Handball: Frauen-Landesliga
Spielpause – notfalls bis zum Abstieg: BSV Roxel setzt ein Zeichen

Münster -

Dieses Zeichen ist beeindruckend: Die Handballerinnen des BSV Roxel ziehen sich aus dem Trainings- und womöglich auch aus dem Spielbetrieb zurück. Eine Reaktion auf die steigenden Fallzahlen der Pandemie. Der Vorstand steht hinter der Entscheidung.

Dienstag, 20.10.2020, 18:26 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 10:36 Uhr
„Wir wollten wachrütteln“: Roxels Trainer Andreas Helftewes
„Wir wollten wachrütteln“: Roxels Trainer Andreas Helftewes Foto: fotoideen.com

Es sind starke Signale, die stärksten, die der BSV Roxel in Pandemiezeiten da setzt. Der münsterische Frauenhandball-Landesligist zieht sich aus dem Trainings- und womöglich auch aus dem Spielbetrieb zurück, weil dem Team – nach zweiwöchiger geschlossener Quarantäne – bewusst geworden ist, dass „es so nicht geht“, wie es Trainer Andreas Helftewes formulierte und seinen Frauen damit aus der Seele sprach. Die Handballerinnen hatten sich entschlossen, „ein Zeichen zu setzen, während andernorts und selbst zuhause nur wenige Menschen zusammenkommen dürfen“, sagte Helftewes.

Die Folge der 14-tägigen Quarantäne, nachdem eine Spielerin in Infektionsverdacht stand, aber negativ getestet wurde, schlug bei den Landesliga-Sportlerinnen voll durch. „Es geht so weit, dass Mütter mit ihren Kindern nicht mehr raus dürfen, Familien den Kontakt mit den Handballerinnen nicht mehr wollen und der Druck der Arbeitgeber wächst: Und dann sollen wir trotzdem weiter Handball spielen?“ lautete die rhetorische Frage. Die Antwort gaben die Roxelerinnen einstimmig, aber mit Tränen in den Augen. „Wir wollen wachrütteln“, betont der Coach, der die sportlichen Mechanismen natürlich einzuschätzen vermag. „Wenn wir nicht spielen, steigen wir ab. Wollen wir das?“

Zurzeit herrscht Ratlosigkeit, aber auch die Gewissheit im Team, dass der sportliche Druck nichts ist im Vergleich zum sozialen.

Die Roxelerinnen hoffen im Grunde genommen darauf, dass sich im Verband beziehungsweise in den Ordnungsbehörden der Stadt die Meinung bildet, dass man „einerseits Kontaktbeschränkungen im Privaten verschärft, anderseits aber Hallen-Kontaktsport zulässt“, wie Helftewes betont. Im Privaten sind Kontakte von zehn Menschen zugelassen, in der Halle dürfen 30 Kontaktsport betreiben: „Das ist nicht nicht mehr vermittelbar. Wir reden immer noch über Hobby-Sport“, sagt der Coach, „und für den wollen wir ein Zeichen setzen. Wir würden es jedenfalls begrüßen, wenn wir auf den unteren Ebenen Verzicht üben, so lange die Infektionszahlen exponentiell weiter steigen.“

Rein praktisch sehen Trainer wie Mannschaft ohnehin Ungemach voraus. Zwei Spiele wurden abgesagt, jeder einzelne Positiv-Fall zöge womöglich eine Mannschaftsquarantäne nach sich. Weitere Spielausfälle erhöhen das Risiko, dass der sportliche Terminplan ins wanken gerät. „Was spricht dagegen – es kommt erst der dritte Spieltag –, die Saison mit dem Status Quo einzufrieren und nach dem Winter, wenn die Infektionszahlen vielleicht wieder runtergehen, fortzusetzen?“

Am Montagabend hat der Abteilungsvorstand darüber diskutiert, ob dem Trainings- auch der Spielverzicht folgt. Ergebnis: Die Jugendmannschaften werden von dem selbst auferlegten Verzicht ausgenommen, „weil die Jugendlichen ihre gewohnte Struktur, ihre Aufgaben und ihre Perspektiven brauchen“, sagte Helftewes. Die DamenMannschaft wird freiwillig bis zum 8. November keine Meisterschaftsspiele bestreiten und die angesetzten Begegnungen verschieben. Das Training mit Helftewes findet zunächst und erst ab nächster Woche freiwillig statt. „Wenn die Zahlen bis zum Jahresende weiter steigen, werden wir uns vom Spielbetrieb zurückziehen“, sagte der Trainer dann und es hörte sich ultimativ an.

Das Roxeler Beispiel könnte Schule machen, sagt Helftewes. Vielleicht fühlen sich andere Mannschaften und Sportler ja angesprochen, es ähnlich zu machen. Nebenbei: Im Handballverband Niedersachsen wird zurzeit angesichts der steigenden Corona-Zahlen über die Einführungen von Freiwilligen-Regelungen in Hallen-Sportarten diskutiert. Der Vorsitzende des Handballkreises Münster, Daniel Hooge, sagte auf Anfrage, dass ein Abbruch der Saison – welche pandemiebedingten Ausnahmeregelungen auch immer – noch nicht zur Diskussion stehen würde.

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