Volleyball: Bundesliga Frauen
Tief in der Krise – der USC Münster hinkt seinen Ansprüchen hinterher

Münster -

Sieben Niederlagen in acht Partien, dazu im Pokal-Achtelfinale ausgeschieden. Der USC Münster befindet sich zweifellos in einer schweren sportlichen Krise, die am Sonntag das 2:3 im Kellerduell gegen Nawaro Straubing noch verschärfte. Eine lange Mängelliste muss das Trainerteam, aus dem Lisa Thomsen in Kürze vorerst ausscheidet, abarbeiten. Keine leichte Aufgabe.

Montag, 30.11.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 15:50 Uhr
Demi Korevaar (l.), Taylor Nelson und Anika Brinkmann (r.) mühten sich vergebens und vermochten Lisa Thomsen keinen positiven Ausstand zu
Demi Korevaar (l.), Taylor Nelson und Anika Brinkmann (r.) mühten sich vergebens und vermochten Lisa Thomsen keinen positiven Ausstand zu Foto: Jürgen Peperhowe

Als Präsident Martin Gesigora nach der Partie Lisa Thomsen beste Wünsche und einen Blumenstrauß mit auf den Weg in die anstehende Mutterschutz-Auszeit gab, kamen diese Worte kaum bei der Trainerin an. Innerlich aufgewühlt, tief enttäuscht und mit feuchten Augen stand Thomsen nach dem bitteren 2:3 gegen Nawaro Straubing da, zu tief saß der Stachel nach dem neuerlichen Rückschlag, der den USC Münster noch tiefer in die sportliche Krise beförderte. Platz zehn, Vorletzter.

Ein Sieg im Tiebreak wäre mehr wert gewesen als zwei Punkte. Er wäre Balsam gewesen für die belastete Seele, für das angeknackste Selbstvertrauen – und er wäre möglich gewesen, eine Übermannschaft war Nawaro beileibe nicht. Allein in den ersten beiden Sätzen, die Münster nach Führungen (19:17 im ersten, 18:16 und 21:20 im zweiten) aus der Hand gab. Fehlende Konsequenz und Intensität, mangelndes Zutrauen und zögerliches Auftreten – all dies kam später im Tiebreak wieder zum Tragen – kosteten die Durchgänge eins und zwei. „Die beiden Sätze verlieren wir wegen unserer Block-Feld-Abwehr. Da waren wir nicht aggressiv und gut genug. In der Crunch Time entscheiden dann ein, zwei, drei Details“, beklagte Thomsen, die zudem beobachten musste, wie ihr Team die taktische Ordnung verlor und sich nicht an den Plan hielt.

Auch Wezorke sieht „fehlende Umsetzung der Vorgaben“

Auch Kapitänin Barbara Wezorke bemängelte die „fehlende Umsetzung der Vorgaben“, nahm sich ausdrücklich mit in die Pflicht. „Das betrifft uns alle. Wenn es heißt, dass ich die Nummer 17 blocken soll und ich diese nicht blocke, ist das schlecht“, sagte die 27-Jährige, die mit der Nummer 17 Topscorerin Iris Scholten (29 Zähler) meinte. Ein Beispiel von vielen, in wichtigen Situationen stimmt die Auswahl der Spielzüge, das Timing oder einfach die Qualität der Angriffe nicht.

Eine Frage des Kopfes

Sicher auch und in diesen Wochen nach nun sieben Bundesliga-Niederlagen am Stück – dazu kommt das 2:3 im Pokal-Achtelfinale gegen Vilsbiburg – mehr als sonst eine Frage des Kopfes. Als der USC 0:2-Sätze zurück lag und der Druck einer Alles-oder-nichts-Mentalität gewichen war, deuteten die Unabhängigen ihr Vermögen an – um nach dem vierten Abschnitt (25:10) im Tiebreak wieder in alte Muster zu verfallen. Ein Punkt, an dem Thomsen in dieser Übergangswoche mit ihrem Interimsnachfolger Ralph Bergmann ansetzen und arbeiten wird. „Wir führen viele individuelle Gesprächen. Das Kopfproblem lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wir sind Leistungssportler und müssen mit solchen Situationen umgehen“, so Thomsen. Genau dies aber hat der USC nur einmal geschafft. Beim Saisonauftakt gegen Wiesbaden (3:2).

Aachen entlässt Trainer Beijl

Nicht nur am Berg Fidel kriselt er derzeit. Auch bei den Ladies in Black, die nicht wie geplant am 10. Dezember, sondern schon einen Tag früher um 18 Uhr) beim USC Münster gastieren, hängt der sportliche Haussegen schief. Nach dem 1:3 der Schwarz-Gelben beim ungeschlagenen Allianz MTV Stuttgart entließ der Volleyball-Bundesligist seinen niederländischen Trainer Eelco Beijl. „Die Verantwortlichen sind der Auffassung, dass die Mannschaft derzeit nicht ihr Leistungsvermögen in den entscheidenden Momenten auf das Feld bringen kann. Daher soll diese Veränderung nun positive Energien freisetzen“, heißt es auf der Club-Homepage. Der bisherige Bejil-Assistent Bart Janssen soll nun das Team übernehmen und „voraussichtlich bis Saisonende Cheftrainer bleiben“.

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