Abiturienten sowie die Bundeskader-Athleten sind zurück
Ein bisschen Alltag im Sportinternat – auf Distanz

Münster -

40 Tage herrschte seltsame Stille am sonst so lebhaften Sportinternat. Nun blüht das Leben an der Salzmannstraße wieder auf – langsam, aber sicher und immer mit gebotenem Abstand. Elf der 26 Athleten sind zurück, nicht nur zur Freude von Internatsleiterin Ruth Funk.

Freitag, 08.05.2020, 17:46 Uhr
Still und beschaulich: Das münsterische Sportinternat
Still und beschaulich: Das münsterische Sportinternat Foto: Oliver Werner,

Ruth Funk blickt ins Leere: „Surreal“ sei die momentane Situation, sagt die Leiterin des münsterischen Sportinternats und wirkt ein wenig traurig. Im etwas versteckt liegenden Gebäude in der Salzmannstraße ist das Leben zur Ruhe gekommen und nur noch eine Teilmenge im Schnittpunkt von Lernen, Wohnen und Trainieren. Elf Schülerinnen und Schüler – Athletinnen und Athleten – sind (wieder) da. Bundeskader und Abiturienten haben den Vorzug, Erstgenannte sollen ja auch wieder trainieren.

Da, wo normalerweise das Leben pulsiert, vor allem bei den Mahlzeiten, herrscht nun gebotene Distanz. Jeder und jede bekommt einen eigenen Tisch zugewiesen, acht Jugendliche dürfen dann jeweils gemeinsam essen. Zur Küche hat kein Schüler Zutritt, auf die Lebensmittel keinen unmittelbaren Zugriff. Außerhalb der Zimmer besteht natürlich Maskenpflicht, beschreibt Funk das Ist, wo doch üblicherweise das Wollen überwiegt. Je fünf dürfen sich beispielsweise abends im gemeinsamen TV-Raum, vier sich gemeinsam im Lernraum aufhalten.

Kurz vor den Abi-Prüfungen

„Die, die wieder hier sind, sind froh, weil der Alltag mit Training und Lernen ausgefüllt ist. Die meisten sitzen über Stunden in ihren Zimmern und bearbeiten ihre Online-Aufgaben aus der Schule“, sagt Funk. Kurz vor den Abiturprüfungen sind die meisten froh, dass die Vorbereitung darauf so intensiv wie nie, auch dank der Kleinstgruppen, genutzt werden kann.

„Die Volleyballerinnen des Bundesstützpunktes haben eine Sondergenehmigung fürs Training, der junge Boxer hat seinen Trainingsplan für zu Hause, der Basketballer muss sein Jogging- und Laufprogramm absolvieren“, erklärt Funk und erweitert ihren geschilderten Eindruck des Surrealismus durch „Entspanntheit“. Oder Gespanntheit, denn „alle warten auf die Lockerung“. Aber: Wie geht’s weiter auf und mit den Sportstätten? Wer darf sie nutzen? „Die werden ja nun nicht nur von geregelten Gruppen genutzt, das heißt: Wer erhält nun die Nutzungszeiten?“

„Könnten Volllast fahren“

Die Internatsleiterin sagt, „wir könnten Volllast fahren, das müsste aber die Staatskanzlei genehmigen“. Volllast heißt aktuell, 26 Schüler wären da, nachdem sich zwei Internatsbewohner zwischenzeitlich aufgrund schulischer Defizite abgemeldet hatten. Den Bewohner-Schwerpunkt bilden die Volleyballerinnen vom Stützpunkt (18), zudem sind zwei Basketballer, zwei Ruderer sowie je ein Boxer, Fußballer, Leichtathlet sowie eine Schach-affine Bogenschützin, die zudem ihr FSJ beim SK Münster 32 absolviert, zu Gast.

Das Betreuungspersonal ist nach Rückkehr der drei Honorarkräfte wieder annähernd komplett. Zu tun gab’s auch in Zeiten der Schließung genug. Ein Projekt mit der Uni Bochum über die Bedeutung der Nutzung sozialer Medien für Leistungssportler wurde vorangetrieben, Entwicklungsberichte „für jedes einzelne Kind“ (Funk) wurden geschrieben. „Dinge, die normalerweise für Überstunden sorgen.“

Etwas problematisch könnte in Zeiten der Pandemie die Rekrutierung neuer Bewohner werden. „Schnupperwohnen geht ja nicht, und auch Hospitanztage sind nicht zu vermitteln“, erläutert Funk. In diesem Zusammenhang: Dem Internat drohe keine finanzielle Schieflage durch den 40-tägigen Totalstopp und die schrittweise Öffnung am 22. April. „Die Fördergelder sind ja vertraglich fest, die Elternbeiträge betragen im Gesamtbudget ein Drittel“, sagt Funk, und: „Wir zahlen den Eltern ja auch das wegen geringerer Ausgaben in der Zeit Ersparte zurück.“

Fragen bleiben offen

Für Funk bleiben Fragen dennoch offen: Wird die Stadt angesichts der finanziellen Belastungen hervorgerufen durch die Pandemie sich weiter in der Lage sehen, das Sportinternat zu fördern? Bleiben die privaten Förderer bei der Stange? Und: Können die zurzeit offenen Internatsplätze rechtzeitig belegt werden? Für den neuen Geschäftsführer des Internats-Trägers (Verein zur Förderung des Leistungssports), der zum 1. Juli sein Amt antreten soll, dürften Antworten auf diese Fragen wichtig werden.

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