Fußball: 3. Liga
Preußen Münter rauscht torlos dem Abgrund entgegen

Braunschweig -

Bergsteiger wissen, das die Luft immer dünner wird, je höher man kommt. Drittligist SC Preußen Münster dagegen bekommt im Keller Schnappatmung: Die Sauerstoffreserven scheinen aufgebraucht, im Kampf um den Klassenerhalt braucht der Traditionsclub nach der 0:1-Niederlage in Braunschweig nun schon fast ein Fußball-Wunder.

Sonntag, 21.06.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 21.06.2020, 16:39 Uhr
Fußball: 3. Liga: Preußen Münter rauscht torlos dem Abgrund entgegen
Foto: Sebastian Sanders

Vier Spieltage bleiben dem SC Preußen Münster also noch in der 3. Liga. Der Spielraum für den abstiegsgefährdeten Club ist verschwindend gering, die Chance auf den Ligaerhalt hat noch einmal ein paar Prozentpunkte eingebüßt durch das 0:1 (0:1) bei Eintracht Braunschweig. „Wir halten uns damit nicht lange auf und bereiten uns auf Zwickau vor“, ließ sich Trainer Sascha Hildmann nach einer zugegebenermaßen besseren Preußen-Präsentation nicht seinen Pragmatismus nehmen. Mittwoch im Heimspiel gegen Zwickau zählt nichts anderes als ein Sieg, das ist Voraussetzung dafür, überhaupt noch irgendeine Hoffnung auf den Klassenerhalt hegen zu dürfen. Es ist eine Partie „Do or die“, „Leben oder sterben“, so dramatisch ist die Lage. Dann folgt das Triple M: Mannheim, Meppen und Magdeburg. Hört sich verwegen an, aber eigentlich müssen zwölf Punkte her.

Der Zahlensalat der letzten Tage und Wochen spricht nicht gerade für die Adlerträger. Nach dem überrascheden Coup gegen Unterhaching (2:1) folgten zwei Nullnummern (Großaspach und Ingolstadt) sowie in deren Folge zwei 0:1-Niederlagen (Chemnitz und Braunschweig). Man könnte vermuten, dass die Bürde, die Last des Abstiegskampfes schwer auf den Hildmann-Schützlingen liegt, die Beine schwer macht, alles wie verhext ist. Diesen Eindruck machte der SCP in Braunschweig nicht – vielleicht nur in den ersten fünf, sechs Minuten. Sieben Stunden und sechs Minuten ist Münster ohne Torerfolg, an der Hamburger Straße rappelte es nach gerade einmal 92 Sekunden im Karton des SCP. Extreme Welten.

Da war er, der Mann der Stunde in der 3. Liga und in Braunschweig: Martin Kobylanski. Der Ex-Preuße zirkelte seine erste Schusschance meisterhaft ins Tor, Torwart Max Schulze Niehues verharrte in eisiger Stille. Einen Fehlpass von Jan Löhmannsröben sowie eine unsortierte Mittelfeldzentrale um Fridolin Wagner und Heinz Mörschel machten dem Aufstiegsanwärter den Weg frei zur Führung, Marvin Pourie bereitete vor. Braunschweig spielte in einem Moment mit seinen individuellen Klassespielern das Wichtigste heraus. Den Sieg.

Was für die Preußen noch spricht? Sie gaben nicht auf, agierten keinesfalls wie ein Kellerkind. Tatsächlich hatte Münster mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz, gerade nach der Pause hatten die Hausherren keine Entlastung mehr. Die Motivation der Mannschaft ist ungebrochen.

Was fehlte? Naja, klar, das eine von den vier, fünf herausragenden Chancen auch in ein Tor umgemünzt worden wäre, das hätte zumindest für einen Punktgewinn gereicht, ein Sieg wäre nicht ein Ding der Unmöglichkeit gewesen – wirklich. Die Chancen waren da: Maurice Litka (15.) trifft den Innenpfosten und der Ball kullert parallel zur Torlinie wieder ins Spielfeld zurück. Lucas Cueto (45.) scheitert an dem überragenden Marcel Engelhardt. Und schließlich Seref Özcan (73.), der im Eins-gegen-Eins am Eintracht-Keeper scheitert. Dazu noch Schüsse von Alexander Rossipal oder Heinz Mörschel. So blieb nur die alter Fußballerweisheit, vorgetragen vom starken Maurice Litka: „Wenn man vorne die Dinger nicht macht, gewinnt man keine Spiele.“

Was nun, Herr Hildmann? „Wir sind vor allem nach der Pause großes Risiko gegangen. Wir hatten sehr gute Chancen und haben großen Aufwand betrieben“, resümierte er. Nach dem Abpfiff kickte er wutentbrannt einen Ball Richtung Stadiondach, vielleicht konnte er etwas von dem riesengroßen Frust abwerfen, da musste was raus. Seiner Mannschaft machte er keinen Vorwurf. Er wusste nur zu genau, mit einer vergleichbaren Leistung in den letzten vier sieglosen Partien würden die Preußen nicht nahezu hoffnungslos vor dem Abgrund stehen. Der Auftritt in Braunschweig war ein guter, der Ertrag ging gegen null. Nein, dieser war null. Hildmann erklärte fast schon trotzig: „Ich würde im nachhinein bei der Aufstellung und Taktik nichts anders machen.“ Er weiß nur zu genau, dass seine Schützlinge am Mittwoch gegen Zwickau eine vergleichbare Leistung abrufen müssen. Mindestens, sonst fällt möglicherweise am 24. Juni der Drittliga-Vorhang für den SCP.

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