Handball: Frauen-Verbandsliga
Trainer Ostendorf behält im Tor-Karussell den Überblick

Münster -

„Ostendorf und die wilde 7“ – so oder ähnlich könnte der Titel für eine Verfilmung des Torhüterinnen-Karussells bei Westfalia Kinderhaus heißen. Der Coach der Handball-Frauen aus Münsters Norden musste auf der Position zwischen den Pfosten viel improvisieren, behielt aber stets den Überblick – wie der Aufstieg als Meister in die Oberliga eindrucksvoll beweist.

Montag, 04.05.2020, 18:38 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 11:10 Uhr
Eine von sieben:
Eine von sieben: Foto: Jörg Riemenschneider

Kurz durchzählen muss Florian Ostendorf dann doch. „... fünf, sechs, sieben, mit Testspielen sogar acht.“ So viele Torhüterinnen hat der Trainer von Westfalia Kinderhaus in dieser Saison bereits eingesetzt. Trotzdem steht sein Team mittlerweile als Aufsteiger fest. Platz eins der Frauen-Verbandsliga und damit die Rückkehr in die Oberliga ist den Münsteranern nach dem pandemiebedingten Abbruch und der nun kommunizierten Wertungsregel nicht mehr zu nehmen. „Das ist eigentlich ein Wunder“, sagt der 35-Jährige.

Vorgesehen war im Sommer vor allem Kim Farwick als feste Größe zwischen den Pfosten. Als sie sich früh in der Meisterschaft eine schwere Knieverletzung zuzog und die Spielzeit beenden musste, war diese Überlegung obsolet. Christine Voß , die zweite Option im Kasten, wusste, dass sie aufgrund ihrer Facharzt-Ausbildung nicht immer verfügbar sein würde. „Deshalb haben wir auf Sicht eine Nummer drei gesucht“, so Ostendorf.

Hesselhaus und Kriens helfen

Mit Farwicks Aus begann dann das Dilemma. Ruth Hesselhaus, die eigentlich längst kürzertreten wollte, stellte sich zumindest sporadisch oft zur Verfügung, aber auch Quereinsteigerin Kathrin Klimas, die eigentlich im Futsal-Tor des UFC Münster steht, linderte die Not etwas. Beide bilden mit Voß das Trio, das sich in der Regel untereinander versuchte abzustimmen. Immer klappt das aber auch nicht.

Routinierin Ina Kriens musste daher mehrmals einspringen – sie hatte eigentlich vor vier Jahren schon aufgehört. Vereinzelt war sie sogar einzige Torfrau bei der Westfalia. „Ich bin echt dankbar, dass so viele Mädels bereit waren, zu helfen“, sagt Ostendorf und vergisst dabei auch die drei aus der zweiten Mannschaft nicht, die mehrfach in die Bresche sprangen: Lara Riedel, Celine Steinbrecher und Madita Terstiege.

Im Training auch mal ohne Torfrau

Vorwürfe machte der Coach keiner seiner acht Kandidatinnen, selbst wenn manchmal keine von ihnen im Training dabei war. „Es war ein großes Problem, da mussten wir dann kreativ werden.“ Er selbst, immerhin einst auch Schlussmann, stellt sich aber nie in die Hütte. „Eine bessere Abstimmung mit der Abwehr wäre schon nicht schlecht gewesen. Alle haben sich aber immer überraschend schnell akklimatisiert.“ Es war also nicht verkehrt, im Sommer schon einen Schwerpunkt auf die Deckungsarbeit zu legen. Da Westfalia meist sehr offensiv verteidigt, bekam die jeweilige Frau hintendrin seltener Bälle aus dem Rückraum aufs Tor geknallt, wo die Koordination mit dem Innenblock wichtiger wäre, sondern meist eher freie Würfe. Und für die ist das Zusammenspiel mit dem Verbund davor dann nicht mehr entscheidend. „Wir hatten im Grunde in jedem Spiel sehr gute Torwartleistungen“, sagt Ostendorf.

In der neuen Saison formiert sich der Kader natürlich auch bei den Keeperinnen neu. Sobald möglich, soll aber der Aufstieg irgendwie verantwortungsvoll noch mal gefeiert werden. So viel scheint sicher: Eingeladen dazu wird sicher nicht nur eine Torhüterin.

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