Fußball: 3. Liga
SCP-Krise ist mit dem trüben Auftritt gegen Viktoria Köln endgültig da

Münster -

Die Sorgenfalten, die den SC Preußen umgeben, werden nicht kleiner. Schon die Auftritte der vergangenen vier Wochen waren überaus besorgniserregend. Nach dem lange miserablen Auftritt beim 2:3 gegen Viktoria Köln stecken die Münsteraner in einer handfesten Krise.

Sonntag, 15.09.2019, 16:43 Uhr aktualisiert: 15.09.2019, 18:28 Uhr
Der Anfang vom Ende: Mike Wunderlich (links) traf zum 1:0 für Köln, Okan Erdogan und Torwart Max Schulze Niehues konnten nicht mehr eingreifen.
Der Anfang vom Ende: Mike Wunderlich (links) traf zum 1:0 für Köln, Okan Erdogan und Torwart Max Schulze Niehues konnten nicht mehr eingreifen. Foto: Sebastian Sanders

Preußen Münster steuert direkt in die erste große sportliche Krise dieser Saison. Nein, der Fußball-Drittligist ist bereits mittendrin angekommen. Der Schein trog, als am Ende eine knappe 2:3 (0:2)-Heimniederlage gegen Aufsteiger Viktoria Köln stand, einige Augenblicke sogar noch vom Ausgleich geträumt werden durfte. Vor 5217 Zuschauern verwischten griffige 30 Minuten zum Ende eine launische, uninspirierte und durch und durch schwache erste Stunde.

Pavel Dotchev war überaus höflich an seiner alten Wirkungsstätte. Siegerlaune. „Das war so intensiv, es war ein verdammt schweres Spiel“, sagte er, atmete durch und grinste. Denn: „Das 3:0 war natürlich nicht unverdient, wir waren effizient. Aber ich wusste, dass das Spiel kippen kann. Münster war ein sehr, sehr guter Gegner.“ Das ging ihm leicht von den Lippen. Mehr noch. Der Gäste-Trainer blickte zurück, vor sechs Jahren war er beim SCP in einer vergleichbaren Situation wie sie sein Pendant Sven Hübscher erlebt, in Münster beurlaubt worden, September 2013: „Ich weiß, hier ist jetzt die Stimmung gereizt nach zwei, drei Niederlagen.“ Wie sollte die Stimmung auch sonst sein beim SCP-Anhang?

Drei Fragen an Nico Brandenburger

Nico Brandenburger (24) agierte gegen Köln allein in der Mittelfeldzentrale.

Wie fällt Ihr Fazit aus?

Brandenburger: Das war komplett ärgerlich, so ein Spiel darf uns nicht passieren. Unsere Reaktion kam zu spät, mit dieser Euphorie am Ende war eigentlich vieles möglich.

Wieso kassierte der SCP so einfach die Treffer?

Brandenburger: Dafür habe ich keine Erklärung. Köln musste die Tore gar nicht groß rausspielen.

Lesen Sie die Tabelle?

Brandenburger: Wir haben keine Angst. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Wir müssen einfach unsere Fehler abstellen und in Halle am nächsten Samstag alles raushauen. Vor der Pause hätte es schon einmal richtig scheppern müssen, wir hätten da viel aggressiver sein müssen.

...

Lob vom Sieger hat zudem immer etwas Demütigendes, das braucht eigentlich kein Mensch. Hübscher sah das ähnlich, der Trainer ließ das also nicht so stehen: „Die erste Halbzeit war schwach von uns in allen Bereichen. Wir liegen zurück, weil wir einfach schwach spielen.“ Er rätselte, wusste nicht warum der Matchplan, sein Matchplan, nicht aufging. Sein Team kam zum wiederholten Male in dieser Saison nicht sofort auf Betriebstemperatur, es war ein langer Anlauf, da hatte Viktoria das Ding längst gewuppt. Hübscher: „Nach der Pause waren wir aggressiver. Aber ich konnte mich über das Anschlusstor zum 2:3 nicht freuen, weil wir bis dahin so viel verschenkt hatten.“

Münster lag nach einer Viertelstunde fast aussichtslos zurück. Beim 0:1 durch Mike Wunderlich befand sich die Abwehrreihe im Tiefschlaf. Vor allem Alexander Rossipal und Okan Erdogan waren nicht auf der Höhe des Geschehens (8.).

Kommentar: Kein Welpenschutz mehr

Muss man sich Sorgen um den SC Preußen Münster in der 3. Liga machen? Dafür reicht allein die erste Halbzeit am Samstag gegen Viktoria Köln. Individuelle Fehler in jedem Mannschafteil, kaum gewonnene Zweikämpfe oder Kopfballduelle, verbaler Austausch auf dem Feld so gut wie gar nicht vorhanden, schlappe Körpersprache, kein Anführer weit und breit zu sehen – für das Kollektiv der Adlerträger gab es eine Fünf minus, Versetzung gefährdet.

Es gab dann auch Dinge, die für die Mannschaft sprachen, das Aufbegehren am Ende, die Selbstkritik, der Wille, es in Halle besser machen zu wollen. Trainer Sven Hübscher bediente zudem nicht die alte Leier vom Entwicklungsprozess, von der jungen und neu formierten Combo. Mit der Pleite ist es endgültig vorbei mit jeder Art von Welpenschutz. Der SCP muss liefern, das ist Druck. Normal. Nach einem durchaus gelungenem Saisoneinstieg kann man nicht einmal mehr von Stagnation sprechen, andere Teams haben die nächsten Schritte gemacht, wie es Fußballer so gerne sagen.

Der SCP tritt auf der Stelle. Und das ist die positive Interpretation. Es werde nicht auf die Tabelle geschaut, sagen die Beteiligten unisono. Warum auch? Denn jeder weiß um die Situation, den Trend der letzten Wochen, das Absacken in der Liga. Wer immer noch nicht hinschauen möchte, hier zur Erinnerung: Die bisherige Bilanz von acht Punkten aus acht Spielen wird hochgerechnet auf die Saison nicht zum Klassenerhalt reichen. Fragen?

...

Ein paar Minuten später war der Mann mit der Nummer 22 am 0:2 (18.) federführend beteiligt. Was auch immer Erdogan versuchte zu klären, zwischendrin mischte auch Julian Schauerte mit, spielte den Viktoria-Angreifern in die Hände. Am Ende der Fehlerkette: Wunderlichs Schuss klärt Schulze Niehues in 99 von 100 Fällen. Die Ausnahme mit der Nummer 100 war am Samstag zu erleben.

Was erschreckte vor der Pause beim SCP? Alles. Kein Tempo, keine Ideen, keine gewonnenen Zweikämpfe, keine Laufbereitschaft, kein nichts von gar nichts. Die Preußen, die eigentlich ihre Fans zurückgewinnen wollten, agierten im Modus eines schüchternen Kellerkindes. Dass Luca Schnellbacher mit einem Schuss die Latte touchierte soll zumindest erwähnt werden (31.).

SC Preußen Münster – Viktoria Köln

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  • Preußens Keeper Maximilian Schulze Niehues im Luftduell mit Kölns Dominik Lanius.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Münsters Maurice Litka versucht, sich im Strafraum durchzusetzen.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Kölns Hamza Saghiri im Duell mit Münsters Nico Brandenburger.

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  • Maurice Litka, umringt von mehreren Kölnern.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Fotos aus dem Preußenstadion.

    Foto: Sebastian Sanders
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Was gut war? Na ja, die Preußen wehrten sich nach der Pause, Rufat Dadashov (49.) traf den Pfosten. Selbst das 0:3 brach die Moral nicht. Heinz Mörschel leistete sich einen kapitalen Rückpass, den Albert Bunjaku verwertete (72.). Mörschel, ein rätselhafter Akteur. Doch Dadashov auf Zuspiel von Kevin Rodrigues Pires verkürzte auf 1:3 (79.). Und dann war da noch Mörschel, der kurz vor der Ende auf 2:3 stellte, sein Potenzial als Angreifer mal zeigte, wie er den Ball annahm und dann ins Tor bugsierte (87.).

Mehr saß nicht drin, vielmehr drehte sich der SCP am Ende im Teufelskreis dieser Partie. Simon Scherder stand der Frust ins Gesicht geschrieben, er schrie ihn heraus, was Schiedsrichter wohl als Anspielung auf seinen Namen verstand. Weil Scherder die zornige Moserei nicht lassen konnte, sah er in nicht einmal 60 Sekunden Doppel-Gelb von Referee Justus Zorn (90.+4). Das unnötigste aller Fußball-Farbenspiele, es passte ins Bild.

Debüts für Rossipal und Grodowski

Alexander Rossipal scheint auf der linken Verteidigerseite Niklas Heidemann für den Moment den Rang abgelaufen zu haben. Der 23-Jährige, der vom SV Sandhausen ausgeliehen ist, wirkte beim 0:1 nicht sicher. Für den bislang vom Verletzungspech verfolgen Joel Grodowski kam es in der Schlussphase zum ersten Einsatz in der 3. Liga, er wurde für Kevin Rodrigues Pires eingewechselt.

In der Mittelfeldzentrale vertrat Nico Brandenburger zudem Fridolin Wagner, der mit Oberschenkelproblemen passen musste. Der Ersatz stand gerade vor der Pause oft allein auf weiter Flur. Für den 24-Jährigen war es der sechste Saisoneinsatz.

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