Boxzentrum Münster: Prominenter Zugang
Christina Hammer: Feinschliff für eine Weltmeisterin

Münster -

(Mit Video) Die 31 Jahre alte mehrfache Box-Weltmeisterin Christina Hammer hat sich reamateurisieren lassen und will nach dem Abschied von den Profis die Qualifikation für die Sommerspiele in Tokio schaffen. Die Dortmunderin arbeitet dabei mit Trainer Dima Pirushkin im Boxzentrum Münster zukünftig zusammen.

Montag, 01.02.2021, 12:50 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 16:46 Uhr
Pratzenarbeit mit Trainer Dima Pirushkin: Christina Hammer will über Münster nach Tokio. Nur einmal verlor sie gegen die Doppel-Olympiasiegerin Claresse Shields 2019 einen Kampf.
Pratzenarbeit mit Trainer Dima Pirushkin: Christina Hammer will über Münster nach Tokio. Nur einmal verlor sie gegen die Doppel-Olympiasiegerin Claresse Shields 2019 einen Kampf.

Im Fußball endete am Sonntag die Wechselfrist, doch den Transfer-Hammer des Winters landete das Boxzentrum Münster. Da kommt kein Leichtgewicht in die Region, da kommt kein neuer Spielmacher, kein neuer Joker, sondern eine richtige Weltmeisterin. Ab sofort will sich Christina Hammer mit ihrem Trainer Dima Pirushkin , der bereits seit geraumer Zeit Coach im Trainingscamp ist, genau hier in Schwung bringen. Das Ziel ist klar, nachdem sich gerade die 31-Jährige nach elf Jahren als Berufskämpferin hat reamateurisieren lassen: Die Olympischen Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) – falls diese stattfinden.

Berufskämpferin mit 19 Jahren

Bereits mit 19 Jahren war die Dortmunderin 2009 Profi geworden, nach ihrem letzten erfolgreichen Kampf gegen die Finnin Sanna Turunen im Dezember reifte der Entschluss, umzusatteln. „Die meisten wechseln von den Amateuren zu den Profis. Ich mache es andersrum“, erklärte sie am Samstag nach der Trainingseinheit mit weiteren Kaderathleten aus Dortmund unter der Regie von Trainer Pirushkin. Und: „Umso glücklicher bin ich, jetzt hier zu sein.“

Hier, das ist Münster. Die Reamateurisierung ist vollzogen, als Sportsoldatin wird sie der Sportförderkompanie in Warendorf zugeordnet. Das Studium der Sportwissenschaft hat sie an der Fernuni Hagen erfolgreich abgeschlossen. Das Standbein steht, auch die Jobs als Modell oder als „Promi-Boxerin“ zum Beispiel bei Pro 7 nimmt ihr keiner.

Tokio ist das Ziel

Der Weg bis Tokio ist aber weit. Weiterhin wird sie in Dortmund wohnen, drei bis fünf Mal in der Woche stehen die Übungseinheiten in Münster an. Dazu kommen die Trainingslehrgänge und Wettkämpfe im Nationalkader. Natürlich wird Christina Hammer gleich im Spitzensegment der deutschen Box-Frauen angesiedelt. Aber auch für sie, die 2019 zuletzt Weltmeisterin der Verbände WBO und WBC im Mittelgewicht war, dann aber gegen die zweifache Olympiasiegerin Claressa Shields in Atlantic City in einem Vereinigungskampf von fünf Verbänden verlor, gilt der harte Weg der Qualifikation.

Zunächst muss sie sich national vor allem gegen Sarah Scheurich durchsetzen, die immerhin EM-Dritte von 2018 ist. Am Montag beginnt bereits der nächste Lehrgang des deutschen Boxverbandes, Mitte Februar steht ein erster Leistungstest bei einem Round-Robin-Turnier an, im direkten Anschluss der Cologne-Cup. Für die deutschen Spitzenboxer gibt es dann bei der Europa- oder Welt-Qualifikation die Chance, sich für Tokio zu qualifizieren.

Schwieriger Wechsel

Wenn Hammer es schafft, den Wechsel vom langatmigen Profiboxen mit Zehn-Runden-Kämpfen zur hochfrequentierten Amateurszene – hier müssen bis zu drei Drei-Runden-Kämpfe an einem verlängerten Wochenende bestritten werden – zu vollziehen, dann dürfte Tokio kein Traum sein. Coach Pirushkin sieht gute Chancen. „Christina hat einfach Super-Grundlagen.“ Die Voraussetzungen für die Trainingsblöcke sind in Münster zudem bestens. Hammer hätte wohl auch in Köln oder Hamburg andocken können. Die 31-Jährige selbst würde den Wechsel von den Profis zu den Olympiaboxern nicht machen, wenn sie nicht ganz groß dabei rauskommen wollte: Sie gewann 26 ihrer 27 Profi-Kämpfe, mit 1,80 Meter Körpergröße hat sie keine großen Probleme, das Gewicht von 75 Kilogramm einzuhalten. Zudem wandert Claressa Shields, die erst nach ihrem zweiten Olympiasieg 2016 Berufskämpferin wurde, wohl in die UFC ab. Die ungeschlagene Weltmeisterin will bei den „Mixed Martial Arts“ abkassieren.

Thelen zufrieden mit Entwicklung

„Das ist es, was wir uns immer hier gewünscht haben, dass Spitzenathleten bei uns trainieren“, sagt Boxzentrums-Vorsitzender Ulrich Thelen. Shiba Esmailpour und gerade Darlene Jörling sorgten für erste Erfolge von Münsteraner Boxerinnen, nun wird von Cheftrainer Farid Vatanparast gerade die 16-jährige Carlotta Schünemann (bis 69 Kilogramm) aufgebaut. Der erste Frauen-Boxabend dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

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