Rad: 14. Sparkassen-Münsterland-Giro
4397 Jedermänner um den Schlaf gebracht – „Radsportfeiertag“ lockt sie alle an

Münster -

(MIT VIDEO) „Fahre so viel oder so wenig, so weit oder nicht so weit, wie du willst. Hauptsache, du fährst.“ Eddy Merckx, fünfmaliger Tour-de-France-Sieger, hat diese Worte einmal mit viel Bedacht gewählt. Radfahren ist für ihn eine Passion. Mehr noch. Es ist eine leidenschaftliche Hingabe. Den 4397 Jedermännern, die sich am Tag der Deutschen Einheit in den frühen Morgenstunden aus dem Bett schälen, spricht er aus dem Herzen.

Donnerstag, 03.10.2019, 18:16 Uhr aktualisiert: 03.10.2019, 19:41 Uhr
Rad: 14. Sparkassen-Münsterland-Giro: 4397 Jedermänner um den Schlaf gebracht – „Radsportfeiertag“ lockt sie alle an
Foto: Jürgen Peperhowe

„Um 4.45 Uhr war die Nacht zu Ende“, gibt Markus Bischoff-Wittrock aus dem Team des Sponsors, der Sparkasse, preis. Das Müsli davor ist Pflicht, die Banane danach als Beipack. Auch Andreas Löbbe kann seine Müdigkeit an diesem Morgen in der Akademie in Kinderhaus nicht wirklich verbergen. Hier haben sich die 46 „Helden“ versammelt, um sich einzustimmen auf ein echtes Team-Event. Mit Frauen. Auch die sind unter den Jedermännern. Löbbe ist der Teamsprecher. „Ich hoffe, wir kommen alle durch“, sagt er. Den Kaffee hat er ausgelassen. Der würde sich irgendwann auf dem Rad bemerkbar machen. Auf 100 Kilometern. Die Jungs, die sonst mit großen Zahlen jonglieren, können auch Sport. Respekt. Um 7.50 Uhr gehen sie auf Tour. Der 14. Münsterland-Giro ist eröffnet. 

Block für Block geht es hintereinander weg. Lange genug haben sie ausgeharrt, abgehangen wie Fledermäuse, um endlich raus zu dürfen. Tempo machen. Auch Hobbyfahrer gehen durchaus ambitioniert an den Start. Das zeigt sich speziell im Feld der Aktiven, die 130 Kilometer vor sich haben. Hier sind echte Cracks dabei. Münster ist traditionell das Finale im German-Cycling-Cup (GCC), der inoffiziellen Deutschen Meisterschaft für Amateure. Münsters Jungs vom „Leeze Team by tinteistbesser.de“ mischen 2019 wieder ganz vorne mit. Moritz Stähle trägt Gelb, will das Dress bis ins Ziel verteidigen. Ein schweres Unterfangen. Kollege und Vorjahressieger Patrick Altefrohne will ihm dabei helfen. „Wir fahren für Moritz.“ Ein Plan. Der lange aufgeht. Stähle, Altefrohne und Ex-Profi Daniel Westmattelmann sind fast 90 Kilometer Teil einer fünfköpfigen Ausreißergruppe. „Es sieht gut aus“, gibt Florian Otterpohl, der Sportliche Leiter, per Funk zu verstehen. Dann steigt Westmattelmann mit einem Defekt aus. Die Ausgebüxten sind nur noch zu viert, später zu dritt. Stähle und Altefrohne werden bei Kilometer 110 vom Feld gestellt. Den Tagessieg holt Chris Mai vom Team Strassacker. Frust macht sich vor dem Schloss bei einem Teller Pasta und einem alkoholfreien Bier breit. „Wenn du hier fährst, willst du gewinnen“, sagt Stähle. In der Gesamtwertung wird er durchgereicht bis auf Rang drei. Der Trost: In der Teamwertung liegt Leeze vorne. 

14. Sparkassen-Münsterland-Giro

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Münsters Frauenwelt auf dem Rad genießt den finalen Akt in vollen Zügen. Juliane Matzke vom Team PDK (Pluggendorfer Kreisel) rollt im Feld der 130er ein, sichert Platz zwei im GCC. Michaela Jux (Siena Garden) wird Zehnte, im Saison-Ranking bleibt der undankbare vierte Rang. Vanessa Wulf (Team Paintrain) schafft als Dritte den Sprung auf das Podium auf der kleinen Runde (60 Kilometer). „Ein toller Abschluss“, sagt die 28-jährige Sozialarbeiterin. Es wird gefeiert. Ein Gläschen Sekt auf eine lange Saison. Prost!

Vor dem Schloss trudeln nach und nach weitere Heroen des Tages ein. Die Felder mischen sich. Dieter Rosenbaum stört das herzlich wenig. Viele Jahre hat er den Sparda-Münster-City-Triathlon organisiert. Chefsache. Inzwischen hat es ihn berufsbedingt nach Fernost verschlagen. Für den Giro kommt er nach Münster. Sein zwölfter. Nur bei der Premiere 2006 fehlt er, im Vorjahr wirft ihn eine Verletzung aus der Spur. „Jetzt bin ich fit“, sagt er. Die 60 Kilometer reichen ihm an diesem Tag. Genau wie den Fun-Blockern, die mit der ehemaligen deutschen Größe Jens Voigt auf die Reise gehen. Der 43-Jährige soll den Tross sicher ins Ziel geleiten. Bei 26 Kilometern in der Stunde. Es gelingt. Voigt blickt ausnahmslos in glückliche Gesichter. 160 an der Zahl. Radsport schweißt zusammen. Im Team kann die eine oder andere Hürde genommen werden. 

14. Sparkassen-Münsterland-Giro 2019

Einige heftige Stürze im Zielbereich überschatten derweil das große Radsportfest im Münsterland. Ein Fahrer überschlägt sich, wird an die Bande gedrückt und verletzt sich schwer. Die Sanitäter rücken an, der Rettungswagen versucht sich den Weg über den Schlossplatz zu bahnen. Auch diese Bilder gehören zum Sport. Manchmal ist Übermut im Spiel, manchmal ist man Teil einer Kette von unglücklichen Verwicklungen, die in einem Crash münden. Bitter. Meistens geht es verhältnismäßig gut aus.

Witterung spielt zunächst mit

Die Witterung spielt zunächst mit. Es ist frisch am frühen Morgen. Die eine oder andere Frostbeule wird in Kauf genommen. „Wir haben doch immer Glück“, sagt Chef-Organisator Rainer Bergmann. Später kommt die Sonne raus, am Mittag setzt leichter Regen ein. Zu diesem Zeitpunkt sind die Jedermänner längst durch, lassen sich ihre Nudeln munden. Ein Wetter für Klassikfahrer wie John Degenkolb. Der hat 2016 vor den Toren des barocken Schlosses gewonnen. Ja, die Profis sind auf der Strecke nach Start in Emsdetten. Klangvolle Namen wie Pascal Ackermann (Bora-Hansgrohe), Vorjahressieger Max Walscheid (Sunweb), André Greipel (Arkéa Samsic) oder Nils Politt (Katusha-Alpecin) haben gemeldet. Deutsche Spitze. Die internationale Konkurrenz ist nicht minder beeindruckend. Der Brite Mark Cavendish (Dimension Data) hat die Szene viele Jahre dominiert. Seine 30 Etappensiege bei der Tour de France stehen für sich. Der Kolumbianer Fernando Gaviria (UAE Team Emirates), zweifacher Etappensieger bei der Schleife durch Frankreich 2018, ist ein Draufgänger par excellence. Nicht zu vergessen: Álvaro Hodeg (Kolumbien/Quick-Step), aktuell bei elf Erfolgen 2019 und Etappensieger bei der Deutschland-Tour im vergangenen Jahr, und Ben Swift (Team Ineos), der aktuelle Straßenmeister Großbritanniens. Auch sie können den Unterschied ausmachen. Ach ja: Mathieu van der Poel (Corendon-Circus) hat kurz vor knapp noch zugesagt. Der Niederländer hat 2019 die 54. Auflage des Amstel-Gold-Race gewonnen. Ein guter Junge. 

Viel Arbeit für Einsatzkräfte

Während des 14. Sparkassen-Münsterland-Giros haben sich Einsatzkräfte um insgesamt 63 verletzte Radsportlerinnen und Radsportler gekümmert. Wie die Feuerwehr Münster mitteilte, waren nach Erstversorgungen insgesamt elf Transporte zur Weiterbehandlung in umliegenden Krankenhäuser notwendig. Dabei kam auch ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. Im Jahr zuvor hatten die Retter 30 Hilfeleistungen und 12 Transporte in Krankenhäuser durchgeführt. Einsatzleiter Christian Jabs von den Maltesern war mit der Leistung des Sanitätsdienstes von ASB, DRK, Johannitern und Maltesern und der Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst sehr zufrieden.

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Im Zielbereich vor dem Schloss um kurz nach 16 Uhr geht nichts mehr. Die Menge tobt, es regnet sich ein. Keine perfekten Bedingungen. Aber es wird spannend. Ausreißer Brian von Goethem (Lotto-Soudal) wird unmittelbar vor dem Finalstrich gestellt, der Kolumbianer Hodeg sichert sich in einem spannenden Schlusssprint den Sieg bei der 14. Auflage, die noch von einem schweren Sturz überschattet wird. Ackermann wird Zweiter, Tim Merlier (Corendon-Circus) Dritter.

Ein langer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. Die Straßensperrungen, die trotz der vielen Hinweise und Flyer immer wieder für den ein oder anderen ein Ärgernis sind, werden aufgehoben. Der Radsport ruht. Was bleibt: „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“ Wissen Sie was? John F. Kennedy hat Recht.

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