Fußball: 3. Liga
In Manhattan bekam Preußen-Kapitän Scherder den Kopf frei

Münster -

Im Dezember sah es so aus, als habe Simon Scherder künftig extrem schlechte Karten bei Preußen-Trainer Marco Antwerpen. Zwei Monate später haben sich die Dinge aber schon wieder gedreht. Der Kapitän hat in diesem Jahr alle Spiele im Abwehrzentrum bestritten und war dabei stabilster Verteidiger.

Donnerstag, 21.02.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 22.02.2019, 11:30 Uhr
Die Unterhaltung zwischen Simon Scherder (r.) und Trainer Marco Antwerpen im ersten Training des Jahres (kl. Bild).
Die Unterhaltung zwischen Simon Scherder (r.) und Trainer Marco Antwerpen im ersten Training des Jahres (kl. Bild). Foto: Peter Leßmann

Von einem sportlichen Tiefpunkt zu sprechen, verbietet sich im Fall von Simon Scherder eigentlich. Der Kerl war zwischen 2015 und 2017 mit zwei Kreuzbandrissen und etlichen Rückschlägen zwei Jahre komplett außer Gefecht. Die echten Schattenseiten des Profitums kennt er besser als die meisten anderen. Dennoch musste auch das Preußen-Eigengewächs im Dezember kräftig schlucken. Die ganze Hinserie war nicht gerade nach Wunsch verlaufen. Im September hatte der Kapitän seinen Stammplatz verloren, später fiel er immer wieder durch Unkonzentriertheiten auf. Nach dem 0:2 gegen den FSV Zwickau , als der Innenverteidiger an beiden Gegentoren beteiligt war, kritisierte Coach Marco Antwerpen ihn ungewöhnlich scharf, eine Woche später gegen Fortuna Köln schmorte der Spielführer 90 Minuten draußen.

Es gibt Spieler, die müssen an solchen Erfahrungen lange knabbern, manche zerbrechen sogar dran. Doch Scherder hat sich inzwischen beeindruckend zurückgemeldet. Viermal stand er nach der Winterpause in der Startelf, viermal überzeugte er. Die Preußen mussten in diesem Zeitraum nur ein Gegentor hinnehmen. In den vier Dezember-Partien waren es deren elf.

Der 25-Jährige ist aber ehrlich: „Die ersten Tage danach hat mich das alles schon runtergezogen, da war die Lust auf Fußball eher gering.“ Sein Umfeld fand die harten Worte des Trainers unpassend, er selbst umgab sich mit einer Schutzhülle. „Da habe ich extra mal keine Medien gelesen.“

Klingt verrückt, doch der New-York-Trip mit Freundin zwischen Weihnachten und Silvester half ihm immens, den Kopf freizukriegen. „So viele Eindrücke, das war Wahnsinn. Da kommt man auf andere Gedanken. Auch wenn ich den Körper nicht so richtig runtergefahren habe.“ Bei kilometerlangen Spaziergängen durch Manhattan war Abschalten dennoch leichter als bei tagelangem Nichtstun am Strand.

Selbst Antwerpen stellte fest: „Simon kam sehr relaxed aus dem Urlaub, er ist komplett auf null runtergefahren.“ Teil zwei der Wiedereingliederung folgte am ersten Trainingstag im Januar. „Wir hatten vorher auch schon mal kurz gesprochen“, berichtet der Coach. Doch Scherder erinnert sich gut an die Unterhaltung zwischen zwei Übungen. „Marco hat mir gesagt, dass ich die Vergangenheit ausblenden soll, dass ich weiter wichtig bin und sein Kapitän bleibe. Ich habe geantwortet, dass ich mental noch nicht in überragender Verfassung bin. Aber in dem Moment habe ich dann einfach umgeswitcht.“

Die ersten Einheiten, die ersten Tests, dann die Rückkehr in den Liga-Alltag als Stammkraft – 2019 läuft für Scherder bisher gut. Das hat auch mit der Position zu tun. Als Mittelmann der Dreierreihe (und Ersatz des gesperrten Ole Kittner) offenbarte der Sportmanagement-Student noch Probleme, halblinks oder zuletzt gegen Osnabrück wieder in einer Viererkette fühlt er sich wohler. „Ich habe gemerkt, dass die Sicherheit wiederkommt. Die ersten Spiele liefen ordentlich.“

Kittners Rolle als Nebenmann ist auch nicht zu unterschätzen. „Mit seiner Ruhe und Erfahrung ist er brutal wichtig. Als Organisator hat Ole alles am besten im Blick“, sagt Scherder, der zugibt, dass er der Idee einer Viererkette im Derby skeptisch gegenüberstand. „Es ist bei uns ja auch öfter schiefgegangen. Aber diesmal waren die Abläufe direkt da.“

Antwerpen freut sich bei allen Sorgenfalten im Angriff, dass er seine Deckung mit dem Einbau von Scherder und Sandrino Braun (für Lion Schweers und den angeschlagenen Jannik Borgmann) wieder stabil bekommen hat. „Die Verteidigung steht. Das liegt aber auch daran, wie wir im Mittelfeld auf Umschaltmomente des Gegners reagieren, dass wir dort immer viele Leute hinter den Ball kriegen.“ Heißt: Die Hilfe der Kollegen hat es Scherder erleichtert, die alte Form zu finden.

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