Fußball: 3. Liga
Marco Antwerpen geht: Preußen Münster muss sich einen neuen Trainer suchen

Münster -

Die Gerüchteküche brodelte in den vergangenen Wochen. Jetzt ist es amtlich: Marco Antwerpen wird den Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster im Sommer verlassen. Er will mit dem Club keine Gespräche mehr über eine mögliche Vertragsverlängerung führen. Trotzdem verspricht er: „Ich werde bis zum letzten Tag alles geben.“

Dienstag, 29.01.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 13:26 Uhr
Verlässt den SC Preußen im Sommer: Marco Antwerpen
Verlässt den SC Preußen im Sommer: Marco Antwerpen Foto: Jürgen Peperhowe

Die Katze ist aus dem Sack. Marco Antwerpen hat die Initiative ergriffen und stellt den SC Preußen vor vollendete Tatsachen. Der 47 Jahre alte Fußballlehrer wird nicht mehr in Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung einsteigen. „Ich habe viele Gespräche in meinem Umfeld geführt und die Situation im Verein und für mich analysiert. Perspektivisch will ich mich anders ausrichten“, sagte er. Nach eigener Angabe hat er bislang keinen neuen Club, auch gibt es aktuell kein Angebot. Antwerpen will seinen Kontrakt erfüllen: „Ich werde bis zum letzten Tag alles geben. Ich kann nicht in die Zukunft schauen und sagen, was der Verein will.“

Als der SCP in die 3. Liga aufgestiegen war, gab es nach der Winterpause im Januar 2012 eine ähnliche Situation. Damals sagte der bei den Fans populäre Marc Fascher , dass er seinen Vertrag nicht verlängern würde. Da war das Verhältnis zwischen dem Trainer, immerhin Aufstiegsheld von 2011, sowie sportlicher Leitung und Präsidium bereits zerrüttet, Pavel Dotchev wurde als Nachfolger verpflichtet. Davon kann bei Antwerpen, Sportchef Malte Metzelder und den heutigen Entscheidungsgremien nicht die Rede sein. Das Duo ist zumindest eine arbeitstaugliche Achse. „Unser Verhältnis ist sehr professionell. Natürlich kommt es vor, dass wir manchmal unterschiedlicher Meinung sind“, so der Coach.

Konflikt über Transfers

Verschiedener Ansicht sind die beiden sportlichen Entscheider über die Ausrichtung. Antwerpen hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass noch weitere Transfers hätten getätigt werden sollen. Das sagte er im Sommer, das sagte er auch im Spätherbst – und das sagt er bis heute. Damit hätte der SCP, aus seiner Sicht, die Chancen erhöht, dauerhaft im oberen Tabellendrittel mitzuspielen. Metzelder dagegen stellte klipp und klar fest, dass der Etat für die Drittliga-Mannschaft ausgereizt sei und Verpflichtungen in dieser Saison nicht mehr möglich sind. Der Sportchef lehnte es ab, wirtschaftliches Risiko zu gehen. Einzig Spielerverkäufe in der Winterpause hätten Spielraum bieten können, bislang hat aber kein Mitglied aus dem Profikader derlei Absichten kundgetan. Das Transferfenster schließt im Übrigen am Donnerstag.

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Keine Perspektive in Münster

Antwerpen dürfte die Prognose, die bei der Jahreshauptversammlung Mitte Januar den Vereinsmitgliedern aufgezeichnet wurde, nicht gefallen haben. Da wurde bekannt, dass im Etat für die neue Saison 2019/20 keine großen Sprünge zu erwarten sind. Im Klartext stehen rund drei Millionen Euro für das Personal des Drittliga-Teams zur Verfügung, damit befindet sich der SCP in der zweiten Hälfte der 3. Liga, Aufstiegsambitionen fast schon ausgeschlossen – wobei Unterhaching mit schmalem Budget das aktuell auf eine charmante Art und Weise widerlegt. Wirtschaftlich ist der SCP auf Konsolidierungskurs, die Effekte der Ausgliederung und des Stadionprojektes dürften kurzfristig keine gravierenden Auswirkungen haben, sprich neuen Spielraum für Transfers bieten. Der 47-Jährige sagt zudem über seine Ziele: „Ich möchte schon zu einem Verein, der ambitioniert ist, der klare Ziele hat.“ Die Perspektive in Münster scheint offenbar für den Ex-Spieler zu überschaubar.

Antwerpens Bilanz: "Gut."

Antwerpen hatte schon zu seiner Zeit als Coach von Regionalligist RW Ahlen frühzeitig seinen Abschied angekündigt. Er hat keine Befürchtungen vor einem „Lame-Duck-Syndrom“, also eines Trainers, der in den letzten Monaten praktisch handlungsunfähig ist, dem die Mannschaft auf dem Kopf herumtanzt. „Warum soll ein Trainer das nicht sagen können mit dem Ende der Amtszeit und dann vernünftig weiterarbeiten?“, fragt er, und verspricht sich dadurch Klarheit für alle Seiten. „Die Mannschaft zieht bravourös mit, die Spieler hauen alles raus.“ Die Bilanz seiner bislang 13-monatigen Amtszeit bewertet er so: „Gut.“ Die Rückrunde der letzten Saison sei überragend gewesen, die Hinrunde in der laufenden Spielzeit auch. Nach dem Durchhänger im Dezember hat sich das Team gefangen, Jena und das 0:0 seien ein Schritt nach vorn.

Trainer Marco Antwerpen verlässt den SCP

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  • Marco Antwerpen beendet sein Engagement beim SCP.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen und Malte Metzelder schafften gemeinsam einige Erfolge.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wichtigster Antwerpen-Vertrauter war aber Co-Trainer Kurtulus Öztürk.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Am Spielfeldrand gab Antwerpen immer klare Anweisungen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als Motivator ist Antwerpen besonders stark.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Bei den Spielern verschafft er sich regelmäßig lautstark Gehör.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Spieler wie René Klingenburg explodierten unter Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Rufat Dadashov förderte der Coach.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ob diese Antwerpen-Geste einem Schiedsrichter galt?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Antwerpen gilt inzwischen als echter Szenekenner.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hier nimmt er den Zwickauer Ronny König in den Arm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es gibt aber auch nachdenkliche Momente.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Manchmal fehlte nicht viel zum Sieg, wie Antwerpen hier anzeigt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Otto-Rehhagel-Pfiff mit zwei Fingern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Weggang von Adriano Grimaldi traf auch Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Fingerzeig, wohin der Weg des Trainers führt? Noch gibt es ihn nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Entspannt beobachtet der Coach das Aufwärmprogramm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit Sportchef Malte Metzelder gab es zuletzt auch Dissonanzen.

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  • Ein Profisport-Klassiker war der Auslöser: Der Trainer will Spieler, der Manager hat kein Geld dafür.

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  • Kurtulus Öztürk ist auf der Bank eher der ruhigere Typ – wenn auch nicht immer.

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  • Doch auch Antwerpen kann beschwichtigen.

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  • ... und sogar tief in sich gehen.

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  • Wie Grimaldi verlässt Antwerpen den SCP also bald.

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  • Zum Abschied wird es einige Umarmungen wie hier mit Moritz Heinrich geben.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Fronten sind nun geklärt, Antwerpen wird nicht mehr verhandeln. Er geht im Sommer – außer der Verein überlegt es sich anders. Angesichts der knappen Finanzen dürfte das nur im Falle eines sich anbahnenden Abstiegskampfes der Fall sein. Preußen Münster befindet sich ab sofort auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer.

Wer kommt nach Antwerpen?

Zuvor hatte der Verein erklärt, ab dem Sommer nicht mehr auf die Dienste von Cihan Tasdelen zurückzugreifen . Der 43-Jährige betreut die U 19 in der A-Jugend-Bundesliga, er war seit Jahren in unterschiedlichen Funktionen für den SCP tätig. Tasdelens Aufgabe dürfte auf Arne Barez zugeschnitten sein, der U-17-Trainer befindet sich aktuell in der Fußballlehrerausbildung beim DFB. Der Vertrag mit Sören Weinfurtner, der die Zweitvertretung in der Westfalenliga betreut, wurde dagegen um zwei Saisons bis 2021 verlängert.

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