Fußball: Jahreshauptversammlung
Preußen geben sich transparent in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten

Münster -

Die Zahlen beim SC Preußen Münster sind nicht rosig, aber der Verein hat sich mit harter Arbeit und einem Sparkurs wieder in sicherere Fahrwasser gebracht. Präsident Christoph Strässer und seine Mitstreiter legten sehr transparent die meisten Zahlen offen.

Sonntag, 13.01.2019, 18:20 Uhr aktualisiert: 13.01.2019, 19:04 Uhr
Stimmung okay, Abstimmungen waren rares Gut. Hans-Jürgen Eidecker erklärte die Zahlen bei der SCP-Versammlung.
Stimmung okay, Abstimmungen waren rares Gut. Hans-Jürgen Eidecker erklärte die Zahlen bei der SCP-Versammlung. Foto: Sebastian Sanders

Die Zeiten sind weiter schwierig für den SC Preußen Münster, aber es gibt eine Perspektive für den mittlerweile im 113. Lebensjahr befindlichen Traditionsverein – so oder so ähnlich dürfte der Tenor lauten. Als die Jahreshauptversammlung in der Mensa am Ring am Sonntag zu bester Frühschoppenzeit anberaumt war, da fanden sich letztlich 286 Mitglieder ein.

Ein wieder auf Normalmaß gestutztes Aufkommen an Preußen-Vereinsangehörigen, nachdem vor gut zwölf Monaten die Bude „rappelvoll“ war. Damals ging es um die Ausgliederung der Profiabteilung, eine wegweisende, hochemotionale und existenzielle Entscheidung, zu der sich über 900 Mitglieder einfanden. Nun waren es wie gesagt 286 von insgesamt 1961 Mitgliedern. Die Aufregung hat sich gelegt, obwohl es weiterhin sehr spannend bleibt bei Münsters erster Fußball-Adresse.

Erstmals mussten die Vereinsvertreter gleichermaßen über den eingetragenen Verein SC Preußen mit Fußball, Faustball, Handball und der verwandten Tennissparte TC Preußen berichten, wie auch über die Entwicklung der ausgegliederten Profiabteilung mit dem Drittliga-Team sowie der U 23, U 19 und U 17. „Es hat vor einem Jahr große Diskussionen gegeben. Unsere Botschaft lautet: Es gibt eine deutliche finanzielle Entlastung sowohl für den eingetragenen Verein als auch die Kapitalgesellschaft“, sagte Präsident Christoph Strässer. Der Club sei auf einem guten Weg. Und ohne die finanzielle Unterstützung der Gremienmitglieder hätte er im vergangen Jahr die Lizenz für die 3. Liga nicht bekommen.

Kommentar: Attraktiver werden

So komplex und auf die Schnelle schwer zu durchschauen das Zahlenwerk auch war – das Signal, größtmögliche Transparenz für die Mitglieder zu schaffen, war richtig. Was jeder verstanden haben dürfte: Der SCP bewegt sich in weiter schwierigen Verhältnissen, hat aber einen Turnaround in der Ausgabenpolitik eingeleitet. Diese garantiert dennoch keineswegs den ewigen Verbleib im Profifußball. Die Sparpolitik ist gerade aktuell für das Profi-Team deutlich zu spüren.

Doch mehr Risiko scheint keine Alternative, das bestätigen der Blick auf die ersten Drittliga-Jahre und der spätere Beinahe-Knockout. Eine klare Botschaft richteten die Bosse zudem an die heimische Wirtschaft, sich auch unterhalb der 2. Liga zu engagieren. Um schon heute attraktiver für Sponsoren zu werden, muss der Traditionsclub aber auch seine öffentlichen Auftritte in der Stadtgesellschaft spürbar ausweiten.

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Ein bisschen Stolz klang mit, als Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker bei den Finanzen ins Detail ging: „Wir habe mit der Ausgliederung etwas geschafft, was einige in der 1. Bundesliga noch nicht hinbekommen haben.“ Er rechnete vor, wie der eingetragene Verein nun „amtlich schuldenfrei ist“.

Jahreshauptversammlung des SC Preußen Münster

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Das komplexe, auf manchen paradox wirkende Zahlenwerk besagt, dass der SCP mit seiner Kapitalgesellschaft aufgrund der vorhandenen stillen Reserven (Spielerwerte, Markenwert SCP, Haupttribüne) ein Eigenkapital von 2,029 Millionen Euro erreicht hat und im „grünen Bereich“ ist. Die Verbindlichkeiten belaufen sich im Abrechnungszeitraum auf 4,085 Millionen Euro, sie belasten nicht den Club, diese Summe wird vielmehr durch die Bewertung der stillen Reserven in bessere Zahlen gedreht.

Kloer und andere geehrt

Ehrungen für langjährige Mitgliedschaften gehören zu jeder Jahreshauptversammlung. Alles andere als alltäglich ist es aber, dass Helmut Kloer (Bild) dem SCP seit sage und schreibe 80 Jahren angehört. Dafür gab es Standing Ovations. Ausgezeichnet wurde Auch Bruno Alberternst für 70 Jahre – ebenfalls mehr als beachtlich.

Seit 50 Jahren dabei sind Alfred Balkau, Andreas Brodherr, Günther Hennemann, Winfried Krause und Hans Schulte. Der langjährige Sponsor Hermann Brück, Rudolf Rickfelder, Klaus Schmäing, Hanns Stoffmehl und Helmut Tigges sind seit 40 Jahren dabei, BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer, Aufsichtsratschef Frank Westermann, Förderer Wilfried Tandetzki, Otto Kiel und Günther Teichmann seit 25 Jahren.

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Das Eigenkapital des Vereins entwickelte sich während einer Dekade (2005 bis 2014) positiv, ehe es sich seitdem drei Jahre lang rapide verschlechterte. Im Vorjahr minus 3,128 Millionen Euro, nun aufgrund von 790 000 Euro Steuerrückstellung auf besagte 4,085 Millionen Euro.

Interview mit SCP-Präsident Christoph Strässer

Präsident Christoph Strässer stellte klar, dass er nach dem Aus für die Stadionpläne in Bösensell kurz über einen Rücktritt nachgedacht hat. Nun aber stellte sich das frühere Bundestagsmitglied motiviert den Vereinsmitgliedern. Mit ihm sprach Alexander Heflik nach der Versammlung.

Sind Sie zufrieden nach gut dreieinhalb Stunden SCP-Versammlung?

Strässer: Ja. Das war eine sehr konstruktive Sitzung mit rund 300 interessierten Mitgliedern.

Wie bewerten Sie die vorgelegten wirtschaftlichen Daten?

Strässer: Die sind natürlich schwierig nachzuvollziehen. Durch die Ausgliederung sind wir einen ziemlich großen Schritt vorangekommen. Es gibt immer noch viele Unwägbarkeiten, aber der Verein steht auf sicheren Füßen. Was wir nicht haben, das sind zusätzliche Millionen für den Kader. Vorerst bleibt das Korsett, wie es aktuell ist.

Wie geht es mit dem Stadion weiter?

Strässer: Es gibt das konkrete Angebot der Stadt. Wir haben uns grob verständigt über eine Sitzungsgruppe. Das soll zeitnah geschehen. Wir wollen aber auch externen Sachverstand dazuholen, ein Stadion baut man nicht jeden Tag.

Was erwarten Sie von der Stadt und was von der lokalen und regionalen Wirtschaft?

Strässer: Wir brauchen eine Kapitalausstattung für den Aufstieg, nicht nach dem Aufstieg. Ich finde, wir haben was geleistet und haben ein vernünftiges Konzept. Mit der Stadt sind wir auf einem guten Weg. Aber wir brauchen mehr Unterstützung, nicht nur finanziell. Profifußball ist wichtig für die Stadtgesellschaft ist. Unsere Botschaft lautet, dass es jetzt losgehen muss.

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Einhelliger Tenor war aber, dass die schlimmsten Klippen umschifft sind. Doch, so Geschäftsführer Bernd Niewöhner: „Wir verfügen über ein positives Eigenkapital von 2,06 Millionen Euro. Wir haben Kapital generieren können. Viele Mitgliedern hatten erwartet, dass wir das Geld hätten anders verwenden können. Aber der DFB hat uns gezwungen, unsere Verbindlichkeiten zu bedienen.“ So gab es einen Bescheid über eine Steuernachzahlung über eine halbe Million Euro, der nach Einspruch der KGaA zwar auf 350 000 Euro gesenkt wurde, aber dennoch überraschend kam. Steuerrecht sei plötzlich anders ausgelegt worden, zudem sind nun Zuschüsse für Flutlicht, Stadionerhalt oder Rasenheizung umsatzsteuerpflichtig. Das für Juni 2019 prognostizierte Ergebnis beschreibt Niewöhner als „erstmals leicht akzeptabel“. Es wird ein Minus von maximal 266 000 Euro erwartet.

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