eSoccer: Online-Turnier des FLVW
Pionierarbeit in den Bülten

Epe -

Totensonntag ruht traditionell das runde Leder. Der virtuelle Rasen allerdings wird dann brennen und es in den Wohnzimmern dezent nach Schweiß müffeln, die Controller werden glühen. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen schlägt einen neuen, einen digitalen Weg ein.

Samstag, 23.11.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2019, 14:52 Uhr
Vor fünf Jahren schon erkannten sie beim FC Epe, dass hinter diesem Trend mehr stecken könnte, und veranstalteten ein dreitägiges eSports-Turnier in drei Altersklassen. Morgen veranstaltet der FLVW nun das erste Online-Turnier.
Vor fünf Jahren schon erkannten sie beim FC Epe, dass hinter diesem Trend mehr stecken könnte, und veranstalteten ein dreitägiges eSports-Turnier in drei Altersklassen. Morgen veranstaltet der FLVW nun das erste Online-Turnier. Foto: Verein

Der Trend eSports, oder spezieller: eSoccer, hat endgültig und offiziell auch den heimischen Fußballkreis erreicht. Der eSports-Cup des FLVW, das erste Online-Turnier für elektronischen Fußball, feiert Sonntag ab 18 Uhr Premiere. Auch zwei Gronauer Vereine zählen zu den Vorreitern, die beim eSoccer Pionierarbeit leisteten.

Während sie bei SG Gronau in den letzten Jahren mit eigenen Turnieren eher in kleiner Runde unter sich blieben, probierte es der FC Epe in den Bülten gleich eine Nummer größer. Prompt erhielt der Verein auch eine Einladung zum Kaminabend-Talk des FLVW im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, wo für das morgige Turnier auch noch einmal die Werbetrommel gerührt wurde. Doch noch einmal ganz von vorne.

Was ist eigentlich eSports und eSoccer? Frei übersetzt bedeutet dies nichts anderes als eben elektronischer Sport beziehungsweise wie in diesem Fall elektronischer Fußball. Alleine oder als Team treten eSportler in unterschiedlichen Spielen gegen andere Gegner an. Die Spielkonsole, in der Regel die Playstation oder Xbox, ist für sie das, was für den gemeinen Kicker der grüne Rasen ist. Ihre Stollenschuhe sind die Controller, mit denen sie ihre Aktionen steuern.

Schnieders und Kottig erkennen Potenzial

Skeptiker mögen dies Daddeln vorm Fernseher nennen, isoliert vom sozialen Umfeld, zu faul, sich draußen selbst zu bewegen. Man mag es nicht glauben, aber: Die ganz großen eSports-Events finden in riesigen Hallen und vor tausenden Zuschauern statt. Wie ernst es zum Beispiel auch der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit dem Thema elektronischer Fußball ist, zeigt das Hier und Jetzt: Gerade eben erst ist nach einer erfolgreichen Premiere die zweite Saison der Virtual Bundesliga gestartet. Was dort professionell organisiert wird, versucht der FLVW im Amateurbereich nun ebenfalls zu etablieren. Damit rennt der Verband bei manchem Verein vermutlich offene Türen ein.

Sebastian Schnieders heißt einer der Vorreiter in Sachen eSoccer beim FC Epe, der auch am Kaminabend Mitte November teilgenommen hat. „Ich glaube, jeder Fußballverein muss sich über seine Mitglieder Gedanken machen. Insbesondere auch darüber, wie neue, vor allem jüngere Mitglieder den Weg in den Verein finden“, sagt das als Beisitzer tätige Vorstandsmitglied des FC.

„Meinem Mitstreiter Thomas Kottig und mir kam also die Idee, ein eSoccer-Turnier auszurichten“, berichtet Schnieders. Heraus kam letztendlich vor fünf Jahren erstmals sogar eine Veranstaltung, die drei Tage lang dauerte und für drei Altersklassen angeboten wurde. „Es war ein voller Erfolg. Von der Resonanz wurden wir damals tatsächlich überrumpelt. Damit haben wir nicht gerechnet. Und deswegen haben wir diese Turnier mit einer Ausnahme in den letzten Jahren auch wiederholt.“ Der FC Epe ist also am virtuellen Ball geblieben.

„eSoccer steckt noch in den Kinderschuhen“

Trotzdem bezieht Sebastian Schnieders seinen Verein mit ein, wenn er behauptet: „Der eSoccer steckt noch in den Kinderschuhen. Vorstellen kann ich mir in der Theorie eine Menge. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, denkt der 25-Jährige laut über Optionen nach, die bis hin zu einer eigenen eSports-Abteilung reichen. Eben so, wie es mittlerweile im Rahmen der Virtual Bundesliga schon bei rund zwei Drittel aller Vereine der 1. und 2. Bundesliga der Fall ist.

Eine große Frage steht trotzdem noch im Raum: Ist das überhaupt noch Sport? „Im Rahmen des Kaminabends in Dortmund konnte ich mich auch mit dem eFußballer Tim Schwartmann, besser bekannt als Tim Latka, der für Schalke an der Konsole sitzt, unterhalten. Und dabei klang sehr deutlich heraus, wie professionell das Thema ganz oben schon ist. Tägliches, mehrstündiges Training oder das Achten auf ganz alltägliche Dinge wie einen gesunden Lebenswandel und ausreichend Schlaf sind enorm wichtig. Solche Turniere sind mega anstrengend, es braucht nicht nur Reaktionsschnelligkeit, sondern enorme wie konstante Konzentration. Weil sonst jeder kleinste Fehler direkt bestraft wird“, hat Sebastian Schnieders eine klare Meinung: „Ja, das ist Sport.“

Musterbeispiel Schalke 04

Ohnehin sind die Königsblauen ein Musterbeispiel für elektronischen Sport. Gerade eben erst richtete der Fußball-Bundesligist ein viertägiges (e)Sports-Camp aus. Vormittags stand ganz gewöhnlich Sport auf dem Programm, nach dem Mittag ging es für die zwölf- bis 14-jährigen Kinder dann an die Konsole. Begleitet wurde das Camp mit einem altersgerechten Zugang zu Themen wie Gesundheit und Prävention.

„Ich denke grundsätzlich schon, dass sich auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren noch viel entwickeln wird. In welche Richtung auch immer. Schalke macht es sehr gut vor, wie eSports auch in anderen Bereichen der Entwicklung von Kindern mithelfen kann. Generell steht wohl außer Frage, dass solche Turniere im Team ja auch das Vereinsleben bereichern können“, findet Sebastian Schnieders, räumt aber auch gleich ein: „Es gibt eine Menge Hürden. Die Organisation etwa, Räumlichkeiten und Ausstattung. Und selbstverständlich braucht ein eSports-Team ebenfalls Trainer und Betreuer“, so Schnieders. „Ein wichtiger nächster Schritt wäre ein fester Terminkalender.“

In diesem steht Sonntag ab 18 Uhr nun zunächst der erste FLVW-eSports-Cup. Dass es für elektronischen Fußball noch ein weiter Weg ist, auch im heimischen Kreis, zeigt sich schnell. Von den 256 möglichen Teilnehmerplätzen waren Freitag Mittag mehr als die Hälfte noch frei zur Anmeldung. Wer will, kann sich also selbst am Controller versuchen und den virtuellen Rasen brennen lassen.

So läuft elektronischer Fußball

Im eSoccer oder eFootball, also im elektronischen Fußball, treten Einzelspieler oder Doppel an der Konsole an. In der Regel kommt die Playstation 4 (PS4) oder Xbox zum Einsatz. Gespielt wird eSoccer dann entweder mit der FIFA-Reihe vom US-amerikanischen Videospielentwickler Electronic Arts unter der Flagge EA Sports. Oder mit der Konkurrenz aus dem Hause Konami. Pro Evolution Soccer (PES) heißt dort die entsprechende Fußballsimulation. In beiden Fällen werden die Spiele immer realitätsnäher und fühlen sich fast an wie echte Live-Übertragungen im Fernseher. Gespielt wird bei vielen Turnieren im sogenannten 85er-Modus. Das bedeutet: Alle Spieler bekommen eine identische Punktstärke von 85, sodass auch alle Teams, die zur Auswahl stehen, gleich stark sind. Ob man als Spieler nun Arminia Bielefeld, Werder Bremen oder die Bayern wählt, bringt dann keine Vor- und Nachteile. So läuft es auch Sonntag beim ersten FLVW-eSport-Cup, der an der PS4 ausgetragen wird. Auswählen können die User aus einem der westfälischen Teams: Borussia Dortmund, Schalke 04, SC Paderborn, Arminia Bielefeld, VfL Bochum und Preußen Münster. Gespielt wird hier ebenso im Modus „1vs1 85er“ in einem K.-o.-Turnier.

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