Beachvolleyball: Europameisterschaft in Jurmala
Ein Punkt fehlt Behrens/Tillmann zum EM-Triumph

Münster -

Sie haben gekämpft bis zum Umfallen, haben alles reingeworfen – und sie haben ein großartiges EM-Turnier mit einem wahnsinnigen Finale beendet. Allein die Krönung fehlte, Kim Behrens und Cinja Tillmann haben den großen Wurf verpasst und nur Silber gewonnen. Doch was heißt hier nur: Das Duo aus Münster hat begeistert und darf hoch erhobenen Hauptes das lettische Jurmala verlassen.

Montag, 21.09.2020, 09:40 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 15:28 Uhr
Die Köpfe im Sand: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann sind nach dem verlorenen Finale enttäuscht. EM-Silber ist aber dennoch der größte Erfolg des Duos aus Münster.
Die Köpfe im Sand: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann sind nach dem verlorenen Finale enttäuscht. EM-Silber ist aber dennoch der größte Erfolg des Duos aus Münster. Foto: CEV

Kim Behrens riss sich frustriert die Sonnenbrille von der Nase und feuerte sie über den Center Court, ehe sie tief enttäuscht in den Sand sank, wo schon ihre Partnerin Cinja Tillmann kauerte. Es flossen Tränen nach dem EM-Finale, in dem das Beachvolleyball-Duo aus Münster so nah am großen Coup, an der Erfüllung eines großen Traumes war.

Matchball hatten Behrens/Tillmann im dritten Satz gegen die an Position drei gesetzten und favorisierten Schweizerinnen Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich, doch Tillmann setzte den Ball beim 15:14 hinter das Spielfeld. Die Chance war vertan, fünf Ballwechsel später stand das 1:2 (21:18, 14:21, 16:18) nach einem Behrens-Angriff ins Aus fest. Bittere Momente im Sand von Jurmala, wo sich die beiden Münsteranerinnen trotz der Niederlage bestens verkauften. Nach dem holprigen Auftakt (0:2 gegen Amaranta/Lobato aus Spanien) steigerte sich das deutsche Team, das überhaupt erst durch die Absage von Karla Borger und Julia Sude an der EM teilnehmen durften – ein Glücksfall.

Tillmann: „Von Spiel zu Spiel gesteigert“

Die DM-Dritten überraschten schon im Achtelfinale die topgesetzte Paarung Nina Betschart/Tanja Hüberli aus der Schweiz und beförderte dann im Halbfinale am Samstag mit den Russinnen Nadeschda Makrogusowa/Swetlana Kholomina die Nummer vier der Setzliste nach einer ungemein starken Leistung mit 21:19, 21:17 aus dem Turnier. „Nach dem ersten Spiel haben wir aufgehört, uns irgendetwas auszurechnen. Wir wollten uns auf unsere Stärken fokussieren und haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert“, sagte Tillmann.

Starke Aufschläge

Besonders mit dem Aufschlag setzte sie wie auch ihre 27-jährige Partnerin die Gegner unter Druck, bereitete so auch Vergé-Dépré und Heidrich massive Probleme. Zwei Tillmann-Asse am Stück zum 6:5 sowie ein weiterer direkter Servicepunkt zum 12:7 bereiteten den Weg zur Satzführung. „Sie haben aufgeschlagen wie die Hölle“, befand Vergé-Dépré nach dem Match, die blockstarke Heidrich befand, dass Behrens/Tillmann „wie die Wahnsinnigen serviert“ hätten. Allein es reichte nicht, weil sich das Schweizer-Duo im zweiten Satz nach dem 3:7-Rückstand sukzessiv steigerte und aggressiver auftrat.

Im Tiebreak war es dann ein Nervenspiel. Erst ließ Tillmann die Chance zum 9:6 liegen, dann vergab Heidrich ein dickes Ding zum 12:10. Kopfsache bis zum letzten Ballwechsel, der die Münsteranerinnen enttäuscht zurückließ. „Gerade überwiegt, dass wir unsere Chancen nicht nutzen. Wir spielen hier nicht gegen Hinz und Kunz, hatten es aber auf der Hand. Die letzten zwei Prozent haben wir dann nicht abgerufen, das ist ärgerlich“, sagte Behrens. „Wir haben so gekämpft, wir haben alles gegeben. Ich bin stehend K.o.“

Ludwigs Rücken zwickt

Für die anderen deutschen Damen-Duos war die EM schon im Viertelfinale beendet. Olympiasiegerin Laura Ludwig musste wegen einer Rückenverletzung mit Margareta Kozuch gegen Heidrich/Vergé-Dépré im dritten Satz aufgeben. „Im Moment liegt die Gefühlslage irgendwo zwischen dem Stolz auf unsere Team-Leistung im Turnier und der Enttäuschung mit dem Aus im Viertelfinale“, sagte Ludwig. „Dass ausgerechnet jetzt zum Höhepunkt die Rückenschmerzen so stark werden, ist bitter.“ Auch das Nationalteam Victoria Bieneck und Isabel Schneider schied durch ein 1:2 (26:28, 21:12, 12:15) gegen Barbora Hermannova und Marketa Slukova aus Tschechien aus.

Die deutschen Herren um die Vizeweltmeister Julius Thole/Clemens Wickler hatten allesamt das Achtelfinale verpasst.

 

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