Fußball: Regionalliga
Simon Engelmann macht den Unterschied: Preußen Münster verliert bei RW Essen

Essen -

Der SC Preußen Münster kassierte am Samstag seine zweite Saisonniederlage in der Regionalliga. Im Topspiel an der Hafenstraße bei RW Essen gab es ein 0:1. Simon Engelmann traf für die Platzherren nach 51 Minuten.

Sonntag, 18.10.2020, 14:34 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 13:19 Uhr
Simon Scherder in Aktion: Eine Platzwunde an der Stirn wurde getackert und mit einem Verband gesichert. Foto: Jürgen Peperhowe
Simon Scherder in Aktion: Eine Platzwunde an der Stirn wurde getackert und mit einem Verband gesichert. Foto: Jürgen Peperhowe Foto: Jürgen Peperhowe

Simon Scherder stand symbolhaft für den SC Preußen Münster , als er das Feld verließ. Aufrecht, geschafft, angeknockt. Ein bisschen sah er sogar aus wie ein kickender Hulk in seinem grünen Oberteil und dem grünen Turban. Hulk, die animierte, muskulöse Comic-Figur, die schon mal Schlachten verliert, am Ende aber immer der Gewinner ist. Scherder hatte ordentlich einen mitbekommen von Simon Engelmann , musste noch auf dem Rasen fünffach getackert werden, weil der Ellenbogencheck des Essener Angreifers für eine formidable Platzwunde an der Stirn gesorgt hatte.

Engelmann, ausgerechnet Engelmann, der das alles entscheidende 1:0 nach 51 Minuten markierte und damit Aufstiegsaspirant RW Essen den Erfolg im nach zehnjähriger Pause wiederbelebten West-Schlager sicherte. Oben auf der Tribüne verfolgte Trainer-Denkmal Otto Rehhagel die Partie und erklärte sie gestenreich. Vermutlich auch, welche Bedeutung Engelmann für RWE besitzt und warum Scherder direkt nach der Kopfbehandlung und frischem Verband als erstes gleich zum Kopfball hochstieg.

Essen gegen Münster war das Spitzenspiel der Regionalliga an diesem 9. Spieltag, und diese Runde ging an RWE. „Unter dem Strich hat Essen verdient gewonnen“, meinte Scherder. Er wusste genau, was ihm an diesem Samstag noch bevorstehen würde. Eine Verletzung am Auge in diesem Jahr, zum Saisonstart in Rödinghausen zwischen Lippe und Nase getroffen, musste die Kopf-Blessur nach Rückkehr in Münster noch fachgerecht genäht werden. „Ich kenn’ das schon, da greift die Sechs-Stunden-Regel. Das muss gemacht werden“, erklärte er trocken.

RWE-Coach Christian Neidhart und SCP-Trainer Sascha Hildmann sprachen unisono von einem echten Gipfeltreffen. Es sei eine Schande, dass so ein Spiel vor leeren Rängen und ohne Zuschauer stattfinden müsse, so Neidhart. Und Hildmann attestierte der Partie sogar Drittliga-Niveau.

Das passte auf jeden Fall, was die Intensität betraf, die von der ersten Minute an Essen ins Spiel brachte. Der SCP legte später in diesem Bereich zu. Es war entscheidend und etwas zu spät aus Sicht der Gäste aus Münster. Spielerisch war das dagegen nicht immer allererste Kategorie, auch wenn es die Übungsleiter so interpretierten. Der SCP hatte drei wirklich gute Chancen durch einen Innenpfostentreffer von Joel Grodowski (21.), einen im letzten Moment von Sandro Plechaty geblockten Schuss von Julian Schauerte (50.) nach Hereingabe von Osman Atilgan, sowie dem Freistoß von Joshua Holtby (90.+3), der von RWE-Torwart Daniel Davari glänzend geklärt wurde.

Die Hausherren brannten vor allem zwischen zehnter und 15. Minute ein Feuerwerk mit zwei Großchancen sowie zwei Aluminiumtreffern ab. Wenn es das gibt im Fußball, erarbeiteten sie sich damit das Tor von Engelmann nach 51 Minuten. Vor allem danach zeigte Essen, warum es eine routinierte Elf mit Klasse in der Regionalliga besitzt. „Wir hatten eine gute Spielkontrolle. Nach dem 1:0 haben wir bis auf den Freistoß nichts zugelassen“, befand Neidhart. Ex-Preuße Dennis Grote war dabei der überragende zentrale Mittelfeldspieler der Partie. Der junge SCP agierte derweil ungestüm, wenig clever, aber mit viel Engagement.

„Es war mehr drin“, glaubte Hildmann. Im Kabinengang scherzte RWE-Boss Markus Uhlig, dass man einen späten Ausgleich niemandem hätte erklären können. Es war ein bisschen von oben herab, auch wenn es nur ein lockerer Spruch war. Hildmann sprang drauf an, die zweite Saison-Niederlage wurmte ihn, stachelte an: „Ich freue mich aufs Rückspiel. Mal sehen, wer da lacht.“ Die Rivalität lebt.

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