Sportmediziner Dr. Jochen Veit im Interview
Kreisliga-Start wäre möglich

 Nordwalde -

Geisterspiele müsste es nach Ansicht des Sportmediziners Dr. Jochen Veit in der Kreisliga nicht geben. Dies sagt der Nordwalder im Interview mit unserer Zeitung.

Montag, 01.06.2020, 15:58 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 16:11 Uhr
Der Nordwalder Dr. Jochen Veit ist seit 2007 als Mannschaftsarzt des DEL-Vereins Iserlohn Roosters tätig. Zudem betreu er seit 2001 die Fußballer des 1. FC Nordwalde.
Der Nordwalder Dr. Jochen Veit ist seit 2007 als Mannschaftsarzt des DEL-Vereins Iserlohn Roosters tätig. Zudem betreu er seit 2001 die Fußballer des 1. FC Nordwalde. Foto: Jonas Brockmann

Die Fußball-Bundesliga hat den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Aber wann könnten die Amateursportler aus medizinischer Sicht nachziehen? Danach erkundigte sich WN-Redakteur Marc Brenzel bei Dr. Jochen Veit . Der 48-jährige Nordwalder ist unter anderem Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin. In dieser Rolle betreut er sowohl die Eishockey-Profis der Iserlohn Roosters (seit 2007) als auch die Kreisliga-Fußballer des 1. FC Nordwalde (seit 2001).

Herr Dr. Veit, über den Re-Start der Fußball-Bundesliga wurde viel diskutiert. Wie bewerten Sie das aus Sicht eines Sportmediziners und eines Fans?

Dr. Jochen Veit: Ob das jetzt sinnvoll ist oder nicht, das möchte ich gar nicht beurteilen. Letztlich geht es im Profisport immer um sehr viel Geld, und es gibt auch viele Fans, die sich freuen, wenn sie wieder Fußball gucken dürfen. Aber ob das ohne Zuschauer in den Stadion so viel Spaß macht, das weiß ich nicht – weder für die Vereine, noch für die Spieler und die Fans.

Die ganze Sportwelt guckt gerade auf die Bundesliga, die sozusagen ein Testballon ist. Viele fragen sich, wann ein Stadionbesuch wieder möglich sein könnte? Was glauben Sie?

Veit: Wenn es darum geht, die Stadien wieder für Zuschauer zu öffnen, dann sehe ich ein großes Problem. Diese Art von Großveranstaltungen hat ja auch dazu geführt, dass es in bestimmten Regionen – siehe Bergamo oder Liverpool – zu starken Ausbrüchen gekommen ist.

Welche Gedankenmodelle wären trotzdem möglich, um die Stadiontore für die Fans zu öffnen?

Veit: Die Profivereine müssten sich Konzepte erarbeiten, wie die Zuschauer und die Mitarbeiter am besten zu schützen sind. Daher würde es aus meiner Sicht Sinn machen, die Zuschauerzahl zu begrenzen, um so die Sicherheitsabstände zu gewährleisten. Vielleicht nur noch jeden dritten Platz besetzen und nur noch die heimischen Dauerkarten-Inhaber reinlassen.

Die Bundesliga spielt wieder. Jetzt fragen sich die Amateure: „Wann geht es für uns wieder los?“

Veit: Da muss man auf die Infektionszahlen gucken. Wenn wir über drei, vier Wochen keine neuen Infizierten haben und sich die Spieler gut fühlen, dann spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Aufnahme der Saison. Wenn es aber vereinzelt zu Fällen kommt, dann ist es eine politische Entscheidung. Die Politik muss dann entscheiden, ob sie freigibt oder nicht. Sie überträgt damit die Verantwortung auf die Verbände, Vereine und in letzter Instanz auf den Zuschauer.

Angenommen, es geht wieder los: Wie groß ist Ihrer Meinung nach die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz?

Veit: Die Ansteckungsgefahr wird erhöht, wenn es eine hohe Konzentration von Viren in einem relativ stehenden Luftbereich gibt. Persönlich sehe ich es so, dass der Sport auf dem Fußballfeld nicht dazu führt, dass ich über einen längeren Zeitraum dieselbe Luft atme wie mein Gegenspieler. Es müssen aber Hygienekonzepte entwickelt werden. Zum Beispiel, wie viele Spieler gleichzeitig die Duschen benutzen dürfen.

Wie sieht es denn für den Handball aus? Da lässt die Halle nicht die Luftzirkulation zu wie auf dem Feld. Das dürfte die Sache komplizierter machen?

Veit: Auch hier sehe ich bei niedrigen Erkranktenzahlen keine Schwierigkeiten.

Stichwort Zuschauer: Sind Geisterspiele in der Kreisliga denkbar?

Veit: Geisterspiele braucht es in den unteren Ligen nicht zu geben. Wenn man den Zuschauern vernünftig erklärt, dass auch am Spielfeldrand oder vor der Würstchenbude Abstand gehalten werden muss, dann spricht nichts dagegen, dass sie zu den Spielen kommen dürfen. Da appelliere ich einfach an den gesunden Menschenverstand eines jeden, sich entsprechend der Richtlinien zu verhalten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7435537?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35354%2F
Nachrichten-Ticker