Stadtsportbund: Polit-Talk im Erbdrostenhof
Demokratie im Sport erlernbar?

Münster -

Der Sport ist längst mehr als nur Leibesertüchtigung im Sinne des guten alten Turnvaters Jahn. Sport trägt eine gesellschaftliche Verantwortung. Wie die gelebt werden kann und sollte, erörterte am Mittwoch auf Einladung des Stadtsportbundes ein illustrer Expertenkreis im Festsaal des Erbdostenhofs.

Donnerstag, 31.10.2019, 16:48 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 17:17 Uhr
Es gibt viel zu besprechen: Thomas Michel, Renate Nocon-Stoffers, Josefine Paul, Ralph Erdenberger, Michael Schmitz, Prof. Andrea Szukala und Jens Wortmann (im Podium v. l.) diskutierten mit dem Publikum im Festsaal des Erbrostenhofes.
Es gibt viel zu besprechen: Thomas Michel, Renate Nocon-Stoffers, Josefine Paul, Ralph Erdenberger, Michael Schmitz, Prof. Andrea Szukala und Jens Wortmann (im Podium v. l.) diskutierten mit dem Publikum im Festsaal des Erbrostenhofes. Foto: Peter Imkamp/SSB

In zwei Wochen greift der DOSB in die hochaktuelle Diskussion ein: Bei einer Fachkonferenz „Sport und Politik“ in Frankfurt/Main geht es am 12. und 13. November um den „Sportverein als Sozialraum gelebter Demokratie“. Nun ist der Stadt-Sportbund nicht der große olympische, und hat als Tagungsort auch nicht das noble Lindner Hotel&Sports an der Otto-Fleck-Schneise zu bieten. Dafür aber den deutlich eindrucksvolleren Erbdrostenhof. Und: Der SSB ist sozusagen der Zeit des DOSB voraus und hatte am Dienstagabend das brandaktuelle Thema „Demokratie im Sport“ zur Tagesordnung erkoren: Agenda Setting im Festsaal des ehemaligen Adelshofes in der Salzstraße. Anlässlich des 100. Geburtstages des Stadtsportbundes in diesem Jahr sicherlich eine angemessene wie angenehme Adresse – und ein Thema, das zurzeit rauf und runter diskutiert wird und werden muss.

Eingeladen war neben rund 50 Zuhörern und fleißig mitdiskutierenden Interessierten reichlich Fachkompetenz: Thomas Michel (Ansprechpartner und Dezernent für den Schulsport bei der Bezirksregierung), Renate Nocon Stoffers (Sportlehrerin), Josefine Paul (Landtagsabgeordnete, Bündnis90/Die Grünen), SSB-Vorsitzender Michael Schmitz, Prof. Andrea Szukala (Sozialwissenschaftlerin) und Jens Wortmann (Vorsitzender Sportjugend NRW). Elegant und eloquent moderiert wurde der Abend von Ralph Erdenberger (WDR). Nils Neuber, bei der WWU Münster Professor für Bildung und Unterricht im Sport, lenkte in seinem Impulsvortrag den Blick auf die Notwendigkeit, das Thema Demokratie jetzt zu diskutieren: Populisten sind auf dem Vormarsch und bieten ihre „einfachen Lösungen“ feil. Die Forderung nach Demokratie-Erziehung wirke mitunter jedoch arg „verkopft“ – und „der Sport kommt in den Programmen kaum vor. Dabei hat er einen starken Bezug zur Gesellschaft – und ist beliebt.“ Neubers Ansatz: Angesichts antidemokratischer Tendenzen und „einer Demokratie in der Krise ist es höchste Zeit, etwas zu tun. Nur was?“

Michael Schmitz ergänzte, dass je mehr die Bindungskraft sozialer Milieus zurückgehe, die Notwendigkeit der Demokratieerziehung steige. „Dabei kommt unseren rund 200 Sportvereinen und den Schulen zentrale Bedeutungen zu.“ Szukala mahnte einen „Overstretch“ an und warnte vor „zu hohen Erwartungen“, aber: „Der Sport bietet ein starkes Erleben, extreme Stärkung“ und lehre „das Aushalten von Krisen“. Und derweil Josefine Paul vehement einer weitläufigen These widersprach, der Sport sei unpolitisch, fragte Wortmann angesichts mancherorts unzureichender Sport-Infrastruktur: „Wie wollen wir die Basis mitnehmen, wenn es erstmal ganz andere, niederschwelligere Probleme gibt?“

Dazu passten auch die Erfahrungen von Nils Kaufmann (ehemals TSC Münster, jetzt BW Aasee), der eine Professur für Bildung und Unterricht im Sport an der WWU besitzt, sowie die der FSJler, Sporthelfer an Schulen und jungen Übungsleitern („Bewegte Kids“) im SSB. Partizipation, Integration, Migration und (Entwicklungs-)Prozesse wurden erhellend diskutiert. Der SSB hat sich mit dem Diskurs jedenfalls stark positioniert.

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