Fußball: Der 30-Jährige beschäftigt sich mit Fouls und deren (strafrechtlichen) Folgen
Florian Exner ist Rechtsanwalt, Schiedsrichter und aktuell auch Forscher

Münster -

Ruhetage kennt Florian Exner vermutlich nicht. Werktags arbeitet er als Rechtsanwalt, an den Wochenenden ist er als Fußball-Schiedsrichter bis hinauf in der 3. Liga im Einsatz. Und dann schreibt der 30-Jährige auch noch an seiner Doktorarbeit. Zu einem sehr spannenden Thema.

Mittwoch, 03.03.2021, 18:13 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 20:58 Uhr
Florian Exner in Aktion: Bei der Bewertung von Zweikämpfen, im Verletzungsfall, als „Kartengeber“ und als Rechtsanwalt in Münster sowie als Doktorand.
Florian Exner in Aktion: Bei der Bewertung von Zweikämpfen, im Verletzungsfall, als „Kartengeber“ und als Rechtsanwalt in Münster sowie als Doktorand.

Am Samstag steht das Testspiel zwischen Zweitligist SC Paderborn und dem VfL Wolfsburg II an, einen Tag später der Einsatz als vierter Offizieller in einer Zweitliga-Partie. Mittwoch dann wieder im Anzug in der Kanzlei, bevor es am ­Wochenende an den heimischen Schreibtisch geht. Florian Exner pfeift als Schiedsrichter unter anderem in der 3. Liga und ist hauptberuflich Rechtsanwalt. Jetzt will er auch noch seinen Doktor machen und schreibt dafür eine Dissertation unter dem Titel „Foulspiele auf dem Fußballfeld – ein strafrechtsfreier Raum?“

Auf den Plätzen gibt es diese Szene ständig: Beim Abwehrversuch verletzt ein Spieler den Stürmer der gegnerischen Mannschaft. Eine mehrwöchige Rotsperre ist dann jedoch, was eine Strafe angeht, schon das höchste der Gefühle. Mehr sieht das DFB-Regelwerk nicht vor. Doch ein Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum. Das entschied im vergangenen Jahr – als erstes deutsches Gericht – das Landgericht Hannover, nachdem ein 25-Jähriger durch eine Grätsche das Waden- und Schienbein seines Gegenspielers brach.

Aus einer Zivil- wurde also eine Strafsache: Das Opfer zeigte den 25-Jährigen wegen Körperverletzung an. „Das gibt es in anderen Ländern ständig, in Deutschland – bis auf die Ausnahme in Hannover – aber nahezu nicht“, erklärt Exner. Warum, darüber soll seine Forschung Aufschluss geben. Exner selbst pfeift nach eigenen Angaben zwischen 20 und 40 Fouls pro Spiel. „Als Jurist habe ich mir bei dem einen oder anderen Foul schon gedacht, da könnte mehr draus werden“, sagt er. Schwerere Fälle von sportlicher Härte landen zwar vor dem DFB-Gericht. Strafanzeige wegen Körperverletzung stelle jedoch kaum jemand.

Aber willigen Spieler mit Betreten des Platzes nicht automatisch ein, mögliche Verletzungen in Kauf zu nehmen? Diese und weitere Fragen stellt der 30-Jährige seinen Probanden in jeweils einem Fragebogen für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie für Spieler – allerdings nur der Männerligen. Ein Fragebogen für die Frauenligen solle eventuell noch kommen, sagt der angehende Doktor. Dass diese in der eigentlichen Umfrage nicht inbegriffen sind, habe rein organisatorische Gründe. „Ich weiß, dass Frauen genauso foulen können wie Männer“, ist er sich sicher.

Exner selbst ist der Meinung, dass Fouls, vor allem taktische, zum Fußball dazu gehören. Angriffe wie zum Beispiel Kopfstöße, die vorsätzlich verletzen sollen, hätten jedoch nichts mehr mit Fußball und dem Sport zu tun.

Ein konkretes Ziel im Sinne eines Wunschergebnisses verfolge Exner mit seiner Arbeit nicht. Vielmehr sei dem schiedsenden Rechtsanwalt wichtig, unvoreingenommen an die Thematik heranzugehen, die aktuelle Rechtsprechungspraxis darzustellen und Situationen auf dem Fußballfeld einer sauberen materiell-rechtlichen Prüfung zu unterziehen. Auf Basis der gefundenen Ergebnisse könne er dann erörtern, inwieweit sich daraus Konsequenzen für die fußballerische Praxis ergeben.

Die Resonanz sei bisher mehr als gut, bilanziert Exner. Etwa 2000 Schiedsrichter- und um die 1500 Spieler-Bögen sind digital bei ihm eingegangen, die meisten aus dem westfälischen Amateurbereich. Interessierte können weiterhin an der etwa zehnminütigen Umfrage teilnehmen. Im Sommer, so der Plan des Juristen, soll die Arbeit fertig sein. Die Ergebnisse will er dann zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

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