Rad: Sparkassen-Münsterland-Giro
3. Oktober – der Tag der Sprinter

Münster -

Der Sparkassen-Münsterland-Giro wartet in seiner 13. Auflage, die am frühen Mittwochmorgen in Coesfeld gestartet wird, mit prominenten Namen auf. Vor allem die neue Generation der Top-Sprinter verspricht interessante Duelle auf der Zielgeraden.

Dienstag, 02.10.2018, 20:15 Uhr aktualisiert: 02.10.2018, 21:18 Uhr
Klangvolle Namen beim Giro: (von oben links im Uhrzeigersinn nach links unten) Nacer Bouhanni, Fernando Gaviria, Sam Bennett, John Degenkolb, Pascal Ackermann, André Greipel.
Klangvolle Namen beim Giro: (von oben links im Uhrzeigersinn nach links unten) Nacer Bouhanni, Fernando Gaviria, Sam Bennett, John Degenkolb, Pascal Ackermann, André Greipel. Foto: stetzkal

Im Schatten etablierter Stars gedeiht sie heran, die neue Generation der Sprinter. Die alten Hasen haben die Bühne noch nicht verlassen, da schabt schon die junge Garde am Königsstuhl. Rotzfrech.

Aus der nationalen Brille gesehen ist Pascal Ackermann (Bora Hansgrohe) einer dieser neuen Sterne am Sprinterhimmel. Klar im Kopf, stark in den Beinen. Dazu ein verdammt sympathischer Typ, der sich nicht so wichtig nimmt. Erfolge sprechen lässt. Im Juli erst degradierte er bei der Deutschen Meisterschaft in Einhausen die hochgehandelte Konkurrenz auf die Ränge – seine Hatz auf der Zielgerade kam einem Husarenritt gleich. Etappensiege bei der Tour de Romandie , beim Critérium du Dauphiné und bei der Polen-Rundfahrt spülten den 24-Jährigen bis auf Platz 66 der Weltrangliste. Nur Teamkollege Emanuel Buchmann ist als 45. aktuell besser platziert.

Ein starkes Stück. Kein Wunder, dass sie in Minfeld, seinem Heimatort, verdammt stolz sind auf ihren Pascal. Dort haben sie sogar eine Straße nach ihm benannt. Und am Mittwoch werden sie sicher genau hinhören oder sogar hinschauen, was ihr Bursche am Tag der Deutschen Einheit so treibt. Ackermann gehört beim 13. Sparkassen-Münsterland-Giro zu den ganz großen Zugpferden.

Junge Wilde gegen Alteingesessene

Ja, die jungen Wilden. Sie wollen den alt eingesessenen Stars die Stirn bieten. Max Walscheid (Sunweb), 2018 Etappensieger bei der Tour de Yorkshire, fällt mit seinen 25 Lenzen noch in das Raster, genau wie Lokalmatador Phil Bauhaus (24). Für ihn als Bocholter ist die Schleife durch die Kreise Coesfeld und Borken ein Heimspiel. Er musste sich 2017 im Foto-Finish hauchdünn dem Iren Sam Bennett (Bora Hansgrohe) geschlagen geben. Was für eine Dramatik. Minutenlang standen die beiden mit dem Drittplatzierten André Greipel (Lotto Soudal) wenige Meter hinter dem Zielstrich ahnungslos herum. Die Technik musste in diesem Wimpernschlagfinale helfen, das menschliche Auge versagte. Das Podium von 2017 könnte auch 2018 eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Die drei werden es dem erfahrene John Degenkolb (29/Trek-Segafredo), Sieger 2016, schwer machen.

Sieger des Münsterland-Giros von 2006 bis 2018

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  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2006 - Start in Coesfeld:

    1. Paul Martens, GER, Skil-Shimano

    2. Sjef De Wilde, BEL, Landbouwkrediet-Colnago

    3. Marcel Sieberg, GER, Wiesenhof-Akud

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2007 - Start in Steinfurt:

    1. Jos van Emden, NED, Rabobank

    2. Gerald Ciolek, GER, T-Mobile

    3. Stefan van Dijk, NED, Wiesenhof-Felt

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2008 - Start in Bocholt:

    1. André Greipel, GER, Columbia

    2. Eric Zabel, GER, Milram

    3. Robert Förster, GER, Gerolsteiner

    Foto: Peter Leßmann
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2009 - Start in Ahlen:

    1. Aleksej Saramotins, LAT, Team Designa Kokken

    2. Wouter Mol, NED, Vacansoleil-Batavus

    3. Thierry Hupond, FRA, Skil-Shimano

    Foto: Peter Leßmann
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2010 - Start in Nordkirchen:

    1. Joost Van Leijen, NED, Vacansoleil

    2. Dirk Müller, GER, Team Nutrixxion Sparkasse

    3. Robert Wagner, GER, Skil Shimano

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 20011 - Start in Emsdetten:

    1. Marcel Kittel, GER, Team Skil Shimano

    2. John Degenkolb, GER, BDR Nationalmannschaft

    3. Kris Boeckmans, BEL, Topsport Vlaanderen

    Foto: Nicolas Bouvy
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 20012 - Start in Stadtlohn:

    1. Marcel Kittel, GER, Argos-Shimano

    2. Michael Van Staeyen, BEL, Topsport Vlaanderen - Mercator

    3. Dylan Groenewegen, NED, Cyclingteam de Rijke

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2013 - Start in Beckum:

    1. Jos Van Emden, NED, Blanco Pro Cycling Team

    2. Tom Veelers, NED, Team Argos-Shimano

    3. Iljo Keisse, BEL, Omega-Pharma-Quick-Step Cycling Team

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2014 - Start in Billerbeck:

    1. André Greipel, GER, Lotto Belisol

    2. John Degenkolb, GER, Team Giant-Shimano

    3. Tom Van Asbroeck, BEL, Topsport Vlaanderen - Baloise

    Foto: Guillaume Horcajuelo
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2015 - Start in Ibbenbüren:

    1. Tom Boonen, BEL, Etixx Quick-Step

    2. Roy Jans, BEL, Wanty-Groupe Gobert

    3. Nikias Arndt, GER, Team Giant-Alpecin

    Foto: R. Penno
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2016 - Start in Gronau:

    1. John Degenkolb, GER, Team Giant-Alpecin

    2. Roy Jans, BEL, Wanty-Groupe Gobert

    3. Pascal Ackermann, GER, rad-net Rose Team

    Foto: Jose Manuel Vidal
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2017 - Start in Wadersloh:

    1. Sam Bennett, IRL, Bora Hansgrohe

    2. Phil Bauhaus, GER, Sunweb

    3. André Greipel, GER, Lotto-Soudal

    Foto: Daniel Dal Zennaro
  • Sparkassen-Münsterland-Giro 2018 - Start in Coesfeld:

    1. Maximilian Richard Walscheid, GER, Sunweb

    2. John Degenkolb, GER, Trek-Segafredo

    3. Nils Politt, GER, Team Katusha - Alpecin

    Foto: Jürgen Peperhowe

Internationale Elite mit Ambitionen

Vom Sieger-Schampus möchte die internationale Elite genau so gerne kosten. Fernando Gaviria ist einer, der für den Generationswechsel der Sprinter im Eiltempo steht – mit Ambitionen vor dem Schloss. Am Montag wurde der Kolumbianer vom belgischen Rennstall Quick-Step Floors nachgemeldet. Seinen Durchbruch feierte der 24-Jährige beim Giro d’Italia – vier Etappensiege und das Dress für den besten Sprinter sprechen für sich. Bei der Tour de France 2018 fuhr der schnelle Südamerikaner beim Grand Départ sogar ohne Hemmungen ins Gelbe Trikot – für einen Tag. Und ließ auf der vierten Etappe einen weiteren Sieg folgen. Dreist, dieser Frischling. „Kräftig wie ein Elefant, schnell wie ein Falke“ schrieb „Spiegel online“.

Nicht zu vergessen: Nacer Bouhanni. Der 28-Jährige vom französischen Zweitdivisionär Cofidis gewann Ende August die sechste Etappe der Spanien-Rundfahrt und könnte den Unterschied ausmachen. Allerdings ist er kein unbeflecktes Blatt und bekannt für seine Eskapaden. 2017 bei der Tour de France ließ er sich auf der zehnten Etappe zu einer unnötigen Aktion hinreißen, als er im Sprintfinale gegen Jack Bauer (Quick-Step Floors) den Ellenbogen zu Hilfe nahm. Überflüssig, dumm. Die Strafe von 200 Franken und einer Zeitstrafe von einer Minute fiel ungewohnt dünne aus.

Prädestiniert für einen Massensprint

So unterschiedlich die Charaktere sind – sie tun dem Giro gut. Jeder für sich. Tausende Zuschauer dürfen sich auf ein packendes Finish freuen. Die Strecke und das Teilnehmerfeld sind prädestiniert für einen Massensprint. Für Cheforganisator Rainer Bergmann allemal „spektakulär“. Die Profis starten um 11.30 Uhr in Coesfeld. Bereits ab 7.55 Uhr setzen sich die ersten Jedermänner in Bewegung. Knapp 4500 an der Zahl. Der Giro macht mobil.

Münsterland-Giro: Die Jedermann-Strecke 2018

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  • Am 3.10.2018 steigen bei den drei Jedermannrennen gut 4500 Aktiven in den Sattel. Streckenchef Leo Bröker hat exemplarisch die längste der drei Routen aus der Schublade gekramt und die 125 Kilometer genau unter die Lupe genommen. Alles Wissenswerte hat er skizziert. Kletterer, aufgepasst!

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach dem Start in Münsters Westen geht es über Roxel nach Havixbeck. Am Stift Tilbeck (Bild) geht das flache Münsterland zu Ende. Es wird bergig, der eine oder andere Radfahrer muss aus dem Sattel. Erste echte Schweißarbeit ist jetzt gefragt. Der Anstieg zum Tilbecker Berg beträgt immerhin sieben Prozent. In Metern: 114. „Jeder einigermaßen Trainierte kommt hier aber hoch“, sagt Leo Bröker. Er muss es wissen. Es sind erst 13 Kilometer zurückgelegt – also locker weitertrampeln.

    Foto: Klaus de Carné
  • Bei Kilometer 20 führt der Weg am schmucken Hotel Steverburg vorbei, das früher eine Jugendherberge war. Jetzt wird es ernst. 15 Prozent Steigung bis zum Longinusturm (im Bild), da können die 187 Meter schon zur Qual werden. „Da wird manch einer absteigen“, glaubt Bröker. Hier müssen sie aber alle hoch – die Jedermänner über die 65, 95 und 125 Kilometer. Gut 4500 Radfahrer in Action.

    Foto: Frank Vogel
  • Hier geht es ans Eingemachte. Der Daruper Berg beginnt am Ortsausgang Darup und zieht sich über 1,6 Kilometer bei elf Prozent. Laut Bröker ist der Anstieg einer der spektakulärsten und meistgenutzten in den Baumbergen. Auch Münsters Ex-Radprofi Fabian Wegmann hat hier immer wieder trainiert. Die Straße ist gut befahrbar. 800 Meter nach der Erklimmung bietet sich den Radsportlern ein schöner Ausblick auf Billerbeck.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Und wieder geht es bergauf in die „Serpentinen“ der Baumberge. 138 Meter bei sechs Prozent. „Eine breite, gute Straße“, weiß Bröker. Als Belohnung für den vierten Berg winkt den Aktiven nach der Weißenburg eine schnelle Abfahrt nach Darfeld bei 60 bis 70 Kilometern in der Stunde.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es geht in den Kreis Borken. Eine wunderschöne Eichenallee führt bei Kilometer 57 nach Asbeck. Nach der Ortsdurchfahrt geht es verwinkelt über Kopfsteinpflaster. „Da rollt das Rad nicht so jovel“, sagt Bröker. Wer diesen Abschnitt meistert, hat knapp die Hälfte hinter sich, darf sich in Ahaus auf den einzigen Verpflegungsstand freuen.

    Foto: imago/Patrick Scheiber
  • Bei Kilometer 90 geht es rauf auf den Schöppinger Berg. 157 Meter bei sieben Prozent. Der letzte große Anstieg wird den Jedermännern die Schweißperlen noch einmal auf die Stirn treiben. „Unter Druck kann dieser Aufstieg schon mal zum Hindernis werden“, sagt Bröker. Wer oben ist, hat das Schlimmste geschafft, kann kurz die Aussicht genießen. Es geht flach Richtung Ziel.

    Foto: Jens Keblat
  • Flach Richtung Ziel? Zu schön, um wahr zu sein. Streckenchef Leo Bröker hat sich noch was einfallen lassen, dieser Schelm. Am Donnerbusch in Nienberge geht es bei sechs Prozent leicht in die Höhe. Ein kleiner Hügel, der „nochmals richtig wehtut“, weiß Bröker – und das Feld ein letztes Mal in die Länge zieht. Kurz vor dem großen Finale.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Für die Zieleinfahrt in Münster, die über die Steinfurter Straße erfolgt, haben sich die Nienberger Landwirte etwas Besonderes einfallen lassen: Aus 600 Strohbunden haben sie eine Preußen-Arena errichtet, die den Radfahrern beim Sparkassen Münsterland Giro einen gebührenden Empfang bei der Zieleinfahrt bereiten soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Endlich im Ziel – die Einfahrt auf dem Schlossplatz unter dem Jubel der Zuschauer ist für Jedermänner wie für Profis immer ein besonderes Gefühl.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dieser Mann ist ein Phänomen, kennt das Münsterland wie seine eigene Westentasche. Und ist seit dem ersten Sparkassen-Münsterland-Giro für die Streckenführung und die Ausschilderung verantwortlich. Der 81-Jährige braucht kein Navi, er kann die Strecken im Schlaf abfahren – unfallfrei. Das Rad ist seine Passion.

    Foto: Sparkassen-Münsterland-Giro
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