Volleyball: Bundesliga Frauen
Kurzarbeit auch beim USC Münster?

Münster -

Sportlich bewegt sich nichts, aktuell werden beim USC Münster nur hinter den Kulissen Fäden gezogen. Womöglich schickt der Bundesligist seine Angestellten in Kurzarbeit. Planungen für die neue Saison sind kaum möglich.

Dienstag, 24.03.2020, 16:04 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 16:46 Uhr
Taylor Nelson ist direkt nach Einstellung des Spielbetriebes in ihre Heimat gereist. Für die Amerikanerin muss der USC vorerst nur noch ein Gehalt bezahlen.
Taylor Nelson ist direkt nach Einstellung des Spielbetriebes in ihre Heimat gereist. Für die Amerikanerin muss der USC vorerst nur noch ein Gehalt bezahlen. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Zeiten sind schwierig. Wenn der Corona-Krise etwas abgewonnen werden kann, dann die zunehmende Bereitschaft zusammenzuhalten. Im Großen wird die Welt zur Schicksalsgemeinschaft. Im Kleinen gibt es täglich neue Bündnisse, um Existenzen zu retten. Auch die Volleyball-Bundesliga (VBL) rückt eng zusammen, wie viele andere Sportverbände steht sie vor einer ungewissen Zukunft. „Wir müssen jetzt zusammenstehen und versuchen, mit allen Vereinen gemeinsam einen Weg zu finden, uns wirtschaftlich bestmöglich auf die neue Saison vorzubereiten“, erklärte VBL-Präsident Michael Evers nach einer Telekonferenz.

Was der Schweriner sagt, klingt gut. Und gewiss ist es auch hilfreich, sich im Miteinander mit Rat zu unterstützen und im Solidarpakt Lösungen zu suchen. Doch am Ende der Entscheidungsketten liegt die Verantwortung im Verein. Beim USC Münster wird seit Tagen intensiv über den Umgang mit der komplizierten und völlig unbekannten Situation beraten.

Kurzarbeit ist ein Schlagwort in dieser ungewissen Zeit. Diese Maßnahme zur wirtschaftlichen Entlastung wird natürlich auch beim Bundesligisten diskutiert. „Wir ziehen dieses Mittel in Erwägung“, bestätigt Präsident Martin Gesigora . Alle Spielerinnen, der Trainerstab und die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle wären betroffen. Gesigora und seine Vorstandskollegen denken über eine Aufstockung des regulären Kurzarbeitergeldes (60 Prozent des Nettolohns) auf 80 Prozent nach. Für die Amerikanerin Taylor Nelson ist nur noch ein Gehalt zu zahlen, der Vertrag der Zuspielern endet am 30. April und tritt erst nach ihrer Rückkehr im Herbst wieder in Kraft.

Potenziellen Playoff-Finalisten wie Stuttgart und Schwerin entgehen aktuell nennenswerte Spieltagseinnahmen. An dieser Haushaltsstelle kommt der USC „mit einem blauen Auge davon. Wir haben da vorsichtig geplant“, sagt Gesigora. Davon ausgehend, dass Münster das Halbfinale nicht erreicht hätte, fehlt die Kasse aus nur zwei Heimpartien. Nach Abzug der Kosten wäre dies eine Summe im sehr niedrigen fünfstelligen Bereich. Auf den emotionalen Aufruf von USC-Ehrenpräsident Matthias Fell, auf die Rückerstattung des Geldes für erworbene Tickets zu verzichten, gab es laut Gesigora „eine angemessene Reaktion“.

Wie andere Sportvereine auch muss der USC in den kommenden Wochen und Monaten viele Problemfelder bearbeiten. Das ist angesichts großer Fragezeichen eine außerordentliche Herausforderung und Anstrengung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann niemand sagen, wie und wann die Krise endet. Trifft sie auch Sponsoren des Bundesligisten? „Zurzeit haben wir keinen Hinweis darauf. Aber instinktiv gibt es natürlich diese Sorge“, erklärt Gesigora. Ins Stocken geraten ist die Akquise neuer Unterstützer. „Da steht im Moment wirklich fast alles still“, bestätigt der USC-Chef.

Auch die personellen Planungen stecken im Stau. Gespräche mit möglichen Neuzugängen sind vorübergehend ausgesetzt. Vermutlich so lange, bis es ein seriöses Meinungsbild der VBL darüber gibt, wie und wann der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann. Ob dann noch alle Vereine im Boot sitzen, bleibt abzuwarten – und zu hoffen.

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