Vorwurf des sexuellen Missbrauchs
Nähe zum Sport bleibt im Dunkeln

Münster -

Ein Münsteraner wurde in der vergangenen Woche festgenommen, nachdem Eltern eines Jungen schwere Vorwürfe gegen den 38-Jährigen erhoben haben. In welcher Beziehung die Opfer zu dem Mann standen, ist bislang noch unklar.

Donnerstag, 21.03.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 22.03.2019, 08:36 Uhr
Im Zuge des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs an zwei Kindern wird auch die Nähe des Beschuldigten zum Sport diskutiert. Hier eine Beispielszene eines A-Jugendspiels aus Karlsruhe.
Im Zuge des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs an zwei Kindern wird auch die Nähe des Beschuldigten zum Sport diskutiert. Hier eine Beispielszene eines A-Jugendspiels aus Karlsruhe. Foto: Witters

Der „Fall“ löst Bestürzung in der münsterischen Fußball-Szene aus. Im Mittelpunkt steht der Missbrauchsvorwurf gegen einen 38-Jährigen, der in der vergangenen Woche festgenommen wurde. Der Mann soll sich an zwei zwölfjährigen Jungen vergangen haben, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

In welcher Beziehung die Kinder zu dem Mann standen, ist zurzeit noch unklar, schnell machte aber die Runde, dass es sich bei ihnen um Nachwuchsfußballer zweier Innenstadtvereine handelt, und dass der Verdächtige ein ehemaliger Trainer eines dritten Vereins in der münsterischen Innenstadt sei. Dort, so sagte ein Vereinsmitglied, war der Verdächtige 14 Jahre lang als Coach tätig – und: Es habe „Befürchtungen von Elternseite“ gegeben.

Kein direkter Zusammenhang zur Fußballszene

Welcher Art die waren, blieb unbeantwortet, über nähere Umstände wollte das Vereinsmitglied, das nicht genannt werden will, nichts sagen. Zum derzeitigen Zeitpunkt dürfte ein Zusammenhang mit dem münsterischen Sport arg konstruiert wirken. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt stellte auf Anfrage weder einen direkten noch indirekten Zusammenhang zur münsterischen Fußballszene her, „um Rückschlüsse weder auf die Opfer noch den Beschuldigten“ zuzulassen.

Auf die Frage nach möglichen weiteren Verdachtsfällen – im Bereich des münsterischen Sports oder nicht – wollte sich Botzenhardt mit Hinweis auf den Ermittlungsstand nicht einlassen. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte der Oberstaatsanwalt am Donnerstag.

Das rät der Jugendwart des Fußballkreises

Ist also die Projektion auf den münsterischen Sport respektive den Fußball verfrüht? Der Jugendwart des Fußballkreises Münster, Bernd Niewöhner ( SC Preußen Münster ), ist vorsichtig: „Wir wissen nicht, ob der Sport als Vorwand dient. Wenn es sich so zugetragen hat, wie die Ermittlungen zurzeit vermuten lassen, sind die Fälle natürlich aufs Schärfste zu verurteilen. Da haben wir uns klar positioniert.“

Den Sportvereinen rät er, „möglichst sensibel auf jegliche Anzeichen“ zu reagieren. Dass eines der betroffenen Kinder dem SC Preußen angehört, schloss Niewöhner aus. Ob noch weitere Fälle, wie nun befürchtet wird, ans Tageslicht kommen? Niewöhner bleibt spekulativ: „Das ist nicht auszuschließen.“

Es gab den Vorwurf von Frauen, die den Mann aber nicht anzeigen wollten.

TuS-Vorsitzende Monika Urkötter

Wie also mit Missbrauchsfällen umgehen und wie können Sportvereine ihre (jungen) Mitglieder davor schützen? Vor einigen Jahren machte der TuS Saxonia Münster die leidvolle Erfahrung eines Missbrauchsvorwurfs. Der Verdächtige – es kam zu keiner Anklage – erhielt damals ein Platzverbot, das bis heute gilt. „Es gab den Vorwurf von Frauen, die den Mann aber nicht anzeigen wollten“, sagte TuS-Vorsitzende Monika Urkötter . Sie rät, „so offen wie möglich und geschlossen wie nötig“ zu handeln.

Damals kochte die Gerüchteküche ebenfalls über. „Es dauerte über ein halbes Jahr, ehe wir den Frauen helfen und wir offen über alles reden konnten.“ Kurz darauf wurde beim TuS das Amt einer Präventionsbeauftragten geschaffen, es gibt Selbstverpflichtungserklärungen für Trainer und Übungsleiter, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. „Wir müssen Haltung zeigen“, sagt Urkötter aus Erfahrung des damaligen Falles, „gegen jede Gewalt in Sportvereinen – ob sexualisierter, psychischer oder anderer physische Art.“ Urkötter: „Eigentlich sollte das alles doch selbstverständlich sein, ist es aber nicht.“

Respekt, Fairness, Verantwortung

Beim TuS werden seitdem Zeichen gesetzt: Erwachsene haben grundsätzlich keinen Zugang zu den Kabinen der Junioren und Juniorinnen. „Da geht es auch um Selbstschutz“, sagt Urkötter. Und: „Wir sollten Zeichen setzen gegen potenzielle Täter.“ Es gibt einen Verhaltenskodex, den jedes Mitglied akzeptieren muss, in dem Respekt, Fairness und Verantwortung eingefordert werden, und der sich explizit gegen sexualisierte Gewalt wendet. Ist ein Sportverein überhaupt ein „gefährdeter Bereich“?

Urkötter ist sich sicher: „Ja, immer wenn es ein Machtgefälle gibt, besteht auch eine potenzielle Gefährdung. In einem geschlossenen System sowieso. Daher ist Transparenz so nötig“, sagt die Vorsitzende. Und, mit Blick auf mögliche Opfer: „Ganz wichtig ist es, im Verein eine Atmosphäre zu schaffen, in der es möglich ist, sich zu öffnen und zu offenbaren.“

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