Rudern: Nele Deittert zurück aus Neuseeland
Corona-Finale mit Maas-Mission

Münster -

Zwischen Neuseeland und Deutschland gibt es viele Unterschiede – vor allem sind es maximal viele Kilometer, die die beiden Antipoden trennen. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Die Liebe zum Rudersport beispielsweise und leider auch das Coronavirus. Beides hat die Münsteranerin Nele Deittert bei ihrem aufregenden Schüleraustausch hautnah miterleben dürfen und müssen.

Donnerstag, 07.05.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 12:59 Uhr
Nele Deittert im Wasser und an Land, in Neuseeland und in Deutschland: Mit dem College-Vierer unterwegs (2.v.l.), im Einsatz des RV Münster (kleines Foto) und im Garten mit ihrer Gastfamilie.
Nele Deittert im Wasser und an Land, in Neuseeland und in Deutschland: Mit dem College-Vierer unterwegs (2.v.l.), im Einsatz des RV Münster (kleines Foto) und im Garten mit ihrer Gastfamilie. Foto: privat

Ganz ehrlich, es hätte keines Virus bedurft, um diesen Neuseelandaufenthalt unvergesslich zu machen. Nele Deittert hatte neun tolle Monate bei den Kiwis verbracht, ehe Corona den Schüleraustausch zu einem hektischen und unnötig spektakulären Ende brachte. „Ich konnte mich nicht einmal ordentlich von meiner Gastfamilie verabschieden“, erzählt die 16-Jährige von ihrem überstürzten Aufbruch. Quarantäne und die Teilnahme an der historischen Rückholaktion von Bundesaußenminister Heiko Maas sorgten für das Finale furioso einer bis dahin „tollen Zeit“, wie Nele Deittert berichtet.

Weltgrößter Schul-Ruderwettbewerb

Geplant war als Höhepunkt des Aufenthaltes eigentlich die Teilnahme an einem der weltgrößten Schul-Ruder-Wettbewerbe auf der Südinsel Neuseelands. Mutter Christine und Vater Michael hatten sich eigens auf den langen Weg von Münster um den halben Erdball gemacht, um ihre Tochter beim Maadi-Cup in Salem zu unterstützen. Stattdessen ging es für die Deitterts direkt vom Flughafen in die 14-tägige Quarantäne – Zeit, die die Münsteraner stattdessen nutzten, um den schnellstmöglichen Rückflug zu organisieren.

Neuseeland hat das Virus verbannt

„In Neuseeland wurde das mit der Quarantäne sehr konsequent gehandhabt, vielleicht noch strenger als in Deutschland. Die wollten versuchen, ihre Insellage zu nutzen und das Virus komplett loszuwerden“, sagt Nele Deittert. Drei Wochen später meldet der Fünf-Millionen-Einwohner-Staat-Vollzug. „Wir haben den Kampf gewonnen“, verkündete Premierministerin Jacinda Ardern vor Wochenfrist – da war Familie Deittert längst wieder in Münster.

Nele Deittert (unten 4.v.l.) mit ihrem College-Team bei der Siegerehrung

Nele Deittert (unten 4.v.l.) mit ihrem College-Team bei der Siegerehrung Foto: privat

Im Jahrbuch des Girls College der 100 000-Einwohner-Stadt Tauranga in der Bay of Plenty im Norden Neuseelands wird Nele Deittert dennoch einen festen Platz finden. Das Nachwuchstalent des RV Münster ruderte sowohl mit dem College-Achter als auch im Doppelvierer zu nationalen Medaillen, beim Maadi-Cup hätte die Münsteranerin sowohl im Doppelvierer als auch im ungesteuerten Riemenvierer gesessen – als Zeichen einer äußerst gelungenen Weiterbildung: „Eigentlich hatte ich nie zuvor geriemt“, sagt Nele Deittert, die sich im Frühjahr 2019 durch herausragende Vorstellungen im Einer des RV Münster für das Nachwuchsprojekt des DRV im Doppelvierer unter Leitung von Olympiasiegerin Katrin Rutschow-Stomporowski empfohlen hatte.

Am anderen Ende der Welt zeigte die Skull-Spezialistin ihre Fähigkeiten am Riemen. „Das ist was ganz anderes, ich weiß gar nicht, was mir lieber ist“, sagt die Schülerin des Anne-Frank-Berufskollegs. Rudern war allerdings nicht die Hauptbeschäftigung der 16-Jährigen, „es ging um die Erfahrung und darum, besser Englisch zu lernen.“

Nele Deittert im Trikot des RV Münster auf dem heimischen Dortmund-Ems-Kanal

Nele Deittert im Trikot des RV Münster auf dem heimischen Dortmund-Ems-Kanal Foto: Detlev Seyb

Englisch für Fortgeruderte

Der Rudersport war zwar nur ein Randaspekt – allerdings ein sehr schöner und wichtiger. „Sport spielte am College schon eine große Rolle, und Neuseeland ist auch eine Rudernation.“ Dass in ihrem Achter ansonsten nur Einheimische saßen, brachte dann im gleichen Tempo auch die Sprachkenntnisse voran. Beide Qualitäten will Nele Deittert jetzt auch in Deutschland nutzen und weiter stärken. „Ich werde auf jeden Fall weiterrudern“, so Nele Deittert – derzeit vor allem noch auf dem Ergometer, den ihr der Club nach Hause geliefert hat und den sie sich mit Bruder Hannes teilt.

Nele Deittert (r.), mit ihrer Gastfamilie in Neseeland

Nele Deittert (r.), mit ihrer Gastfamilie in Neseeland Foto: privat

Wenn die Corona-Krise überstanden ist, steht dann aber auch noch eine lange Fernreise an: Für einen standesgemäßen Abschied in Neuseeland.

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