Moritz Ludorf kickt für den FC Münster 05 und pfeift am Sonntag
Das „doppelte Lordchen“

Münster -

Doppelter Einsatz: Moritz Ludorf kickte auf der Platte für den FC Münster 05 – sogar in der Zwischenrunde. Zusätzlich war er am Sonntag als Unparteiischer im Einsatz. Und abends ging es dann wieder in den Familienbetrieb. Job ist Job.

Sonntag, 29.12.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 29.12.2019, 20:34 Uhr
Moritz Ludorf (FC Münster 05) Foto: Peter Leßmann
Moritz Ludorf (FC Münster 05) Foto: Peter Leßmann Foto: Peter Leßmann

Er zapft und spült Gläser, macht den Abwasch – wenn nötig. Moritz Ludorf packt mit an. Nur um die Küche macht er einen großen Bogen. „Ich bin Kaufmann“, sagt er. Die Zubereitung der Spezialität des Hauses, das westfälische Krüstchen, überlässt er den Experten. Mit Buchhaltung, Personalplanung und Einkauf hat der Geschäftsführer des „Kleinen Kiepenkerl“ genug an den Backen. Da bieten die Stadtmeisterschaften in diesen Tagen eine willkommene Abwechslung im siebentägigen Berufsalltag. Der 28-Jährige ist der einzige waschechte Münsteraner in der Studenten-Truppe des A-Ligisten FC Münster 05 , den es erstmals in die Zwischenrunde spülte. „Dass ich dabei bin zeigt, wie groß die Not ist. Die meistens Jungs sind bei ihren Familien“, gibt der gelernte Hotelkaufmann mit einem Lächeln preis. Mitspieler Felix Knülle reiste am Samstag extra aus Warstein an. Wollte eigentlich schon Ski fahren. Das ist Einsatz. Trotz des Scheiterns durfte Ludorf am Sonntag wieder in die Halle. Mit Pfeife. Als Schiedsrichter des heimischen Fußballkreises wurde er für den zweiten Zwischenrundentag angesetzt. Quasi als „doppeltes Lordchen“ der „Stadtis“ – angelehnt an „Die Zwei“, der Kultserie aus den 70er Jahren mit Tony Curtis als Danny Wilde und Sir Roger Moore als Lord Brett Sinclair.

Ludorf ist gerade fünf, da schließt er sich dem SC Münster 08 an. Ein klassischer Linksfuß. Der den rechten nur sporadisch benutzt. In der Jugend durchläuft er sämtliche Teams, ehe im Zuge der Berufswahl die Freizeit etwas dünne wird. Und nun?

Der junge Mann sucht einen flexibleren Ausgleich – und findet ihn. Er macht seinen Schiedsrichterschein, taucht ab auf die andere Seite. Schafft es bis in die Landesliga, als Assistent gar in die Oberliga. Nebenbei reißt er täglich seine Stunden im seit 65 Jahren geführten Familienbetrieb ab – übernimmt ihn 2015 von seinen Großeltern. Und verlobt sich. Das Leben des Moritz L. hat so einiges zu bieten.

Roland Böckmann ist es, der Ludorf im Winter 2018 zu Nullfünf lotst. Beide kennen sich seit einigen Jahren – Schwarzkittel unter sich. Der Trainer hat seinen Vertrag gerade per Handschlag für ein Jahr verlängert. „Das ist bei uns so üblich“, sagt er. Ludorf steht also wieder vermehrt auch auf dem Feld – meist für die zweite Mannschaft. „Ich kann unter der Woche nicht trainieren“, sagt er ehrlich. Da bleibt denn doch vieles schlicht auf der Strecke.

Neben dem Traditionsturnier am Berg Fidel winkt schon bald die nächste Ablenkung. Mit den Schiedsrichterkollegen des Kreises geht es im Januar aufs Kreuzfahrtschiff. Kurs Thailand. „In der Karibik waren wir 2018“, ist die Vorfreude groß. Auch ein Kaufmann muss mal raus. Oder an die frische (See-)Luft.

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