Fußball: 3. Liga
Kein Risiko, aber der Türkei-Traum von Preußen-Dribbler Özcan lebt

Delden -

Über allem steht für Seref Özcan aktuell der Wunsch, mit Preußen Münster irgendwie noch den Klassenerhalt hinzubekommen. Doch auch seine persönliche Perspektive hat der 23-Jährige natürlich im Blick. Einen Winterwechsel in die Türkei schloss er aus. Irgendwann könnte er sich das Abenteuer aber vorstellen.

Freitag, 10.01.2020, 14:12 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 22:36 Uhr
Unnachahmlich: Seref Özcan (l.) hat einen ganz anderen Körperschwerpunkt als viele Kollegen. Hier lässt er Luca Schnellbacher und Julian Schauerte (r.) zurück.
Unnachahmlich: Seref Özcan (l.) hat einen ganz anderen Körperschwerpunkt als viele Kollegen. Hier lässt er Luca Schnellbacher und Julian Schauerte (r.) zurück. Foto: Thomas Rellmann

Sofern in einer bisher völlig verkorksten Saison überhaupt von einem Shootingstar die Rede sein kann, gebührt dieser Titel zweifellos Seref Özcan . Zwei Tore und sechs Vorlagen, vor allem aber zahlreiche gelungene Dribblings und der zur Schau getragene Wille, etwas zu bewegen, machten den 23-Jährigen, der im Sommer vom Berliner AK kam, flugs zum Publikumsliebling. Und zum heißen Gesprächsthema in der Türkei.

Diverse Anfragen von Clubs aus der Süper Lig landeten bei Berater Sercan Güvenisik . Ein Wechsel stand aber nie ernsthaft zur Debatte. Özcan überließ dem früheren SCP-Stürmer die Angelegenheiten und machte dann schnell klar, dass er in der Rückrunde in Münster spielen will. „Er hat mich von diesen Themen ferngehalten, richtig beschäftigt hat mich das nicht. Natürlich habe ich mich über das Interesse gefreut. Aber in so einer Situation wollte ich nicht abhauen. Erstens lief es für mich persönlich ja gut, zweitens bin ich dem Verein dankbar für die Chance, die er mir gegeben hat. Da kam es nicht in Frage zu wechseln.“ Die „guten Erfahrungen“, die der Außenspieler in seinen ersten Drittliga-Monaten gemacht hat, mag er momentan nicht für ein Abenteuer in der Heimat seiner Eltern riskieren.

Abgehakt ist das Thema jedoch noch nicht. „Die Tür halte ich mir immer offen. Wenn man sieht, was für Weltklasse-Leute dort spielen, was es für heiße Derbys gibt, dann ist es natürlich sehr reizvoll. Man kann von einer Eliteliga sprechen, qualitativ wäre es eine echte Hausnummer.“ Einige Verwandte leben noch in der Türkei, „und das Wetter ist auch immer gut“, wie Özcan lachend anfügt.

Noch liegt seine Konzen­tration bei den Preußen. Vom neuen Coach Sascha Hildmann ist er durchaus angetan. „Er gibt Tipps, probiert Spieler auch mal auf anderen Positionen aus.“ Was nicht heißt, dass der Techniker zwingend seine rechte Außenbahn verlässt. „Links oder im Zentrum kann ich es bei Bedarf aber auch.“ Für den kleinen Offensivspieler nimmt sich der Trainer oft ein bisschen mehr Zeit. In den Einheiten am Donnerstag etwa packte sich der 47-Jährige immer wieder Özcan, erklärte Situationen, besprach taktisches Verhalten. Auch nach dem morgendlichen Training gab es ein vertrautes Gespräch. Das scheint gut zu passen. So weit die persönliche Lage.

Als Team steht der SCP natürlich vor der Mega-Aufgabe, noch ans rettende Ufer zu springen. „Der Coach hat was Gutes gesagt: Fünf Punkte bis zum Aufstiegsplatz aufzuholen hört sich viel leichter an als fünf Punkte auf den Nichtabstiegsplatz. So müssen wir denken“, erzählt Özcan. „Die Mannschaft lebt, wir arbeiten jeden Tag hart. Aber nur reden hilft nicht.“ Stimmt – nur Punkte bringen die Preußen weiter. Und ihn.

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