Basketball: 2. Bundesliga ProB
Größter Wunsch ist eine volle Halle

Münster -

Philipp Kappenstein ist gerade als Headcoach der Teamgedanke wichtig. Deshalb geht er mit Manager Helge Stuckenholz in besonderen Zeiten gemeinsam voran und in seine neunte Saison mit den WWU Baskets Münster

Freitag, 10.07.2020, 12:16 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 11:50 Uhr
Baskets-Trainer Philipp Kappenstein geht in seine neunte Saison.
Baskets-Trainer Philipp Kappenstein geht in seine neunte Saison. Foto: Jürgen Peperhowe

In einem Interview mit Baskets-Pressesprecher Thomas Schurna sprach Philipp Kappenstein offen über die Fortsetzung seiner Tätigkeit als Headcoach und wagte einen Ausblick auf die Saison 2020/21.

 

Acht Jahre als Headcoach für einen Club zuarbeiten, ist außergewöhnlich, dazu die gegenwärtigen Bedingungen im Sport. Warum haben Sie einmal mehr verlängert?

Philipp Kappenstein: Es ist klar, dass das im Moment eine schwierige Situation im Sport ist, auch eine schwierige Situation für unseren Verein ist. Daher fühle ich mich in gewisser Weise in der Pflicht, voranzugehen und diese Situation zu meistern. Gemeinsam mit Manager Helge Stuckenholz möchte ich einer der Antreiber sein, damit der Verein gestärkt aus der Situation hervorkommt.

Starker Kern des letzten Jahres

Wie ordnen Sie zum jetzigen Zeitpunkt die sportliche Aufgabe in der kommenden Saison ein?

Kappenstein: Ich denke, dass wir vor einer hochinteressanten Aufgabe stehen. Wir haben eine sehr interessante Gruppe für die kommende Saison schon jetzt zusammen, mit einigen auch neuen Gesichtern, mit einem sehr starken Kern des letzten Jahres. Einzelne Positionen stehen noch offen, aber wir haben eine Mannschaft, wo ich schon jetzt sagen kann, dass ich hoch motiviert bin, mit ihr zu arbeiten, uns auch etwas Neues zu erarbeiten.

In Münster entstand nach dem Aufstieg in der ersten ProB-Saison 2018/19 ein Basketball-Hype, der vor der zweiten Saison naturgemäß die Erwartungen erhöhte. Wie schwer war und ist es, diesen gerecht zu werden?

Neue Ziele definieren

Kappenstein: Ich denke, dass psychologisch die neue Saison eine einfachere als die letzte werden wird. Nachdem wir 2018 Regionalliga-Meister und Pokalsieger waren, 2019 die ProB Nord als Aufsteiger gewonnen haben, war es für uns in der letzten Saison psychologisch von vorneherein sehr schwer. Bei vielen war vielleicht auch die Spannung der Vorjahre etwas abgefallen, was sehr menschlich ist. Es war vielleicht nun auch wichtig einmal durchzuatmen, neue Ziele zu definieren. Insofern hat die aktuelle Pause auch ihr Gutes...

… und bot vermutlich Zeit genug, um die letzte Saison aufzuarbeiten. Mit welchem Ergebnis?

Kappenstein: Nach der Hauptrunde und dem vorzeitigen Saisonende waren wir auf Platz 3 nur einen Sieg vom Aufstiegsrecht entfernt. Wir hatten trotzdem eine Saison, mit der wir alle nicht sehr zufrieden waren – trotz eines guten Endspurts, der leider etwas durch das letzte Spiel gegen Dresden getrübt wurde. Aber insgesamt hatten wir uns mit zuvor sieben Siegen in Folge viel Hoffnung auf die Playoffs gemacht. Corona hat gezeigt, man bekommt meistens eben nicht die zweite Chance, die wir vielleicht in den Playoffs gehabt hätten. Man hat nur eine Chance, auch und vielleicht für den letzten und ersten Eindruck.

Welche Lehren haben Sie gezogen?

Kappenstein: Aus einer solchen Saison können wir psychologisch im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine Menge an Motivation ziehen, gerade in etwas neuer Zusammenstellung unseres Teams. Als Trainer kommt mir auch zupass, dass Helge Ziele klar definiert hat.

Wie hat die Mannschaft auf die Ereignisse der vergangenen Spielzeiten reagiert?

Emotional ausgelaugt

Kappenstein: Generell waren wir alle, auch ich, obwohl wir positive Ergebnisse erzielt haben, emotional nach einem Saisonende immer etwas ausgelaugt. Wir haben bis Mai gespielt, sodass die übliche Pausemaximal zweieinhalb Monate war. Dieses Jahr hatten wir seit März kein Spiel mehr, sind seit Mitte Mai wieder sechs Wochen im Training. Wir legen nun noch einmal eine kleine Pause ein, bevor wir mit der Saisonvorbereitungstarten. Alle Spieler, mit denen ich im regen Gespräch bin, sagen schon,dass sie emotional und körperlich viel, viel frischer sind,als sie es zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr waren.

Ihr Pensum im Trainerjob und Lehrerberuf ist enorm. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus?

Kappenstein: Für mich ist immer wichtig, mich selber zu hinterfragen. Habe ich die Energie, das Team weiter nach vorne zu pushen, habe ich die Energie, dass neunte Jahr in Folge mit genau denselben Emotionen, genau demselben Einsatz, derselben Power und demselben Spirit am Seitenrand zu stehen, um der Aufgabegerecht zu werden? Ja, ich kann aus vollem Herzen sagen, dass ich das aktuell habe und mich sehr darauf freue.

Größter Wunsch ist eine volle Halle

Was ist Ihr größter Wunsch für die kommende Saison?

Kappenstein: Mein größter Wunsch in der kommenden Saison wäre, dass wir irgendwann in der kommenden Saison vor voll besetzten Rängen unser Leistungsvermögen in Gänze abrufen können. Das wäre mein absolutes Saisonziel. An den äußeren Umständen können wir nichts ändern.

Was macht für Sie die Arbeit als Headcoach bei den WWU Baskets weiterhin attraktiv?

Kappenstein: Ich glaube, uns steht eine gute Saison mit einem höchst interessanten Team bevor. Energie wird bei allen Spielern voll und ganz vorhanden sein. Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl in dem Umfeld, das wir geschaffen haben. Da ist zunächst einmal ein sehr cooles, sehr gutes und sehr familiäres Team um die Mannschaft und den Verein herum. Des weiteren sind professionellere Strukturen geschaffen worden, die weiter vorangetrieben werden. Ich habe es letztes Jahr schon gesagt und sehe es jetzt genau so: Der Weg der WWU Baskets ist definitiv noch nicht zu Ende und ich möchte den gerne im kommenden Jahr mitgestalten. Man hatte jetzt viel Zeit zu reflektieren, nachzudenken. Und das ist das Ergebnis, zu dem ich nach reiflichem Nachdenken gekommen bin.

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