Rudern: Bundesliga
Münster-Achter hat Titel auf dem Schirm

Münster -

Sie hoffen sehr, dass ihr Start auch wirklich zustande kommt. Denn gerade für 2021 haben sich die Mitglieder des Münster-Achters eine Menge vorgenommen. Den Titel in der Ruder-Bundesliga holen? Warum denn nicht? Die Voraussetzungen stimmen.

Mittwoch, 27.01.2021, 20:22 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 17:08 Uhr
Zwischen Idylle und Hochleistungssport: Ruder-Bundesliga am Aasee. Die Recken des Münster-Achters stellten sich und ihre ambitionierten Ziele jetzt per Videokonferenz (kl. Bild) vor.
Zwischen Idylle und Hochleistungssport: Ruder-Bundesliga am Aasee. Die Recken des Münster-Achters stellten sich und ihre ambitionierten Ziele jetzt per Videokonferenz (kl. Bild) vor. Foto: Peter Leßmann

Christoph Koebe muss sich erst kurz einen Überblick verschaffen. So eine Videokonferenz ist grundsätzlich eine feine ­Sache, die Sitzordnung der Teilnehmer allerdings ein stilles Geheimnis des Betriebssystems – und so verteilen sich die Recken des Münster-Achters am Montagabend locker und scheinbar wahllos über dem Bildschirm. Das ist der Pressesprecher des RV Münster so nicht gewohnt, im Boot hat alles und vor allem jeder ­seinen festen Platz. In seiner Funktion als Schlagmann des schnellen RVM-Bootes weiß Koebe seine Mitstreiter eher präzise sortiert nach persönlicher Ausrichtung und Aufgabe hinter sich aufgereiht als im lockeren Kreis um sich versammelt. Doch besondere Zeiten erfordern nun mal besondere Maßnahmen. Aus dem Ortstermin am Kanal wird dieser Tage folglich eine virtuelle Vorstellungsrunde. Und weil man sich ohnehin gut und seit Jahren kennt, kommt auch schnell wieder Ordnung ins Chaos.

Deutliches Signal

Der RV Münster hat einen schnellen Achter für die ­bevorstehende Saison der Ruder-Bundesliga gemeldet und setzt damit ein deut­liches Signal gegen den lähmenden Stillstand. Die Aktiven stehen Riemen bei Fuß, den pandemischen Dornröschenschlaf zu beenden und mit Vollgas wieder durchzustarten. Das olympische Motto ist den Jungs vom Dortmund-Ems-Kanal dabei ziemlich schnuppe. Dabeisein ist eine feine Sache, aber wahrlich nicht alles. „Wir wollen dann auch um den Titel mitrudern“, sagt Koebe und erntet entschlossenes Nicken von der Mattscheibe. Der letzte Auftritt des Sprintachters liegt nun zwar schon anderthalb Jahre zurück, ist aber unvergessen und funktioniert immer noch einwandfrei als Motivationsspritze. Im September 2019 siegte die Münster-Crew in einem fulminanten Saison­finale unter Flutlicht auf dem heimischen Aasee – in der Meisterschaftsserie belegte sie Rang zwei. Da wäre also noch etwas Luft nach oben, die soll jetzt raus. 2020 musste die Serie ersatzlos gestrichen werden, aktuell ist unter allen Vorbehalten eine neue geplant. Von Juni bis September sind fünf Renn­tage terminiert, Höhepunkt und Finale in Münster.

Start am 12. Juni

Wenn alles läuft, wie erhofft und aktuell geplant, dann startet die Ruder-Bundesliga am 12. Juni in Werder an der Havel. Renntag Nummer zwei wird am 17. Juli in der Hafen-Arena in Belin-Tegel ausgetragen. Die Unterschriften fehlen noch beim avisierten Gastgeber der dritten Station am 31. Juli, ehe auf dem Wasserstraßenkreuz in Minden (21. August) und schließlich am 12. September auf dem Aasee in Münster die entscheidenden Punkte vergeben werden. Die Meldefrist für die Achter endet Ende Februar.

...

RVM-Chefcoach Thorsten Kortmann und die Trainerkollegen begleiten den Achter auf seinem Weg zum Titel mit viel Wohlwollen und etwas Abstand. „Wir haben so viele Gruppen zu betreuen, da können wir das Boot sich selber überlassen, da sitzt sehr viel Erfahrung und Klasse drin“, sagt Kortmann. Bis auf Debütant Henri Schwinde, dessen geplantes RBL-Debüt im vergangenen Jahr nur aufgeschoben und nicht aufgehoben wurde, sind alle anderen zwölf Starter bereits im Sprint-Achter unterwegs gewesen. Mit Johannes Mersmann (36), Martin Schröder (36), Koebe (32), Florian Marchand (32), Fabian Kossow (31) und Jan Sauer (31) ist gleich ein ­halbes Dutzend ausgewiesener Bundesliga-Veteranen an Bord. Aber auch die Youngster Benedikt Anthony (21) und Jonathan Reitenbach (22) aus Osnabrück landeten bereits mit dem Münster-Achter am Siegersteg. Das Durchschnittsalter drücken zudem Lukas Friederichs (22) und der gleichaltrige Skull-Spezialist mit Riemen-Skills, Henri Schwinde. Mittleres Alter bei höchster Ruder-Qualität liefern Mika Kohout (23), Paul Diletti (24) und Max Wagner (25), die wie viele der Kollegen lange als Kaderathleten auf der Langstrecke unterwegs waren. Das Kommando allerdings hat der Jüngste im Bunde: Steuermann Leo Brüggemann (17 Jahre) kennt den Weg und sagt, wo es langgeht. „Wir sind froh, dass wir ihn haben. Das macht er Klasse“, hat Routinier Jan Sauer keine Probleme, sich von dem Youngster etwas sagen zu lassen. „Zumindest im Boot.“

Zwei Monate Vorbereitung

Ob die Ruder-Bundesliga tatsächlich wie geplant am 12. Juni gestartet werden kann, liegt nicht in den kräftigen Händen der RVM-Ruderer. Alles andere schon. „Zwei Monate Vorbereitung“, kalkuliert Wagner als ausreichenden Vorlauf ein. Dazu müssten sich Münster, Deutschland und im besten Falle die Welt im April ein wenig aus den Fängen der Pandemie befreit haben. Die Ruderer des Münster-Achters sind allemal bereit, ­wieder ins Boot zu steigen – und damit vom Bildschirm zu verschwinden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7786940?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F
Nachrichten-Ticker