Fußball: 3. Liga
Preußen Münster beklagt falschen Pfiff und fehlende Chancen

Wiesbaden -

Wer sein Steak „englisch“ mag, der mag es blutig. Für den einen ein Leckerbissen, für den anderen ungenießbar. In etwa so, wie die englische Woche für den SC Preußen Münster, der in Wiesbaden die dritte Schlappe binnen einer Woche kassierte.

Sonntag, 17.03.2019, 15:02 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 18:54 Uhr
Die dritte Niederlage binnen sieben Tagen bietet allen Grund zum Trübsalblasen: Die Preußenspieler schleichen enttäuscht vom Platz in Wiesbaden.
Die dritte Niederlage binnen sieben Tagen bietet allen Grund zum Trübsalblasen: Die Preußenspieler schleichen enttäuscht vom Platz in Wiesbaden. Foto: Jürgen Peperhowe

Knapp 300.000 Menschen wohnen in Wiesbaden, fast so viele wie in Münster. Die Landeshauptstadt Hessens gilt als eine der reichsten Städte Deutschlands und eines der ältesten Kurbäder Europas – alles nachzulesen in der einschlägigen Reiseliteratur. Von Fußball steht da erstmal nichts – obwohl beim dort ansässigen SV Wehen sehr wohl gekickt wird, und zwar gar nicht so schlecht, wie nicht erst die Kollegen des SC Preußen Münster am Samstag erfahren mussten.

Beim 2:0-Sieg über die Preußen erzielten die Gastgeber die Saisontore 52 und 53 – absoluter Top-Wert in Liga drei – und sprangen zumindest bis zum Montagsspiel des Halleschen FC in Rostock auf Relegationsplatz drei mit Blick auf Liga zwei. Das kann sich sehen lassen – oder es könnte sich zumindest sehen lassen: 2024 Zuschauer wollten den starken Auftritt des SV Wehen am Samstag sehen, 300 davon waren aus Münster angereist. Das hatte was von Geisterspiel.

Zehn Mal in der Rückrunde ohne Torerfolg

Im Schlagschatten der Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Mainz 05 gedeiht im Verborgenen nahezu unbeachtet ein Mauerblümchen, das derzeit in voller Blüte steht. „Unser stärkster Gegner in dieser Woche“, befand Preußen-Abwehrmann Fabian Menig nach der 0:2-Niederlage, die den dritten und letzten Teil der Schlappen-Serie dieser englischen Woche bildete. „Gegen Cottbus (0:3) war das eine Katastrophe, gegen Rostock (0:1) haben wir hinten ganz ordentlich gestanden, heute war das eigentlich ganz okay“, so die Siebentagebilanz des Abwehrmannes.

Einzelkritik: SV Wehen Wiesbaden – SC Preußen Münster

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  • Max Schulze Niehues (3): Bei beiden Toren machtlos, ansonsten erneut eine solide Vorstellung zwischen den Pfosten.

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  • Lion Schweers (3,5): Innenverteidiger mit solider Vorstellung, aber auch nicht der Schrecken der Wiesbadener Angreifer.

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  • Ole Kittner (2,5): Gewohnt stabiler Turm in der Schlacht. An ihm lag es nicht, dass auch die dritte Partie dieser englischen Woche in die Hose ging.

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  • Simon Scherder (4): Die „Sechs“ ist nicht sein Spezialgebiet. Der Kapitän hatte Anlaufschwierigkeiten, seinen Platz vor der Abwehr zu finden. Nach 45 Minuten wurde er – auch zu Gunsten einer offensiveren Spielausrichtung – vorzeitig vom Platz genommen.

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  • Fabian Menig (4): Fleißpunkte sammelte der Rechtsverteidiger, erwischte aber nicht seinen besten Tag.

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  • Sandrino Braun (2): Bestbezahlter Preuße, wenn es ums Kilometergeld geht. In der ersten Halbzeit schon viel unterwegs, im zweiten dann der Antreiber am und mit dem Ball. Leider ohne den verdienten Lohn.

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  • Martin Kobylanski (4,5): Eine Halbzeit als Sechser, eine auf der „acht“ – aber keine davon auf besonders hohem Niveau. Kobylanski blieb unter seinen großen Möglichkeiten.

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  • Niklas Heidemann (4): War hinten beschäftigt und hatte nach vorn wenig Substanzielles beizutragen.

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  • Philipp Hoffmann (3,5): Begann sehr stark und blieb bis zu seiner Auswechslung zumindest läuferisch auf der Höhe. Wurde aber zunehmend zur Randfigur einer durchschlagsschwachen Offensive.

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  • Lukas Cueto (2,5): Holt einen Elfer raus und sieht dafür gelb – das ist Pech und nicht fair. Ansonsten ein vor allem kämpferisch und läuferisch sehr starker Auftritt. Eine glatte Eins, wenn Stürmer nicht an ihren Toren gemessen werden müssten.

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  • Rufat Dadashov (4,5): Meilenweit von seiner Sieben-Tore-Form entfernt. Auch in Wiesbaden kein Abschluss, der in Erinnerung bleibt – geschweige denn ein Treffer.

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  • Tobias Rühle (3): Auch für ihn gilt: Viel versucht – aber leider auch: wenig erreicht. Dennoch brachte er Schwung nach seiner Einwechslung.

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  • Philipp Müller: Das Spiel war bereits entschieden, als er den Platz betrat.

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  • Moritz Heinrich: Das Spiel war eigentlich schon beendet, als er den Platz betrat.

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Dass es dennoch nicht zum ersten Erfolgserlebnis reichte, lag auch am starken Gastgeber, der den Torreigen bereits nach fünf Minuten mit einem perfekten Freistoßtreffer von Moritz Kuhn eröffnete und mit einem blitzsauberen Kontertor durch Florian Hansch (67.) vollendete. Manuel Schäffler köpfte an die Latte (34.), Nicklas Shipnoski (53.) traf den Innenpfosten – über den verdienten Erfolg der Gastgeber gab es am Samstag keine zwei Meinungen. „Wiesbaden hat verdient gewonnen“, lobte dann auch Preußen-Trainer Marco Antwerpen – zumal seine Mannschaft schon zum zwölften Mal in der laufenden Serie, zum zehnten Mal in der Rückrunde, ohne eigenen Torerfolg blieb. „Im letzten Drittel sind wir zu ungenau, der letzte Pass ist nicht sauber genug“, hadert der Trainer mit der fast schon chronischen Offensivschwäche.

Sperre zur rechten Zeit

Nach 78 Minuten blockiert Rufat Dadashov einen Wiesbadener Freistoß, er hält den Fuß vor den Ball und kassiert von Schiedsrichter Patrick Alt prompt die gelbe Karte. Es ist die fünfte in der laufenden Spielzeit, Dadashov ist damit für das nächste Spiel gegen Unterhaching gesperrt. Auf den ersten Blick eine komplett überflüssige, wenn nicht sogar dumme Aktion des 27-Jährigen, der seine Sperre aber sinnvoll zu nutzen weiß. Dadashov ist bereits auf dem Weg zur aserbaidschanischen Nationalmannschaft, die in den nächsten Tagen ihr EM-Qualifikationsspiel in Kroatien (21. März) und anschließend einen Testlauf gegen Litauen (25. März) bestreiten wird. Anschließend geht es zurück nach Münster – die Sperre ist dann erledigt, doch nicht so dumm ...

...

Beste Chance hatte der Schiedsrichter

Die wohl beste Preußenchance dieser Partie vergab allerdings der Schiedsrichter: Nach elf Minuten ging Lucas Cueto nach einem Zweikampf mit Maximilian Dittgen im Wehener Strafraum zu Boden. Alt hatte freien Blick und offensichtlich seine ganz eigene exklusive Sicht der Dinge. 2024 Zuschauer hatten ein klares Foul gesehen, die Fernsehkameras lieferten im Anschluss aus allen Winkeln die passenden Beweisbilder – und Alt zeigte Cueto die gelbe Karte. „Eine Fehlentscheidung“, wie auch Wehens Trainer Rüdiger Rehm einräumte.

SV Wehen Wiesbaden – SC Preußen Münster

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  • Wiesbadens Keeper Markus Kolke rettet vor Lion Schweers.

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  • Sandrino Braun im Duell mit Manuel Schäffler.

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  • Unzufrieden am Rand: Coach Marco Antwerpen.

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  • Rufat Dadashov gegen Mrowca, Titsch und Dams.

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  • Das Elfmeter-Reklamieren bei Schiedsrichter Patrick Alt blieb erfolglos.

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  • Der 1:0-Freistoß für die Gastgeber durch Moritz Kuhn.

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  • Preußen-Trainer Marco Antwerpen.

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  • Am Boden: Rufat Dadashov.

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  • Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm.

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  • Das 2:0 für die Gastgeber durch Florian Hansch.

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  • Sebastian Mrowca im Zweikampf mit Philipp Hoffmann.

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  • Jubel der Gastgeber nach dem 2:0.

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  • Und noch einmal der Treffer von Florian Hansch.

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  • Gelb für Dadashov.

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  • Lucas Cueto verzweifelt...

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  • ... und Lucas Cueto in Aktion.

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  • Trainer Antwerpen und Martin Kobylanski.

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  • Hängende Köpfe nach der neuerlichen Pleite.

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  • Fabian Menig im Duell mit Daniel-Kofi Kyereh.

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  • Ratlosigkeit ...

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  • ... nach der erneuten Schlappe.

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„Da hatten wir das Momentum“, so Rehm. Genau das Momentum, das den Preußen derzeit fehlt. „Schießen wir da das 1:1, dann haben wir ein anderes Spiel“, so Antwerpen nach dem mittlerweile elften Strafstoß, der den Preußen in der laufenden Spielzeit verweigert wurde. „Ärgerlich“, befand Abwehrchef Ole Kittner, der aber nichts von Verschwörungstheorien hält. „Zufälligkeiten“, sagt Kittner, „durch die wir uns nicht selber in eine Negativschleife reinreden dürfen. Wir müssen nach vorne schauen. Da stehen jetzt ganz wichtige Spiele an.“

Das nächste schon am kommenden Wochenende gegen die Spielvereinigung Unterhaching. Es geht, auch da herrscht Einigkeit bei den Preußen, spätestens seit diesem Samstag nicht mehr um Platz vier, sondern gegen den Abstieg. Dann im Preußenstadion – vor überschaubarer Kulisse, aber immerhin vor drei Mal so vielen Zuschauern wie in Wiesbaden – ein schwacher Trost ...

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