Volleyball: Bundesliga Frauen
Der USC im Krisenmodus – Trainer Bergmann sucht nach Lösungen

Münster -

Der USC Münster spielt bislang eine Saison, die alles andere als berauschend ist. Drei Siege aus zwölf Partien sind die magere Ausbeute, zuletzt verloren die Unabhängigen in Vilsbiburg mit 0:3. Besonders die Art und Weise des Auftretens war nicht hinnehmbar – und wird auch nicht akzeptiert von Trainer Ralph Bergmann, der akuten Rede- und Handlungsbedarf hat.

Dienstag, 12.01.2021, 12:22 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 17:10 Uhr
Auszeit in Vilsbiburg: Trainer Ralph Bergmann redet seinen Schützlingen zu. Nach der 0:3-Schlappe gibt es weiteren Gesprächsbedarf.
Auszeit in Vilsbiburg: Trainer Ralph Bergmann redet seinen Schützlingen zu. Nach der 0:3-Schlappe gibt es weiteren Gesprächsbedarf. Foto: Wolfgang Fehrmann

Videoanalyse, Einzelgespräche, Training – Ralph Bergmann hat in diesen frühen Tagen des Jahres besonders viel zu tun. Nach kurzem Zwischenhoch im Dezember erlebte der USC Münster jüngst in Vilsbiburg eine krachende Bruchlandung. Schon unmittelbar nach der untauglichen Vorstellung kündigte der USC-Trainer Gesprächs- und Handlungsbedarf an. „Wir müssen uns um viele Dinge kümmern. Auch um die Themen Verantwortung und Außendarstellung“, erklärte Bergmann.

Am Samstag in Niederbayern gab Münster eine Visitenkarte ab, die im besten Falle in einer unteren Schublade abgelegt wurde. Es war ein Rückfall in alte Muster. Nicht vorzeigbar und für den Coach nicht hinnehmbar. Viele Dinge gingen Bergmann, dem langjährigen Nationalspieler, direkt nach dem Abpfiff durch den Kopf. Er nahm sich Zeit, sie zu sortieren. Seit Beginn der Woche arbeiten er und die Mannschaft nun gemeinsam an der Beseitigung der offensichtlichen Missstände. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem alles neu hinterfragt werden muss.“

Große Zweifel sind nie gut. Schon gar nicht mitten in der Saison. Zwischen den Wettkämpfen bleibt kaum Zeit für Korrekturen, geschweige denn für aufwendige Reparaturarbeiten. Sollten die Unabhängigen die Playoffs verpassen, wäre ihre Saison schon am 13. März beendet. Im schlimmsten Fall könnte schon am 17. Februar die Luft raus sein, sechs der noch ausstehenden acht Hauptrunden-Partien absolviert der USC bis zu diesem Datum. Es muss sich etwas drehen, bald.

Bergmann fordert mehr Initiative

Aber wie? In Vilsbiburg fehlte Anika Brinkmann (Fersenprellung). Es erklärt das Dilemma und stellt den Verbliebenen ein Zeugnis aus, das nicht zur Versetzung taugt. Die 34-jährige Mutter ist nicht der Kopf der Mannschaft. Aber sie hebt den Arm und fordert den Ball auch in heiklen Situationen. Kurzum: Brinkmann versteckt sich nicht. Nie. Genau das ist Verantwortung. Bergmann sagt, dass dies nicht jedem gegeben sei. Gleichwohl fordert er von seinen Spielerinnen mehr Initiative: „Alle müssen jetzt einen Schritt nach vorn machen. Wir brauchen eine aktive Herangehensweise.“

Und dazu Veränderungen. Münsters Spiel ist zu einfach lesbar, es fehlen die Überraschungsmomente. Es gibt diesen Unterschied zwischen Trainings- und Wettkampfleistungen, den Bergmanns Vorgängerin Lisa Thomsen als erheblich beschrieb. Der 50-Jährige sieht den Kontrast ebenfalls und sich selbst dadurch allmählich in Erklärungsnot. „Wenn sich nichts ändert, gehen mir die Argumente aus. Wir benötigen eine andere Außendarstellung, ansonsten werden wir unglaubwürdig.“

Lambert als Sinnbild

Im Training hui, im Wettkampf ... nicht so gut. Es ist wohl auch ein psychisches Problem. Wenn der USC unter Druck gerät, knickt er zu oft und zu schnell ein. Adeja Lambert steht dafür beispielhaft. In Kenntnis ihrer Annahme-Defizite schlägt die Konkurrenz vorzugsweise auf die US-Amerikanerin auf. Vilsbiburg hatte damit doppelten Erfolg, weil Lambert auch im Angriff die Kontrolle über ihr Spiel verlor. Bergmann hätte sie gewiss gern erlöst, doch angesichts des Ausfalls von Brinkmann fehlte ihm die Alternative.

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