Handball: Bezirksliga
Hölschers Herzensangelegenheit

Nordwalde/Münster -

Er trainierte schon in Nordwalde, Lengerich, Münster, Sassenberg, Nottuln, Telgte, Havixbeck, Sendenhorst, Gronau, Lünen und Brambauer – zwischen dem Tecklenburger Land und dem nördlichen Ruhrgebiet ist Reinhard Hölscher keine Sporthalle fremd. Jetzt spricht der „Handlungsreisende in Sachen Handball“ von Ruhestand – vorher hat er aber noch einen Auftrag.

Donnerstag, 28.02.2019, 16:12 Uhr aktualisiert: 28.02.2019, 16:25 Uhr
„Handlungsreisender“ in Sachen Handball: Reinhard Hölscher schlägt zum dritten Mal seine Zelte in Nordwalde auf.
„Handlungsreisender“ in Sachen Handball: Reinhard Hölscher schlägt zum dritten Mal seine Zelte in Nordwalde auf. Foto: Thomas Strack

Als die WN Reinhard Hölscher Donnerstagmittag telefonisch erreichten, befand der sich mit seiner Frau Elvira auf dem Weg nach Dortmund. „Wir holen gerade unser Enkelkind ab, damit unsere Tochter Weiberfastnacht feiern kann. Großeltern machen das ja schon mal“, sagt Hölscher. Sein Herz schlägt nicht nur für die Familie, sondern in gleichem Maße für den Handball. Und das nun schon seit 33 Jahren. Hölscher ist in der regionalen Handball-Szene bekannt wie ein bunter Hund. Im Sommer schlägt er zum dritten Mal seine Zelte in Nordwalde auf. Diesmal als Trainer der Bezirksliga-Damen des SCN .

Schon der Blick auf seine Vita lässt vermuten, dass jede Menge Herzblut im Spiel ist, wenn es um Handball geht. Im gesetzten Alter von 57 Jahren noch einmal eine Mannschaft zu übernehmen, die, wenn es dumm läuft, in der kommenden Saison in der Kreisliga spielt – für Hölscher ist das kein Problem. „Ich liebe diesen Sport, und mein größter Wunsch war, noch einmal eine Damenmannschaft zu trainieren, bevor ich mich in den Ruhestand verabschiede“, lauten seine Beweggründe.

Dass diese Entscheidung von einer großen Portion Idealismus getragen wird, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass es ihm in der Ausübung seines Hobbys nie ums Geld ging. Hölscher war in seiner langen Laufbahn auch schon in der Oberliga tätig gewesen. Doch war er sich auch nie zu schade, ganz unten anzupacken, wenn er davon überzeugt war, dass er etwas bewegen kann. Aber diesen Enthusiasmus erwartet er auch von der Gegenseite. „Wenn ich spüre, dass diese Einstellung fehlt, dann gehe ich lieber. Ich lasse mich nicht verbiegen.“

Derzeit trainiert er noch die „Zweite“ der DJK Sparta in der 1. Kreisklasse Münster, ehe er im Sommer wieder nach Nordwalde wechselt. Dort hatte er schon 1996 erstmals die Männer gecoacht. Sein zweites Engagement beim SCN endete mit Ablauf der Kreisliga-Saison 2016/17.

Was es heißt, Idealismus einzubringen, das hat der hauptberuflich bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Münster Angestellte nicht nur in Nordwalde erlebt. „Handball wird ja vorzugsweise auf dem platten Land praktiziert“, sagt er. „Aber in den vergangenen Jahren habe ich festgestellt, dass es selbst in den Hochburgen schwieriger wird, genug Spieler zu bekommen.“ Es ist Hölschers Herzensangelegenheit, diesem Trend entgegenzuwirken. Indem er versucht, Begeisterung zu wecken, damit die Spieler dranbleiben. Ein bisschen steht Hölscher auch für den Überlebenskampf, dem sich die schnelle Kontaktsportart mancherorts ausgesetzt sieht.

Angefangen hatte es beim ihm Mitte der 1970er-Jahre als Zwölfjähriger in der C-Jugend des SV Adler Münster. „In der A-Jugend hatte ich mir eine schwere Kreuzbandverletzung zugezogen, die damals nicht richtig diagnostiziert wurde. Weil ich danach sehr verletzungsanfällig war, habe ich im Seniorenalter kaum noch gespielt“, erinnert sich Hölscher an die Anfänge.

Seine erste Trainerstation war Borussia Münster, wo er vor 33 Jahren die A-Jugend betreute. Beim SC Gremmendorf-Angelmodde gab er seinen Einstand als Seniorencoach. Es schlossen sich Clubs im gesamten Münsterland und dem angrenzenden Ruhrgebiet an. „Mein absolutes Highlight war die HSG Hohne/Lengerich. Dort wurde ich entlassen, obwohl wir Verbandsliga-Spitzenreiter waren“, verkündet Hölscher mit zynischem Unterton.

Angenehmer lief es mit den Handballerinnen der DJK GW Nottuln, die er in die Landesliga zurückgeführt hatte, oder beim TV Ennigerloh in der Oberliga. Ferner trainierte Hölscher die Damen der SG Sendenhorst, des SC Gremmendorf und des SV SW Havixbeck. Weitere Stationen als Männercoach waren die HSG Bever-Ems in Telgte-Westbevern und Ostbevern, der HSC Gronau, Nordwalde sowie der VfL Sassenberg. Und als es ihm im Münsterland zu eng geworden war, zog es ihn an den Rand des Ruhrgebiets zum Lüner SV und VfL Brambauer.

Wenn Hölscher jetzt vor seinem Wechsel zum SC Nordwalde von „Ruhestand“ spricht, klingt das ein wenig nach Abschied von der Handball-Bühne. Glauben mag man es ihm nicht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6429201?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35354%2F
Entwicklung spitzt sich zu: Steht UKM-Chef Nitsch vor dem Aus?
Weithin sichtbar: Die Türme des münsterischen Universitätsklinikums, deren Außenhaut in den zurückliegenden Jahren komplett saniert wurde. Im Innern gibt es Streit – über den Führungsstil des Ärztlichen Direktors und die mangelnde Finanzausstattung durch das Land.
Nachrichten-Ticker