Stadtsportbund
SSB-Vorstand wirft Geschäftsführer Wiese Begünstigung vor und kündigt ihm fristlos

Münster -

Dietmar Wiese, der Geschäftsführer des Stadtsportbundes Münster, hat die fristlose Kündigung erhalten. Er wehrt sich dagegen, hat selbst eine Klage eingereicht. Der Vorwurf des Vorstands, mit dem er ohnehin schon vor dem Arbeitsgericht steht, lautet: Begünstigung.

Mittwoch, 20.03.2019, 17:35 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 18:59 Uhr
Dietmar Wiese
Foto: dpa

In der Auseinandersetzung zwischen dem münsterischen Stadtsportbund ( SSB ) und dessen Geschäftsführer Dietmar Wiese ist die nächste Eskalationsstufe erreicht: Wiese hat bereits die außerordentliche fristlose Kündigung erhalten, sieht sich gravierenden Vorwürfen ausgesetzt und hat seinerseits eine Kündigungsschutzklage eingereicht. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Was da an Vorwürfen im Raum steht, ist lächerlich“, reagierte Wiese heftig.

Der SSB-Vorsitzende Michael Schmitz verwies auf seine Sicht des Sachverhalts: Demnach gehe es um die „Zahlung von Übungsleiterentgelten an Mitarbeiter des SSB ohne vertragliche Vereinbarung, Gegenleistung oder Vorstandsbeschluss“. Der konkrete Vorwurf vonseiten des SSB: Begünstigung. Hierüber wurden bereits die Mitglieder des Sportausschusses im münsterischen Rat informiert, die sich zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet hatten.

Vermeintlich unrechtmäßige Zahlungen

Die Zahlungen sollen durch das Sport-Bildungswerk (Duisburg), das eng mit dem SSB kooperiert, erfolgt sein und dessen Außenstellenleiter Franjo Baute als Beisitzer im SSB-Gesamtvorstand sitzt. Schmitz sagte, dass auch zwei Mitarbeiter des Bildungswerkes involviert seien.

Es handele sich um den Zeitraum von 2007 bis 2018, in dem ein „höherer fünfstelliger Betrag“ (Schmitz) – die Rede ist von 70.000 Euro – geflossen sei. Schmitz sprach unverhohlen von „fingierten Übungsleiterabrechnungen“.

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Dietmar Wiese Foto: Jürgen Peperhowe

Aufgefallen seien die vermeintlich unrechtmäßigen Zahlungen und deren Erhalt im Haushaltsplan 2018. Schmitz war in seiner Zeit als Vorstandsmitglied des SSB mitverantwortlich für die Erstellung der Haushaltspläne, ehe er selbst als Vorsitzender im Frühjahr vergangenen Jahres als Nachfolger von Jochen Temme gewählt wurde. Dass die „unrechtmäßigen Vorgänge“, von denen Schmitz sprach, nicht früher reklamiert wurden, habe auch den Grund. „Die Kassenprüfer bestätigen nur eine rechnerische Richtigkeit“, führte Schmitz aus.

Juristische Gegenmaßnahmen

Wiese will derweil die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen, kündigt juristische Gegenmaßnahmen an. „Die Vorwürfe sind lächerlich und in keinem Fall belegbar“, betonte Wiese und bezog die ehemalige Geschäftsstellenmitarbeiterin, gegen die sich ebenfalls Vorwürfe richten, mit ein. „Ich habe und hatte keine Finanzaufsicht, die liegt und lag beim Vorstand“, erläuterte der Geschäftsführer. „Alle Gelder sind im Rahmen aller Vereinbarungen vom damaligen Vorsitzenden abgezeichnet worden. Wir haben nichts bekommen, für was wir nicht auch etwas geleistet haben.“ Und: „Das ist wohl der letzte Weg, um Kosten für den SSB zu sparen“, sagte Wiese.

Bekanntlich steht der Geschäftsführer nach wie vor mit dem Vorstand vor dem Arbeitsgericht im Clinch. Gegenstand ist dabei eine Abmahnung gegen Wiese, der seit rund 25 Jahren beim SSB beschäftigt ist.

Derweil habe der Stadtsportbund, betonte Schmitz, Selbstanzeige bei den Steuerbehörden eingereicht. Die Oberfinanzdirektion Münster, die mit dem Fall befasst ist, hat auf Anfrage „aus Gründen des Steuergeheimnisses keine Angaben zu steuerlichen Einzelfällen“ machen wollen.

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