50 Jahre Frauenfußball
RW Nienborg steuert auf das Silberjubiläum zu

Nienborg -

Der Frauenfußball hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, dem DFB viele Triumphe und Erfolge beschert.

Das haben auch die Verantwortlichen beim SC Rot-Weiß Nienborg früh erkannt. Der Mädchen- und Frauenfußball im Eichenstadion steuert selbst auf ein Jubiläum zu.

Freitag, 30.10.2020, 17:11 Uhr
Nach dem Schnuppertraining 2007 nahm der Mädchen- und Frauenfußball in Nienborg Fahrt auf. Aktuell führt die 1. Frauenmannschaft die B-Liga an. Linda Loske ist nicht nur am Ball aktiv, sondern engagiert sich in vielfältiger Weise für den Verein.
Nach dem Schnuppertraining 2007 nahm der Mädchen- und Frauenfußball in Nienborg Fahrt auf. Aktuell führt die 1. Frauenmannschaft die B-Liga an. Linda Loske ist nicht nur am Ball aktiv, sondern engagiert sich in vielfältiger Weise für den Verein. Foto: Verein

50 Jahre Frauenfußball – das ist aber nicht nur ein freudiges, sondern auch ein trauriges Jubiläum. Bedeutet es doch auch, dass der Deutsche Fußball Bund (DFB) erst am 31. Oktober 1970 das 1955 erlassene Verbot aufgehoben hat. Es ist zudem ein Jubiläum, das es im Osten der Republik gar nicht gibt. In der DDR war Frauenfußball nie verboten, wenngleich als nicht sonderlich förderungswürdig eingestuft worden.

Aber die Skeptiker im DFB haben sich nicht durchgesetzt. Der Frauenfußball hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, dem DFB viele Triumphe und Erfolge beschert.

Das haben auch die Verantwortlichen beim SC Rot-Weiß Nienborg erkannt. Der Verein unterstützt den Frauen- und Mädchenfußball schon lange nach besten Kräften und steuert auf das Silberjubiläum zu. „1996 gilt in Nienborg als Auftaktjahr für den Frauen- und Mädchenfußball“, erklärt der 1. Vorsitzende, Martin Mensing .

Markus Ammertmann, der das Team in den Anfängen ein paar Jahre zusammen mit Hendrik Wolbeck und Peter van Dyk coachte, erinnert sich gut daran.

Doch so richtig Fahrt auf nahm der Frauen- und Mädchenfußball in Nienborg im Jahr 2007. Die damalige Jugendtrainerin und heutige Jugendgeschäftsführerin Ulrike Loske war die Initiatorin für ein Probetraining für alle Mädchen, die Interesse am Fußballspielen hatten. Das Ergebnis war überwältigend. Fast 40 Mädchen nahmen das Angebot an. Der Verein meldete für die nächste Saison prompt zwei weibliche Fußballmannschaften zum Spielbetrieb.

„Die Mädels wurden von Anfang an gut in den Verein integriert. Jede Mannschaft war und ist stets mit guten Trainern besetzt. Trainingsplätze, Kabinen und Material standen immer zur Verfügung, dadurch stellten sich auch die ersten Erfolge ein“, lobt Ulrike Loske die Strukturen und den Einsatz aller im Verein.

Die Trainingsbeteiligung sei stets sehr gut, die Mädchen sind mit sehr viel Spaß bei der Sache, es seien sehr viele Freundschaften entstanden. Vor allem erinnert sich Ulrike Loske, dass die anfängliche Skepsis schnell gewichen ist.

Zur Saison 2008/2009 meldete der Verein eine Damenmannschaft für den Spielbetrieb. Anfangs spielten zahlreichen Frauen, die vom FC Epe gewechselt waren, im Team der Rot-Weißen mit.

Gegen eben diesen FC Epe gewannen die Rot-Weißen vor einer Woche mit 7:2. Damit festigte RWN die Tabellenführung in der heimischen Kreisliga B.

Bis zum Seitenwechsel war das Spiel relativ ausgeglichen, nach 45 Minuten hieß es 1:1. Im zweiten Spielabschnitt war Marleen Lütke-Wissing Garantin für den Erfolg, sie alleine erzielte vier Treffer.

In acht Spielen trafen die Stürmerinnen der Rot-Weißen bereits 32 Mal. Nur einmal gab sich das Team vom Trainer- und Betreuerteam Bernd Loske, Claus Opperbeck, Michelle Holtkamp und Alina Schepers geschlagen. „SF Ammeloe war bei unserer 0:2-Niederlage die ganz klar bessere Mannschaft“, sieht Bernd Loske die aktuelle Tabellensituation deshalb auch als Momentaufnahme.

„Wir haben noch gar nichts erreicht“, blickt er auf den Spielplan mit noch 20 Spielen (wenn die Pandemie das überhaupt zulässt).

Das Urgestein der Rot-Weißen freut sich, dass die langjährige, gute Arbeit in der Jugendabteilung und in der Damenmannschaft nun Früchte trägt. Die Mannschaft hat einen in der Breite sehr gut aufgestellten Kader mit sehr vielen guten Fußballerinnen im besten Alter. Es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf. Viele Spielerinnen gehören zur ersten Stunde, schaut Bernd Loske mit einem Lächeln auf ein Bild vom Probetraining im Jahr 2007. „Da erkenne ich einige wieder.“

Dass der Mädchen- und Frauenfußball bei den Rot-Weißen einen sehr hohen Stellenwert genießt, wird an der aktuellen Hoodie-Aktion deutlich. Alle 88 Spielerinnen, von der weiblichen E-Jugend bis zur Damenmannschaft, erhielten den mit dem RWN-Emblem bestickten Kapuzenpullover. Finanziert wurde die Aktion von der Aktion „1000x1000 - Anerkennung für den Sportverein – Mädchen und Frauen im Sport“, einer Spende von Hermann Wenning (WN berichtete) und einer finanzielle „Spritze“ aus der Vereinskasse.

Auch außerhalb des grünen Rasens gibt es mehrere aktive Frauen bei den Rot-Weißen. So bekleidet Linda Loske das vor einigen Jahren im Vorstand geschaffene Amt der Jugendobfrau. Sie spielte schon einige Jahre bei den Jungs, als sie damals am Probetraining teilnahm. Heute spielt die C-Lizenzinhaberin in der Damenmannschaft, trainiert die weibliche C-Jugend, ist für den Verein im Rahmen einer Kooperation „Verein-Schule“ in der Offenen Ganztagsschule tätig und kümmert sich ehrenamtlich um die Belange der weiblichen Nachwuchsmannschaften. Zudem engagiert sie sich in Projekten wie dem Bau des Spielplatzes im Eichenstadion oder dem FLVW-Vereinszukunftscheck. „Sie ist eine besondere Integrationsfigur für den Mädchen- und Damenfußball in unserem Verein“, betont der 1. Vorsitzende, Martin Mensing.

50 Jahre Frauenfußball: DFB-Präsident Fritz Keller schreibt dazu im Grußwort im „DFB-Journal“ (Ausgabe 03/2020): „Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass im Jubiläumsjahr weitere Lizenzvereine, etwa Schalke 04 und Borussia Dortmund, erstmals auch Frauenmannschaften in den Wettbewerb schicken, für dieses Engagement bin ich dankbar. Aber alles andere wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Denn es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für und um die Gleichstellung zu kämpfen. Im Fußball ist es von großer Bedeutung, dass jedes Mädchen, das kicken möchte, ob auf dem Land oder in der Stadt, auch die Möglichkeit dazu erhält und einen Verein in der Nähe findet.“

Martin Mensing ist über diese Aussage eher verwundert. „Schon interessant, dass der DFB-Präsident die großen Vereine dafür lobt. Für uns in den Niederungen des deutschen Fußballs ist das seit Jahrzehnten selbstverständlich, dass jedes Mädchen, das kicken möchte, bei uns auch Fußballspielen darf.“

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