Schach: Ausweichstrategien
„Quarantäne-Liga“ ist nur ein Intermezzo für den SK 32

Münster -

Schach kann auch online gespielt werden. Insofern hat der SK Münster 32 ja Glück im Vergleich zu vielen anderen Sportvereinen – viele Mitglieder machen davon Gebrauch. Doch wirklich ersetzen kann die digitale Partie den Nervenkitzel von Angesicht zu Angesicht nicht.

Mittwoch, 18.11.2020, 15:08 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 21:44 Uhr
Schachspielen ist live für viele am schönsten und nicht vergleichbar mit der Online-Variante einer „Quarantäne-Liga“.
Schachspielen ist live für viele am schönsten und nicht vergleichbar mit der Online-Variante einer „Quarantäne-Liga“. Foto: dpa

Der Schachklub 32 Münster war in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade vom Glück geküsst. In Ermangelung einer vorzeigbaren sportlichen Heimat spielte er mitunter in Kellerräumen. Die Freude über den Umzug in die Stadthalle Hiltrup verging mit dem Lockdown im März. Dann erzwang die Pandemie die Absage der Münsterland Open, in die der Verein seit Jahrzehnten reichlich Herzblut investiert. Und aktuell setzen Bretter, Figuren und Uhren erneut Staub an – die Corona-Verordnung klammert auch die Denksportler nicht aus.

Gleichwohl haben die Schachspieler in diesen schwierigen Zeiten noch Glück. Sie können sich digital duellieren – und machen davon auch Gebrauch. Online-Plattformen verzeichnen Rekord-Quoten. Auf dem weltgrößten Server chess.com werden nach dessen Angaben täglich vier Millionen Partien gespielt.

Die organisierten Vereine wie der SK 32 betrachten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Sie sehen einerseits das steigende Interesse an ihrem Spiel. „Es gibt aber auch die Sorge, Mitglieder zu verlieren, gerade jüngere. Wir haben da leider schon einige Abgänge“, sagt Pressesprecher Jasper Holtel .

91 700 Schachspieler bundesweit

In der Rangliste der 66 deutschen Spitzensportverbände hat der Deutsche Schach-Bund seine Position im vorderen Mittelfeld zuletzt zementiert. Bei der letzten Erhebung 2019 wurden 91 770 Mitglieder gezählt, damit liegt er knapp vor Ruderern und Boxern und weit vor den Fechtern im Lande.

...

Mit 185 Mitgliedern ist der SK 32 Münsters Hochburg. Acht Herrenmannschaften und ein Damenteam nehmen am ordentlichen Spielbetrieb teil. Seit Monaten nun schon ruhen die Wettkämpfe, nach Beschluss wird die abgebrochene Saison 2019/20 bis ins Frühjahr 2021 gestreckt. Als Intermezzo wurde sehr schnell und ohne Zutun des Verbandes eine „Quarantäne-Liga“ eingerichtet und das digitale Angebot dann mit Unterstützung des DSB durch eine Online-Liga erweitert. Der SK 32 mischt mit, allerdings nur in sehr geringer Mannschaftsstärke. „Viele Spieler lehnen das ab“, sagt Holtel. Auch der Spitzenmann der Oberligamannschaft sieht den Online-Betrieb bestenfalls als Zwischenspiel. Er vermisst die sozialen Kontakte und den psychologischen Aspekt des Spiels. „Es ist etwas völlig anderes, wenn du zu Hause am Schirm sitzt. Oder deinem Gegner direkt gegenüber und siehst, wie es an seinen Nerven zerrt“, erklärt der ­23-Jährige.

Kein passendes Einstiegsalter

Jasper Holtel hofft, dass bald wieder Trainingsabende möglich sind. Und sich neue Kinder anmelden und vielleicht sogar schon Dagewesene zurückkommen. Er selbst hat im Alter von fünf Jahren angefangen, Schach zu spielen. „Das war sehr früh, aber eigentlich gibt es kein richtiges oder falsches Einstiegsalter. Wir haben qualifizierte Trainer und viele Einstiegsangebote auch für ganz junge Anfänger.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7683571?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F
Nachrichten-Ticker