Serie: Sport in der Corona-Falle
Westfalia-Vorsitzender Magnus Hömberg: „Wir können nur reagieren“

Münster -

Nein, Abmeldungen gibt es aktuell in der Coronakrise bei Westfalia Kinderhaus keine. Die Mitglieder lassen den Verein nicht fallen. Aber es gibt natürlich keine Anmeldungen. Magnus Hömberg, Vorsitzender des Vielspartenclubs, über Sorgen, Nöte und Alternativen.

Dienstag, 19.01.2021, 15:52 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 17:04 Uhr
Vollkontaktsport Handball in einer dicht besetzten Kinderhauser Halle? Im Moment undenkbar.
Vollkontaktsport Handball in einer dicht besetzten Kinderhauser Halle? Im Moment undenkbar. Foto: Jörg Riemenschneider

Der Wert, den ein Sportverein für seinen Stadtteil ausmacht, muss nicht weiter umschrieben werden. Er schafft Bewegung, Inte­gration, soziales Miteinander, kulturelles Zusammensein, Gesundheitsförderung. Für Westfalia Kinderhaus gilt das in der Umgebung in Münsters Norden in besonderem Maße. Magnus Hömberg , Vorsitzender des Vielspartenclubs, beschreibt, wie versucht wird, die schwere Zeit zu bewältigen.

Fangen wir mal positiv an. Was bereitet Ihnen in der Zeit des Dauerstillstands Zuversicht?

Hömberg: Neben dem Impfstoff sind vor allem unsere Mitglieder, die uns nicht fallenlassen, ein Hoffnungsschimmer. Und nach wie vor wünschen wir uns, dass sich die Lage nach Ostern langsam stabilisiert.

Gab es bei Ihnen also keine Flut an Abmeldungen?

Hömberg: Nein, die Mitglieder sind wirklich hyperloyal. Die typische Fluktuation tritt schon auf, aber da verabschieden sich nicht mehr als sonst. Ich muss nur zugeben, dass wir natürlich im Augenblick keine Anmeldungen bekommen.

Was macht Ihnen aktuell die größten Sorgen?

Hömberg: Die Jüngsten. Für sie ist es am schwersten. Über 60 Prozent unserer Mitglieder sind Jugendliche und Kinder. Da bricht etwas weg. In Kinderhaus besitzen viele Familien auch keinen großen Garten. Zudem haben wir schon die Befürchtung, dass sich mancher auf Dauer etwas anderes sucht.

Sehen Sie eine Krise für die Sportvereine?

Hömberg: Ja. Wir können den Mitgliedern nicht das bieten, wofür sie Mitglied sind. Teilweise noch nicht mal draußen Individualsport. Wir alle sind bei Westfalia, weil wir selbst aktiv sein wollen, nicht nur vor dem TV sitzen möchten.

Westfalia kann auch der gesellschaftlichen Funktion vor Ort derzeit kaum gerecht werden.

Hömberg: Wir sagen ja selbst von uns, dass wir ein wichtiger Faktor für unseren Stadtteil sind durch unsere Arbeit auf dem Sportplatz. Dieses Konzept geht auf. Wir sind eine Großfamilie. Aber die Treffen in der Halle, an der „Hütte“, bei Spielen der Fußballer – im Augenblick fällt alles weg.

Fürchten Sie, dass Sie Jugendliche verlieren?

Hömberg: Das muss man sehen. Ich will es nicht höher hängen, aber natürlich kann es sein, dass Jugendliche, die keinen Sport treiben können, dann auf andere Ideen kommen.

Können Sie in Ihrem Verein irgendwelche Alternativen bieten?

Hömberg: Die Abteilungen machen, was geht. Die Trainer versuchen, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Cybertraining, Video-Calls, spezielle Aktionen – da ist viel dabei. Einige Jugendtrainer haben Challenges entwickelt. Ob es Klopapier-Hochhalten im Frühjahr war oder digitale Einheiten, wie sie die Handballer machen. Die erste Frauen-Mannschaft hatte einen Online-Adventskalender, viele Teams machen bei der Aktion „Münster um die Welt“ mit. Unsere Gymnastik-Gruppe bietet zudem ein zweistündiges Youtube-Training an, auch Yoga und Pilates gab es auf diesem Weg schon.

Handball, Tischtennis, Basketball, – gerade Ihre Hallensportler trifft es hart.

Hömberg: Ja, sie leiden am meisten. Im Prinzip trainieren viele seit dem Frühjahr 2020 nicht mehr, weil unsere Schulhallen lange geschlossen waren. Einige Teams sind ausgewichen, aber insgesamt ist die Lage da dramatisch. Auch wenn man darauf schaut, dass es zurzeit keinen Einstieg in eine Sportart für Kids gibt. Unsere Fußballer, die selbst 35 Mannschaften haben, haben zeitweise solidarisch die Kunstrasenplätze an Basketballer oder Handballer abgegeben. Aber das hilft momentan ja auch nicht. Wir als Verein können nur reagieren auf die Politik.

Gab es für Sie wirtschaftliche Unterstützung, etwa vom Landessportbund?

Hömberg: Das hielt sich in Grenzen und war eher fürdie vorgesehen, die kurz vor dem Konkurs stehen. Vielleicht lässt sich über die Novemberhilfen noch etwas gewinnen, denn unsere Verluste sind schon erheblich. Im ersten Lockdown lagen sie bei rund 30 000 Euro. Wir haben auch noch in Desinfektionsmittel und Ähnliches investiert, mussten unsere Anlagen verbarrikadieren, damit da niemand allein Sport treibt. Zum Glück besitzen wir gute Rücklagen.

Und wenn dann doch irgendwann mal wieder grünes Licht kommt – was passiert dann bei Westfalia?

Hömberg: Nach dem ersten Lockdown waren zumindest die Fußballplätze so voll wie nie. Alle freuen sich darauf. Aber auch dann werden wir verantwortungsvoll bleiben müssen.

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