Fotografen ohne Beschäftigung: Jürgen Fromme und Thomas Strack
Wenn der Sport ins Wasser fällt

Steinfurt/dülmen -

Wer davon leben muss, dass der Ball rollt, hat es in diesen Tagen schwer und muss um seine Existenz bangen. Jürgen Fromme und Thomas Strack sind vom Totalausfall des Sportbetriebs – im Großen wie im Kleinen – persönlich betroffen und hoffen darauf, dass der Sportbetrieb bald wieder aufgenommen wird.

Montag, 06.04.2020, 15:12 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 14:30 Uhr
Sogenannte kalte Bilder mit Hochgeschwindigkeit aufgenommen.
Sogenannte kalte Bilder mit Hochgeschwindigkeit aufgenommen. Foto: Jürgen Fromme

Seit dem 11. März ruht die Fußball-Bundesliga . Für den Sportfotografen Jürgen Fromme und seinen Kollegen der Agentur firo sportphoto Hauptbetätigungsfeld. „Das ist keine leichte Situation“, sagt der Dülmener im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jetzt können wir aber das aufarbeiten, was sonst im hektischen Alltag liegen geblieben ist.“ So habe sein Sohn Jan Fromme angefangen, alte Archivbilder von den Olympischen Spielen oder den Sportgrößen wie Michael Schumacher, Boris Becker oder Henry Maske einzuscannen.

Auch im ländlichen Bereich haben freie Mitarbeiter, die sich aufs „Knipsen“ spezialisiert haben, momentan Sendepause. Thomas Strack , der für die Ausgabe dieser Zeitung, die Münsterländische Volkszeitung in Rheine und die Emsdettener Volkszeitung Bilder macht, ist ebenso zum Nichtstun verurteilt.

Fromme selber macht „kalte Bilder“, wie er sie nennt. Arbeiten im Studio. Er lässt einen Tennisball ins Wasser fallen und symbolisiert so, wie der Sport buchstäblich ins Wasser fällt. Mit den Hochgeschwindigkeitsaufnahmen wird sichtbar, wie sich die Kugel den Weg ins Wasser bahnt, wie ein Loch gerissen wird.

Der Ausfall nahezu aller Sportveranstaltungen reißt auch ein ordentliches Loch in die Planungen der Dülmener Fotoagentur. „Wir hatten schon Züge für die Fußball-Europameisterschaft nach München und Zimmer in England gebucht. Das konnte ich zum Glück alles stornieren.“ Die Euro ist zwar nur verschoben. „Aber die Erträge daraus fehlen uns natürlich in diesem Jahr“, sagt Fromme.

Ähnlich sieht es bei Thomas Strack aus, der natürlich weniger mit der Euromeisterschaft im Fußball zu tun hat als mit dem SV Burgsteinfurt oder Emsdetten 05. Rund 45 Wochen im Jahr ist er von Freitag bis Sonntag in Hallen und auf Plätzen. „Wenn unter der Woche Spiele sind, unter Flutlicht meistens, dann rufen die Kollegen auch schon mal an. Oder bei Sportgalas, Reitturnieren und Laufveranstaltungen. Meistens aber tatsächlich Sport“, sagt der selbstständige Fotograf.

Wenn die Corona-Krise sich nicht noch über Wochen und Monate hinzieht, könne Fromme die Ausfälle noch ganz gut verkraften. „Vor 20 Jahren wäre so ein Fall für uns existenzbedrohend gewesen.“ Aktuell sei die Situation auch nicht leicht. Aufträge an freie Mitarbeiter könne er derzeit gar nicht vergeben.

Bei Thomas Strack verhält es sich ebenso. Da er keinen Laden hat und dafür Miete zahlen muss, sondern als Freiberufler „am Ball“ ist, laufen nur seine normalen Kosten weiter. „Wohnungsmiete, Krankenversicherung, Essen – das Übliche halt“, muss sich Strack von seinem Ersparten über Wasser halten. Über die Soforthilfe der Bundesregierung hat er ebenfalls bereits nachgedacht, sich aber noch nicht entschieden, ob er sie in Anspruch nehmen soll.

„Man wird in so einer Zeit auch demütig“, sinniert Fromme. Durch den Alltagsstress schimpfe er natürlich manchmal auf die Routine, „nach dem Motto: Schon wieder Bundesliga unter der Woche.“ Wenn das aber von jetzt auf gleich wegbreche, „weiß man eigentlich auch, was man hat und lernt das wieder wertzuschätzen.“

Fromme produziert derzeit viele Bilder außerhalb des Sports. Diese werden dann unter anderem von Fernsehsendern eingeblendet, wie zum Beispiel Drohnenbilder, Wetterbilder, allgemeine Corona-Bilder oder auch den leeren Prinzipalmarkt in Münster. Wie immer in seinem Job „ist auch hier Kreativität gefragt“, sagt Fromme. So komme er über die Runden. Alles klappt aber auch nicht. „Wir wollten auf die Pandemie-Station in München. Das ging nicht.“

Vergangene Woche war er auch schon wieder beim Training des FC Schalke 04. Dort arbeiten die Kicker in Zweier-Gruppen. „Das Foto von David Wagner auf einem Hügel, der so gleich vier Plätze im Blick hat, war im Frühstücksfernsehen zu sehen.“

Wenn die Bundesliga Anfang Mai wieder anlaufe, „muss man sehen ob und in welcher Form denn dann auch Medienvertreter zugelassen werden.“ Über die Vereine und dem Verband Deutscher Sportjournalisten steht Fromme so in Kontakt mit der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Aber auch die DFL könne das ja nicht ganz alleine entscheiden und müsse Vorgaben von der Bundesregierung umsetzen. „Wenn die Spiele nur verschoben sind, ist das schon nicht gut. Der Super-Gau ist es, wenn denn keine Berichterstatter und Fotografen zugelassen werden.“ Daher hofft Fromme, dass der Ball schon bald wieder rollen und er von der schönsten Nebensache der Welt wieder mit tollen Bildern ganz normal berichten kann.

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