Fußball: 3. Liga
Jetzt nur noch Kölner Kopfkino für die Preußen

Münster -

Sofort nach Spielschluss galt die volle Aufmerksamkeit bereits dem kommenden Gastspiel in der 3. Liga am Samstag bei Viktoria Köln. Der erste Heimsieg in der Ära von Sascha Hildmann, das 1:0 über Hansa Rostock, war eine Befreiung, wurde aber nicht lange gefeiert.

Dienstag, 03.03.2020, 14:58 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 15:57 Uhr
Preußen jubelt, Preußen leidet, Preußen feiert und Preußen geht in sich: Jan Löhmannsröben (oben links, im Uhrzeigersinn) reißt die Arm hoch, Alexander Rossipal wird behandelt, das Trainergespann Louis Cordes und Sascha Hildmann feiert, ehe sich alle einschwören.
Das Trainergespann Louis Cordes und Sascha Hildmann feiert das 1:0 gegen Hansa Rostock. Foto: Sanders

Kurz vor 21 Uhr an diesem vergangenen Montag stand so mancher noch vor einem Herzinfarkt. Was für eine Zitterpartie. Wenige Minuten nach 21 Uhr gab es nur noch Kopfkino für die nächste Aufgabe. Nach dem husarenmäßig erkämpften 1:0-Heimsieg über Hansa Rostock geht es am Samstag zu Viktoria Köln . „Das ist mir zu martialisch“, versuchte SCP-Coach Sascha Hildmann diesen Heimerfolg herunter zu jazzen. Dass es das gewesen wäre mit dem SCP und der 3. Liga bei dann acht Zählern Rückstand auf die Nichts-Abstiegsränge im Falle einer Niederlage, das wollte der Fußball-Lehrer so nicht mittragen. „Überlebenswichtig ist mir ein bisschen zu viel. Es ist doch nur ein Fußballspiel.“

Hildmann war dabei sichtlich mitgenommen von der Partie, wie auch seine Spieler und jeder Preußen-affine Zuschauer. Es lag der größtmögliche Druck zu diesem Zeitpunkt der Saison auf dem Team, das in dieser Serie so oft gefloppt hatte. Nichts anderes als ein Sieg musste her. Nur dieses Mal hielten die Adlerträger dem Druck stand, der Erfolg bewegte die Gemüter dann wie lange nicht mehr. „Unsere Fans waren sensationell. Es gab nicht einen Pfiff, auch wenn nicht alles gelang.“ Auch das machte der SCP-Coach, er knüpfte für die kommenden zwölf Aufgaben förmlich ein Band zwischen Anhängern und Team.

Die saisonale Story des SCP war bislang eine meist deprimierende. Siebter waren die Preußen nach vier Spieltagen. Ende September, nach dem 1:4 gegen Bayern München II, als der SCP unter Trainer Sven Hübscher vorgeführt worden war, rutschte der Verein erstmals auf einen Abstiegsrang – und blieb da bis heute stecken. Ende Oktober war Münster nach dem 2:3 gegen Ingolstadt Vorletzter, ehe nach dem 2:4 gegen Zwickau Ende November erstmals der Abstand auf das rettende Ufer größer als drei Punkte war – sechs Zähler fehlten auf Kaiserslautern. Mit fünf Zählern Differenz auf Viktoria Köln ging es in die Winterpause, nach Hildmanns erfolgreichem Start in Jena (2:0) schmolz der Abstand kurzzeitig auf drei Zähler, ehe Mitte Februar wieder sieben Zähler fehlten.

Nun also nach Köln, Sportpark Höhenberg, eineinhalb Stunde Anreise. Immer noch fünf Punkte Rückstand. Wieder so ein Schlüsselspiel, mehr noch für die Preußen als die Viktoria, der Gewinner bekommt richtig Rückenwind im Tabellenkeller. Allein vom 2:3 aus dem Hinspiel haben die Preußen etwas gutzumachen. Nur nicht verlieren lautet die erste Devise, es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen werden. Durchaus ein Kampf der martialischen Art. Hildmann kann versuchen was er will, der Druck ist jetzt richtig auf dem Kessel. Jetzt, genau jetzt muss sein SCP weiter liefern. Das ist alternativlos.

Viktoria Köln gegen Preußen Münster ist dabei so etwas wie ein Klassiker im Fußball-Westen. Seit 1958 standen sich die Clubs in 39 Aufeinandertreffen gegenüber. Gerade in Köln war für den SCP wenig zu holen. Kümmerliche zwei Siege in 19 Anläufen stehen zu Buchen, Anfang November 1959 mit 3:2 und am 29. Oktober 1961 mit 4:2 – da waren die Preußen in der Oberliga West in Siegerlaune in Köln, nun soll der dritte Streich folgen. 59 Jahre später. Ex-Preußen-Coach Pavel Dotchev meldet vermutlich Einspruch an.

In Kalk, im Osten von Köln, liegt der Spielort. Sascha Hildmann hat gerade bewiesen, dass er negative Serie und Läufe knacken kann. Nie hatte Münster gegen ein Team von Jens Härtel gewinnen können, am Montag war das erste Mal. Es fühlte sich gut an.

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