Volleyball: Interview
Ex-USC-Spielerin Ivana Vanjak: „Zu Trump wollte niemand“

Münster -

Im März trug Ivana Vanjak zum letzten Mal das Trikot des USC Münster. Die Nationalspielerin wechselte zum französischen Topclub Mulhouse. Dort spielt sie nun zum ersten Mal Champions League. Im Interview spricht sie aber nicht nur über Volleyball. Als Fachfrau nimmt die 25-Jährige auch Stellung zu Donald Trump und zur Pandemie.

Dienstag, 01.12.2020, 17:22 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 16:05 Uhr
Eine starke Frau: Ivana Vanjak. Die 25-Jährige hat Münster im Sommer verlassen und spielt nun in Frankreich.
Eine starke Frau: Ivana Vanjak. Die 25-Jährige hat Münster im Sommer verlassen und spielt nun in Frankreich. Foto: imago-images

Ivana Vanjak hat immer gewusst, was sie wollte. Frühe Bundesliga-Erfahrungen in Wiesbaden. Auslandsstudium in den USA. Dreijähriges Engagement beim USC Münster . Seit Sommer Profi beim französischen Spitzenclub Mulhouse. Eine erstaunliche Vita für eine erst 25-jährige Frau. Und Nationalspielerin ist die Volleyballerin in dieser Zeit ja auch noch geworden. Es passt zu ihr, dass sie im Interview nicht nur zum Sport, sondern auch zur Wahl in den USA und zur weltumklammernden Pandemie Position bezieht. Als Fachfrau.

 

Der USC Münster hat vor einigen Wochen Trainer Teun Buijs entlassen. Waren Sie überrascht?

Vanjak: Ja, eigentlich schon. Aber Trennungen gehören zum Sport. Der Verein wird sicherlich seine Gründe gehabt haben.

Sie haben drei Jahre unter Buijs trainiert und gespielt. Wie haben Sie ihn wahrgenommen?

Vanjak: Ich bin ihm sehr dankbar. Er hat mir viele gute Tipps gegeben und ist mitverantwortlich dafür, dass ich da stehe, wo ich stehe.

Bevor Sie im Jahr 2017 zum USC gewechselt sind, haben Sie an der Stanford University in Kalifornien studiert und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten quasi vor Ort erlebt ...

Vanjak: Das war an unserer Uni natürlich ein großes Thema. Ich erinnere mich genau: Hillary Clinton hat bei der Stimmenauszählung klar geführt, ehe Trump noch vorbeigezogen ist. In meinem Umfeld waren alle geschockt. Auch ich habe das nicht glauben wollen.

Sie mögen Trump nicht?

Vanjak: Er ist kein demokratischer Präsident. Er hat Ängste geschürt und viele Hassreden gehalten. Auch gegen Frauen.

Und dann hat er Sie auch noch einen Besuch im Weißen Haus gekostet ...

Vanjak: Ja, wir sind College-Meister geworden und als solcher wird man immer vom Präsidenten empfangen. Das ist eine große Ehre, aber zu Trump wollte niemand aus unserem Frauenteam. Wir haben einstimmig entschieden, zu Hause zu bleiben.

Das zweite große Thema in diesem Herbst, und wohl auch noch länger, ist die Corona-Pandemie. Als Chemie-Ingenieurin sind Sie eine Fachfrau ...

Vanjak: Tatsächlich interessiert mich das brennend. Als Praktikantin habe ich schon einmal drei Monate in einem Unternehmen gearbeitet, das sich mit der Entwicklung von Impfstoffen befasst. Sehr spannend, das könnte ich mir nach der Karriere auch beruflich vorstellen.

Apropos Karriere, noch sind Sie Sportprofi. Wie gefällt es Ihnen denn im Elsass?

Vanjak: Grundsätzlich sehr gut. Aber durch das Virus ist alles sehr eingeschränkt. Es gibt leider keinerlei Kontakte außerhalb des Volleyballs. Zurzeit dürfen wir uns ein einziges Mal am Tag maximal einen Kilometer vom Haus entfernen. Und vorher ist auch noch ein Formular auszufüllen.

Das Elsass war während der ersten Welle im Frühjahr besonders betroffen. Da waren Sie noch bei Ihrer Familie in Frankfurt. Hatten Sie Sorge vor dem Umzug?

Vanjak: Na klar macht man sich Gedanken. Für mich war es wichtig, positiv zu bleiben. Das habe ich geschafft.

Sportlich haben Sie sich nicht verschlechtert ...

Vanjak: In der Liga läuft es bestens für uns. Wir haben bisher alle Spiele gewonnen und sind Zweiter hinter Nantes.

Sagen Sie etwas zur Mannschaft, Mulhouse ist multi-kulturell aufgestellt ...

Vanjak: Ja, kann man sagen. Wir haben drei Französinnen, zwei Mädels aus Kamerun sowie jeweils eine Spielerin aus England, Holland, Griechenland, Serbien, Schweden, Rumänien und den USA im Kader. Das Team ist genial, es macht riesigen Spaß.

Stellt sich die Frage, in welcher Sprache kommuniziert wird ...

Vanjak: Eigentlich immer in Englisch. Nur wenn unser Trainer unzufrieden ist, wird es kompliziert. Er ist Italiener.

In der vergangenen Woche hatten Sie in Bulgarien Ihren ersten Einsatz in der Champions League. Dabei hat Mulhouse gegen Vakifbank Istanbul und Lodz jeweils deutlich mit 0:3 verloren und nur gegen Gastgeber Plovdiv gewonnen (3:0) ...

Vanjak: Gegen Lodz hatten wir einen schlechten Tag, das wollen wir beim zweiten Turnier korrigieren. Beeindruckt bin ich von Vakifbank, dieses Team ist wirklich unglaublich. So ein hohes Niveau auf der gegnerischen Seite habe ich noch nie gesehen.

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