39. in die Gesamtwertung. „Die Briten, aber auch die Franzosen und Iren hatten geniale Runden. Die Konkurrenz schläft nicht“, meinte Klimke, für die es nicht nur wegen der Medaille ein besonderes Championat war. Die Auswirkungen des Hurrikan „Florence“ sorgten zudem für spezielle Momente – auch wenn er Tryon deutlich abgeschwächt erreichte. „Ein bisschen Sorge hatten wir schon, wir waren zwischendurch etwas beunruhigt. Einen Vorgeschmack, wie es hätte werden können, haben wir bekommen. Aber zum Glück ist nichts passiert, die sportlichen Bedingungen waren letztlich top“, meinte die 50-Jährige.

Stürmische Tage für Klimke, die am Dienstag glücklich den heimischen Stall erreichte. „Ich bin trotzdem happy. Hauptsache, wir haben eine Medaille mit nach Hause gebracht.“

14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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  • Kein Aprilscherz: Ingrid Klimke wurde am 1. April 1968 in Münster geboren.

    Foto: Jim Hollander
  • Nach 2000 (Sydney), 2004 (Athen), 2008 (Peking/Hongkong) und 2012 (London) sind die Spiele in Rio ihre fünften.

    Foto: Fazry Ismail
  • Die 48-Jährige ist die Tochter des 1999 verstorbenen Dr. Reiner Klimke, der bis heute der siegreichste Dressurreiter der Welt und einer der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken ist.

    Foto: Friso Gentsch
  • 2014/15 gewann sie als erste Deutsche die Gesamtwertung der FEI Classics.

    Foto: Jim Hollander
  • 2012 wurde Klimke das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

    Foto: Michael Kappeler
  • Im Anschluss an ihre Schulzeit machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und begann dann noch ein Lehramtsstudium - um sich dann aber ganz der professionellen Reiterei zu widmen. Mit Erfolg, wie unzählige nationale und internationale Triumphe beweisen.

    Foto: Fazry Ismail
  • Beim K+K-Cup 2012 erhielt Ingrid Klimke den Titel des Reitmeisters - als zweite Frau überhaupt. Die Auszeichnung ist eine der höchsten in der deutschen Reiterei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Münsteranerin hat mit Stallmanagerin Carmen Thiemann ein der besten ihres Faches in ihrer Crew. 2013 erhielt Thiemann vom Weltreiterverband den „Best Groom Award“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Naturgemäß kletterte Ingrid Klimke schon als kleines Mädchen in den Sattel. „Ich konnte eher reiten als laufen“, sagt sie daher oft scherzhaft.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielseitigkeitsreiterin. Nicht nur in dem hippologischen Dreikampf ist sie Weltklasse, auch in der Dressur siegte sie schon in Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau. Dazu gewann sie ebenso im Springparcours Goldene Schleifen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Als waschechte Münsteranerin versucht sie, sich jeden Mittwochvormittag freizuschaufeln, um auf den Markt zu gehen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist die Mutter zwei Töchter, die Greta und Philippa heißen. Mit Greta saß eine der beiden bereits in der Pony-Vielseitigkeit erfolgreich im Sattel.

    Foto: Jim Hollander
  • Ingrid Klimke ist zweifache Olympiasiegerin mit der deutschen Equipe (2008/2012). Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt ihr noch.

    Foto: Uwe Anspach
  • Ingrid Klimke stand vor den Olympischen Spielen als eine von fünf Athleten zur Wahl, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen. Am Ende machte Tischtennis-Star Timo Boll das Rennen. Klimke wäre die erste Frau gewesen, die die Disziplin Reiten als Fahnenträgerin vertreten hätte.

    Foto: Michael Kappeler
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