Motorradrennen
Hanno Brandenburger fährt mit großer Leidenschaft in der IRRC-Serie mit

Münster -

Hanno Brandenburger ist sich sicher. „Das nennt man wohl Leidenschaft“, sagt der Motorradrennfahrer mit einem Lächeln. Schön, dass er noch lächeln kann, mag man ihm entgegenhalten, denn seine „Leidenschaft“ führt „Leiden“ im Wort. Expressis verbis hat der 42-Jährige diese erfahren. Im Mai im niederländischen Hengelo war das. Mit seiner 1000er Suzuki hatte es den Rennfahrer aus Billerbeck bei Tempo 100 aus einer Linkskurve gehebelt: Helm kaputt, die Verkleidung an der Maschine Schrott, Lenker abgerissen, der Auspuff verbogen. 

Montag, 24.12.2018, 13:00 Uhr
Motorradrennen : Hanno Brandenburger fährt mit großer Leidenschaft in der IRRC-Serie mit
Hanno Brandenburger ist mit seinem Motorrad auf ganz normalen europäischen Straßen unterwegs – allerdings im Rennmodus. Foto: Andi Heinze

Brandenburger selbst war außer einigen schmerzhaften Prellungen und Fleischwunden wenig passiert. Das Rennen – vorbei? „Ich habe von sechs Fahrern Ersatzteile zusammengeliehen, bin durch den Medical-Check gekommen und habe alle vier Qualifyings bestritten. Tags darauf bin ich auch alle vier Rennen gefahren“, erzählt Brandenburger. Die Hilfsbereitschaft der Konkurrenten – „wo sonst findet man das im Sport?“, fragt er.

Der im normalen Berufsleben als Zweiradmechaniker-Meister arbeitende Brandenburger fährt mit bei der International Road Racing Championship (IRRC), die ihre Wettbewerbe auf normalen – dann aber natürlich abgesperrten – Straßen bestreiten. Hervorgegangen ist die IRRC aus dem „Drei-Landen-Cup“, den Motorrad-Clubs aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien organisierten.

Zehn Fahrer, sechs Rennen, fünf Länder – Meister wird, wer in der Addition am meisten Punkte holt. Gestartet wird in der Superbike- (bis 1000 Kubikzentimeter Hubraum) und in der Supersport-Klasse (600 Kubikzentimeter). Gefahren wird in Hengelo (Niederlande), Imatra (Finnland), Terlicko (Tschechien), Chimey (Belgien), Horice (Tschechien) und im sächsischen Frohburg (zwischen Dresden und Chemnitz). 30 Serienstarter sind pro Saison in beiden Klassen gemeldet.

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Leidenschaft: Nach seinem Crash in Hengelo vor rund 4000 Zuschauern – in Horice sind es mitunter auch mal 25 000, im notorisch motorsportverrückten Finnland sogar an die 50 000 – kannte Brandenburger kein Erbarmen mit sich. Zwei Wochen später saß er in Tschechien schon wieder auf dem Bock, „kaum auszuhalten vor Schmerzen“, aber er fuhr. Am Saisonende stand er auf Rang 19. Sein hiesiger Hauptsponsor verfügt über den Schutzengel in der Werbung. „Wir überlegen jetzt, ob ich vielleicht eine Kombi mit Airbag bekomme“, sagt Brandenburger.

Prellungen und blaue Flecke vergehen, die Passion für den Motorradsport brennt weiter in ihm. Die IRRC ist so etwas wie ein Ableger der legendären Tourist Trophy (TT) auf der Isle of Man in der Irischen See. „Das ist ja der Reiz für uns Fahrer – die Naturstrecken und das Motorrad mit 200 PS darauf zu beherrschen“, erzählt Brandenburger.

Hanno

Seine ersten Schritte, besser: Runden, machte er für den MSC Münster, ab 2004 fuhr er die sogenannten lizenzfreien Rennen in Oschersleben und auf dem Lausitzring. Sieben Jahre später entdeckte der dreifache Vater die Hobby-Meisterschaften, die irgendwann auch ihren Reiz verloren. Seitdem fährt Brandenburger in der IRRC.

Drei Tote hat es 2014 auf dem belgischen „Dreckskurs“ (Brandenburger) in Chimay gegeben. „Das ist weder üblich, noch gibt es bei den Rennen einen wirklichen Grund, dass etwas passiert“, sagt er. Für ihn sind die Wettbewerbe „kalkuliertes Risiko. 95 Prozent aller Situationen entscheide ich selbst“. Mit 180 km/h hat es ihn mal in Oschersleben „erwischt“, das Handgelenk hielt dem Aufprall nicht Stand.

Das ist ja der Reiz für uns Fahrer – die Naturstrecken und das Motorrad mit 200 PS darauf zu beherrschen.

Hanno Brandenburger

Spielt nicht auch oft der Faktor Glück eine Rolle, dass nicht mehr passiert? Brandenburger versucht es mit Humor: „Die Schnelleren würden sagen, du warst nicht schnell genug“.

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Die Straßen als Strecken werden natürlich gecheckt und präpariert, „gebürstet“, sagt Brandenburger. „Die Feuerwehren spritzen den Asphalt ab.“ In Frohburg gehe das Rennen bereits in die 56. Auflage. „Das bedeutet, dass die Kommune auch vom Rennen und den Zuschauern profitiert. Da kommt der Bürgermeister zur Eröffnung“, schildert Brandenburger.

Bei jedem Wettkampf der IRRC stellt der Veranstalter die Aufsicht, Streckenposten und den Rennleiter, der in Zweifelsfragen entscheidet. Zumeist wird alles ehrenamtlich organisiert. „Die Veranstalter müssen aber schon kostendeckend arbeiten, sonst ist bald Schluss“, sagt Brandenburger. Kosten? „Danach darfst du keinen Rennfahrer fragen“, sagt er nur.

1300 Euro gehen pro Saison als Meldegebühr drauf, die die Veranstalter an Siegprämien zum Großteil wieder ausschütten. Kosten für im Schnitt zwei neue Vorderradreifen, einen Satz Regenreifen und jeweils neue Hinterradreifen, die nach dem Rennen zumeist für die anschließenden Qualifikationen noch verwertet werden.

Und die Familie spielt mit? „Die kennt mich ja nicht anders.“

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