Fußball: Vereine schwärmen vom künstlichen Grün / Für die Natur eine Katastrophe
Die Kehrseite des Kunstrasens

Kreis Steinfurt -

Kunstrasenplätze haben einige Vorteile, vor allem in den dunkleren Jahreszeiten, wenn Regen und Schnee das Münsterland heimsuchen. Aber das dauerhafte Grün hat auch seine Schattenseiten.

Dienstag, 13.11.2018, 16:04 Uhr aktualisiert: 14.11.2018, 16:38 Uhr
Wenn gegrätscht wird, flog früher der Rasen samt Grasnarbe durch die Gegend. In Wilmsberg ist das heute immer noch so. Auf Kunstrasenplätzen, wie hier in Altenberge, fliegt das Granulat, das meist aus alten Autoreifen hergestellt wird. Genau das bereitet der Umwelt einige Probleme.
Wenn gegrätscht wird, flog früher der Rasen samt Grasnarbe durch die Gegend. In Wilmsberg ist das heute immer noch so. Auf Kunstrasenplätzen, wie hier in Altenberge, fliegt das Granulat, das meist aus alten Autoreifen hergestellt wird. Genau das bereitet der Umwelt einige Probleme. Foto: Günter Saborowski

Der TuS Altenberge hat einen, Entschuldigung, zwei sogar, der TuS Laer 08 ebenfalls, und auch Germania Horstmar ist in puncto künstliches Grün ebenso gut aufgestellt wie der FC Nordwalde. Seit Kurzem kann auch bei Preußen Borghorst wieder auf (beinahe) witterungsunabhängigem Untergrund gekickt werden.

Die Rede ist vom Kunstrasenplatz, der es den heimischen Fußballvereinen ermöglicht, den Naturrasen in den dunklen und nasskalten Monaten zu schonen und trotzdem bei Schmuddelwetter zu trainieren und den Spielbetrieb ordnungsgemäß aufrecht zu erhalten.

Natürlicher Rasen verkraftet nur zwei bis drei Stunden Belastung pro Tag, auf Polyethylen kann dagegen (fast) nach Herzenslust gekickt werden. Gerade im Herbst und Februar bietet die Allwettertauglichkeit den Vorteil erheblich verbesserter Trainingsmöglichkeiten, während sich die herkömmlichen Grünflächen erholen können. Auch der Nachwuchs kann so an den Verein gebunden werden, denn: Kein Jugendlicher möchte in den Wintermonaten gerne auf roter Asche oder einer Matschwiese kicken.

Doch bei aller Euphorie über das permanent satte Grün gibt es eine bislang kaum beachtete Kehrseite der Medaille. Unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes sind die Plastikfelder verheerend.

Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik tragen Kunstrasenplätze erheblich zur Verbreitung von Mikroplastik bei. Während der Reifenabrieb dabei in Deutschland die Hauptursache darstellt, rangieren „Verwehungen von künstlichen Sport- und Spielplätzen“ in der Statistik auf Rang fünf.

Aufhänger der Untersuchung war die Verbreitung von Kunststoff in der Umwelt. Drei Jahre lang wurde untersucht, woher das Mikroplastik stammt, das zunehmend Flüsse, Seen und Ozeane verschmutzt. Das Problem ist gravierend: Die kaum zerstörbaren, bis zu fünf Millimeter großen Plastikteilchen reichern sich in Fischen an und gelangen in die menschliche Nahrungskette. Und hierbei stehen „Kunstrasenplätze Fußball“ unter 74 potenziell relevanten Quellen für „primäres Mikroplastik“ auf Platz fünf.

Dabei konzentrierten sich die Forscher allein auf das Gummigranulat, das als Stützmasse für die künstlichen Halme dient und den früher verwendeten Sand ersetzt hat. Hier liegt das Problem: Die Gummikörner bleiben an Sportkleidung und Schuhen haften oder werden vom Wind weggeblasen, so dass ein stetiger Granulatschwund herrscht. Bis zu 8000 Tonnen Plastikteilchen gelangen nach diesen Erkenntnissen durch die Fußballplätze in die Umwelt.

Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“ am 26. Oktober 2018 berichtete, sind die Polyethylen-Halme nicht weniger problematisch. Sie werden mit der Zeit kürzer oder reißen ab. Während ein Naturrasen bei guter Pflege unbegrenzt halten kann, muss der künstliche Belag nach zehn bis zwölf Jahren komplett erneuert werden. Offiziell ist eine fachgerechte Entsorgung vorgeschrieben, doch die ist teuer. Unter der Hand landet nach Recherchen von „Spiegel Online“ ein Großteil in Verbrennungsanlagen im europäischen Ausland. Die Erneuerung der Plätze stelle viele Vereine und kleinere Kommunen vor finanzielle Probleme.

„Unser Kunstrasen besteht aus Sand und Granulat. Der Sand ist in erster Linie zum Beschweren da. Zwei Mal im Jahr kommt eine Spezialfirma, die den Sand und das Granulat abträgt, reinigt und dann wieder aufbringt“, berichtet Thomas Schwer vom TuS Laer, wie gereinigt wird.

In Altenberge, beim dortigen TuS, wurde der obere Kunstrasenplatz, früher nur aus Sand bestehend, erst vor einem Jahr erneuert. „Wir haben uns den VfL Bochum als Vorbild genommen und uns im Vorfeld genau erkundigt. Es gibt nämlich große Unterschiede bei den Plätzen, was zum Beispiel die Belastung mit Pestiziden anbelangt“, hat sich der TuS Altenberge laut Eppi Hammer schlau gemacht und den genommen, der wenig belastet sein soll.

Es geht aber auch noch anders: So bestand der SC Viktoria Hamburg beim Bau seines Kunstrasens auf einer Sonderanfertigung. Die Halme im Stadtteil Eppendorf werden nicht mit Gummigranulat, sondern mit natürlichem Kork stabilisiert.

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