Volleyball: 60 Jahre USC Münster
Axel Büring: „Diese Chance war ein Geschenk“

Münster -

Professioneller Volleyball-Trainer beim USC Münster wurde Axel Büring völlig unvorbereitet und ebenso überraschend. Er blieb es dann mit einer kurzen Unterbrechung beinahe 21 Jahre. Zehn Titel gewann er mit seinen Mannschaften in dieser Zeit. Eine imposante Karriere, die „fast als Schock“ begann.

Dienstag, 23.02.2021, 18:52 Uhr aktualisiert: 24.02.2021, 17:46 Uhr
In charmanter Begleitung: Axel Büring mit türkischer Bauchtänzerin auf der Gala nach dem Sensationserfolg 1996 in Ankara.
In charmanter Begleitung: Axel Büring mit türkischer Bauchtänzerin auf der Gala nach dem Sensationserfolg 1996 in Ankara. Foto: Jürgen Peperhowe

Und dann stand er da an jenem Septembertag und wusste kaum, wie ihm geschah. Als Axel Büring 1994 offiziell als neuer Trainer der Bundesliga-Volleyballerinnen des USC Münster vorgestellt wurde, trug er Clogs und Trainingsanzug und verhielt sich auffällig still. Das Reden nahmen ihm andere ab: „Chef“ Reinhard Horstmann und Sportleiter Jürgen Schulz. Büring, damals 27-jährig und im Jahr zuvor erst zum Coach der Zweitliga-Männer aufgestiegen, wirkte fast ein wenig fehl am Platz. Und manch einer fragte sich, wie und warum der USC in der direkten Erbfolge großer Namen (Olaf Kortmann, Harry Brokking, Sue Wood­stra) nun plötzlich eine interne und vermeintlich kleine Lösung favorisierte. Tatsächlich brach sich im Umfeld Skepsis Bahn. Doch der Neue erwies sich als Volltreffer und prägte eine lange und imposante Ära der Unabhängigen.

Büring empfand es „fast als Schock“, als er vor über 26 Jahren in die Büroräume von Horstmann bestellt wurde und ihn der damals mächtigste Mann im Verein nach der Auflösung des Vertrages mit Woodstra in die Zukunftspläne einweihte. „Dass ich übernehmen sollte, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Ich war total geplättet“, erinnert sich Büring. Der Student (Sport und Pädagogik) hielt es nicht einmal für nötig, über die Dotierung zu sprechen. „Ganz ehrlich: Diese Chance war ein Geschenk. Ich hätte sogar bezahlt dafür.“

Büring legte los für „das Doppelte“, was ihm zuvor als Männer-Coach überwiesen worden war. Das war gemessen am Salär manches Kollegen nicht viel, aber dem Novizen im Profi-Geschäft genügte dies. Sein Auftrag allerdings war nicht geringer als der seiner sehr gut entlohnten Vorgänger. Er sollte erste Plätze einsammeln, wo immer dies ging.

Im ersten Jahr lag die Messlatte noch zu hoch. Frühes Aus im DVV-Pokal, zweite Plätze in der Meisterschaft sowie im Europapokal. Im Endspiel gegen Modena unterlief Büring im Tiebreak ein Aufstellungsfehler. Punktabzüge als Konsequenz kosteten Münster den möglichen Triumph. „Eine Katastrophe. Diese Momente habe ich bis heute nicht vergessen“, sagt er in der Retrospektive.

Das folgenschwere Missgeschick war höchst ärgerlich, die Clubspitze ließ den Coach jedoch nicht fallen. Büring rechtfertigte das Vertrauen bereits im Jahr darauf mit dem totalen Erfolg in allen Wettbewerben. In Ankara gewann der USC vor 5000 frenetischen Zuschauern sensationell gegen Gastgeber Emlakbank den CEV-Pokal. Ein grandioser Coup der S-Klasse (Ulrike Schmidt, Gudula Staub, Christina Schultz, Eva Stepancikova, Anne-Kathrin Schade). Ganz gewiss eines der größten Werke Bürings. Der redete – wie so oft früher und später – den eigenen Anteil klein: „Diese Mannschaft war fantastisch und zu diesem Zeitpunkt eine der besten der Welt.“

Büring hatte ein Händchen für den Umgang mit den großen Stars und die Förderung exponierter Talente. Mit hoffnungsvollen Nachwuchsspielerinnen wie Angelina Grün, Judith Flemig, Judith Sylvester und Anja Krause tanzte er 2000 auf der „neuen deutschen Welle“ zum Pokalsieg. 2004 und 2005 gewann er mit überwiegend gestandenen Spielerinnen jeweils das Double. Noch eine überragende Zeit und für den Trainer so etwas wie ein Comeback. 2001 hatte sich der USC von ihm getrennt, ein Fehler: Schon im Jahr darauf holte ihn Sportchef Schulz zurück.

2005 errang Büring seinen letzten Titel von zehn Titeln mit dem USC. Finanzielle Zwänge zwangen den Club hernach zu einem Sparkurs. Für große Preise reichte es nicht mehr. Münster tauschte viel Personal, nur einer blieb: Axel Büring. Unverdrossen stellte er sich den gewachsenen Herausforderungen, machte weiter, immer weiter – die Erfolge blieben mäßig. 2015 trennte sich der USC von seiner Trainer-Legende. „Das tat weh, ich wäre gern geblieben“, sagt der 53-Jährige heute. Mit seiner Familie ist er inzwischen nach Emlichheim umgesiedelt. In Schüttorf trainiert Axel Büring den Männer-Zweitligisten. Sein Herz gehört jedoch weiter jenem Club, der ihn und den er groß gemacht hat. „Ich bin immer noch Mitglied und werde das auch bleiben“, sagt er.

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