Rudern: Nationalmannschaft
Felix Brummel tauscht Riemen gegen Spaten

Münster -

Normalerweise hätten die Ruderer und Ruderinnen zu dieser Jahreszeit längst sämtliche Boote zu Wasser gelassen gebracht und den Dortmund-Ems-Kanal in Beschlag genommen. Doch was ist schon normal in diesen Zeiten. Nicht nur die Hobby-Athleten bleiben an Land, auch Profis mit Olympia-Plänen müssen improvisieren. Felix Brummel hat bereits ein neues Betätigungsfeld gefunden.

Mittwoch, 25.03.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 12:30 Uhr
Auch am Spaten kommt das langjährige Kraft- und Konditionstraining zum Tragen: Felix Brummel bei Ausgrabungsarbeiten.
Auch am Spaten kommt das langjährige Kraft- und Konditionstraining zum Tragen: Felix Brummel bei Ausgrabungsarbeiten. Foto: Lisa Brummel

Felix Brummel steht im Garten mit dem Spaten in der Hand und begräbt seine Olympiaträume. So sieht es für einen Moment aus, doch der erste Eindruck täuscht – zumindest ein bisschen. Tatsächlich beackert der 25-Jährige im elterlichen Garten ein Stückchen Land, weil es an der Zeit ist für derlei Aktivitäten – und ja, weil Zeit beim Nationalmannschaftsruderer derzeit in überraschend großen Mengen verfügbar ist. Langweilig wird ihm in den kommenden Wochen also nicht werden, auch wenn sich Trainingspensum und -inhalte spürbar verändern dürften: Gartenarbeit statt Olympiavorbereitung, Spaten statt Ruder. „Hier ist ausreichend zu tun“, sagt der Kaderathlet des Deutschen Ruder-Verbandes mit Blick auf den erwachenden Frühjahrsgarten.

Offiziell hat das Team Deutschland-Achter, zu dem auch der Ruderer des RV Münster zählt, nur wenige Stunden nach dem offiziellen Olympia-Aus für das Jahr 2020 den Trainingsbetrieb eingestellt beziehungsweise auf das notwendige Minimum reduziert. „Wir werden das Training jetzt drosseln und dann eine Pause einlegen, man kann sowieso nicht trainieren. Wir werden sehen, wie sich die allgemeine Gesundheitslage allgemein entwickelt und dann Richtung Sommer oder Herbst, in einer Linie mit dem Deutschen Ruderverband, ein Vorbereitungsprogramm im Hinblick auf Olympia im Jahr 2021 vorstellen“, teilt Bundestrainer Uwe Bender vom Stützpunkt in Dortmund aus mit. Seine Schützlinge sind ohnehin längst wieder bei ihren Heimatclubs angekommen – Felix Brummel mithin in Münster. Im Rücken ein Sportjahr, in das er mit hohen Erwartungen gestartet war – und das er mit einer nicht enden wollenden Serie von Enttäuschungen jetzt unverrichteter Dinge beenden muss.

Angefangen mit der verpassten direkten Olympia-Qualifikation bei den Weltmeisterschaften 2019 in Klagenfurt, über die Nichtnominierung für die beiden deutschen Großboote bis hin zur Niederlage im nationalen Ausscheidungsrennen um die Plätze im Zweier – nach Plan lief in der Saison 19/20 wenig bis nichts.

Letzter Stand: Gemeinsam mit Zweierpartner Nico Merget hätte der Münsteraner als Ersatz-Duo im Tokio-Aufgebot gestanden – auch das jetzt mangels olympischer Spiele Fehlanzeige. „Ich muss da jetzt erst einmal Abstand gewinnen und alles sacken lassen“, sagt Brummel – nicht zum ersten Mal in den vergangenen Wochen. Eigentlich sollte nach der olympischen Saison auch die Frage nach der persönlichen Zukunft geklärt werden: Weiter volle Kraft voraus im Ruderboot, oder alle Kräfte für Studienabschluss und Berufseinstieg bündeln? „Abstand gewinnen, sacken lassen“, wiederholt Brummel auch hier unverdrossen.

Zunächst bleibt Olympia 2021 ein Thema, vielleicht mehr noch als die abgesagte 20er-Auflage. Noch ist nicht klar, ob die Qualifikationsregularien des internationalen Verbandes auf jetzigem Stand eingefroren werden, sicher dürfte aber sein, dass sich alle Besatzungen national nochmals bewähren und finden müssten. Eine neue Chance in schweren Zeiten für Gartenarbeiter Brummel? „Nein, ich werde jetzt nicht von irgendwelchen positiven Möglichkeiten und Entwicklungen sprechen. Das ist in dieser Zeit absolut nicht angemessen. Erst müssen wir alle zusammen diese Krise gesund meistern.“ Und danach: „Abstand gewinnen und sacken lassen.“

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