Boxen: Olympische Spiele
Für Hammer läuft es im Rennen um das Tokio-Ticket gut

Münster -

Christina Hammer ist erst in diesem Jahr ins Boxzentrum Münster gewechselt. Sie hat nach wie vor ein großes Ziel: die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Japan. Mit Sarah Scheurich kämpft sie um das deutsche Ticket in ihrer Klasse – und hat gute Chancen.

Sonntag, 18.04.2021, 15:14 Uhr aktualisiert: 18.04.2021, 20:02 Uhr
Zwei Boxerinnen, nur ein Platz wird vergeben: Chrisitina Hammer müsste eigentlich noch die deutsche Qualifikation in einem direkten Aufeinandertreffen mit Sarah Scheurich auskämpfen.
Zwei Boxerinnen, nur ein Platz wird vergeben: Chrisitina Hammer müsste eigentlich noch die deutsche Qualifikation in einem direkten Aufeinandertreffen mit Sarah Scheurich auskämpfen. Foto: Jürgen Peperhowe

Anfang Februar wurde Christina Hammer vorstellig im Boxzentrum Münster. Die 30 Jahre alte Ex-Weltmeisterin im Mittelgewicht (bis 75 Kilogramm), die 26 von 27 Profikämpfen gewonnen hatte, erklärte die Trainingsanlage am Schifffahrter Damm zur neuen Heimstätte. Wobei von vornherein klar war, dass Hammer als Anwärterin auf einen Olympiaplatz für die Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis zum 8. August) viel unterwegs sein würde. Sie ist zwar reamateurisiert worden, genießt aber als Mitglied der Sportförderkompanie viele Freiheiten. Und der Deutsche Boxverband schickte sie gleich zu diversen Trainingsmaßnahmen. Aktuell weilt Hammer noch in Irland, ehe sie am 24. April nach Deutschland zurückkehrt – und nach einer Woche Trainingspause im Boxzentrum Münster zu weiteren Übungseinheiten erwartet wird.

Hammer kann durchaus zufrieden sein, weil sie seit Jahresbeginn drei von vier Amateurkämpfen gewann, nur gegen die niederländische Goldfavoritin Nouchka Fontijn verlor sie. In Irland gewann sie zwei Kämpfe. Aber vor allem hat sie einen Sieg während einer Trainingsmaßnahme gegen ihre deutsche Mitbewerberin Sarah Scheurich (BC Traktor Schwerin) in der Tasche. Nur das zweite, das entscheidende direkte Duell zwischen den beiden deutschen Boxerinnen der Extraklasse fehlt noch – und damit auch der Beschluss über das Ticket zum Qualifikationsturnier. Nur eine von beiden wird dort starten können, Austragungsort und Datum stehen noch nicht fest, der geplante Wettkampf in London wurde aufgrund der Pandemie gestrichen.

Quarantäne für Scheurich

Während für Hammer in Irland alles nach Plan lief, ist es für Scheurich genau das Gegenteil. Sie verbrachte einen großen Teil der Zeit auf der Insel in Quarantäne. Erst am Samstag endet die Zeit in der Isolation.

Scheurich könnte auch zum Opfer der Ränkespiele im Verband werden. Vieles deutet darauf hin, dass Cheftrainer Eddie Bolger, der vor den Olympischen Spielen in Brasilien 2016 die irische Riege auf Weltniveau hob, Hammer im Zuge eines Ausfalls des deutschen Entscheidungskampfes für das Quali-Turnier zur Nominierung vorschlagen würde. Die Kontrahentin hat natürlich die Hypothek der Niederlage gegen Hammer aus dem Februar zu schultern. Aber Scheurich, die als Vize-Europameisterin (2014) und EM-Dritte (2018) ihre internationale Klasse längst unter Beweis gestellt hat, hat sich zuletzt kritisch über den Verband geäußert. Dass ein Trainingslager in Österreich praktisch komplett ausfiel, weil sich nahezu jedes Kadermitglied mit Corona angesteckt hatte, bemängelte sie offen.

Und vielleicht kam auch das nicht gut an. „Moralisch finde ich das sehr schwierig und befinde mich da in einem großen Konflikt. Als Sportlerin bin ich schließlich ein Vorbild“, sagte sie kürzlich in einem Gespräch mit „sportfrauen-net“ auf die Frage, ob sie im Falle der Qualifikation überhaupt nach Tokio fahren solle, während in vielen anderen Teilen der Welt der Lockdown das Leben lahmlegt.

Stationärer Aufenthalt

Zudem machte die Faustkämpferin nicht nur kein Geheimnis aus ihrer Corona-Erkrankung im Vorjahr, sonder erklärte auch, an Depressionen zu leiden, ein stationärer Aufenthalt 2020 war vonnöten. „Als ich in der Klinik war, war mein Zustand wirklich kritisch. Ich bin froh, dort Hilfe bekommen zu haben, und habe viel über mich gelernt.“ Das waren mutige Aussagen.

Umso erstaunlicher ist, wie vehement Scheurich, die 2016 nur knapp als Dritte des Qualifikationsturniers die Olympia-Teilnahme verpasste, weiterhin um ihre Chance kämpft. Hammer scheint aktuell im Vorteil zu sein, aber niemand sollte die 28 Jahre alte Scheurich außer Acht lassen, wenn es zum Entscheidungskampf kommt. Angeschlagene Boxerinnen sind eben – wie angeschlagene Boxer – besonders gefährlich.

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