Umfrage zur Weltmeisterschaft in Ägypten
WM? Warum denn nicht?

Kreis Steinfurt -

Am Mittwoch geht es mit der Handball-WM in Ägypten los. Aber ist die Austragung eines solchen Mammutturniers in Corona-Zeiten überhaupt zu vertreten? Und wie schneidet die deutsche Sieben ab? Das wollte die WN-Sportredaktion von den heimischen Experten wissen.

Dienstag, 12.01.2021, 15:16 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 15:19 Uhr
Uwe Gensheimer führt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Ägypten an. .
Uwe Gensheimer führt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Ägypten an. . Foto: Marius Becker/dpa

Am Mittwoch beginnt die 27. Handball-Weltmeisterschaft der Männer. Lange wurde im Vorfeld nicht mehr so intensiv über die Austragung eines Turniers diskutiert wie jetzt vor den Titelkämpfen in Ägypten. Die Corona-Pandemie überschattet auch dieses Großereignis, und die Meinungen, ob das Schaulaufen der besten Handballer im Land der Pharaonen sinnvoll ist, gehen auseinander. So haben mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Finn Lemke vier Leistungsträger wegen der sich verschärfenden Corona-Krise abgesagt. Die Sportredaktion der Westfälischen Nachrichten hat sich umgehört, wie die Handballer vor Ort zur Austragung der WM stehen und welche Chancen sie der deutschen Nationalmannschaft einräumen.

ManfredWiggenhorn, Spiel- und Schiedsrichterwart von Arminia Ochtrup, spricht sich dafür aus, dass die WM hätte abgesagt werden sollen. „Ich kann daher jeden verstehen, der nicht mitspielen möchte. Es ist doch auch blöd, dass die Hälfte der teilnehmenden Teams wegen Corona nicht mit ihren stärksten Formationen antritt. Das gibt doch ein ganz schiefes Bild. Trotzdem gucke ich mir die Spiele natürlich an“, sagt Wiggenhorn. Und er traut der veränderten deutschen Nationalmannschaft einiges zu. „Wenn sie verlustpunktfrei in die Hauptrunde einzieht, dann sitzt sogar das Halbfinale drin.“

„Wenn beim Fußball die Bundesliga und die Champions League stattfinden können, warum dann nicht auch eine Handball-Weltmeisterschaft? Zumal jetzt doch keine Zuschauer in die Hallen dürfen“, fragt MaxOelerich, Torjäger des Landesligisten SC Arminia Och­trup. Auch ohne diverse Leistungsträger hält Oelerich die Deutschen stark genug, um für eine Überraschung sorgen zu können. „Das Finale nicht unbedingt, dafür sind Dänemark und Norwegen zu gut. Aber vielleicht ist das Halbfinale möglich.“

Rainer Nowack , Trainer des SC Nordwalde, ist hinsichtlich der Austragung zwiegespalten: „Dass jetzt alle Spiele ohne Zuschauerbeteiligung ausgetragen werden, finde ich schon mal gut. Die Frage ist doch, wie die Ägypter mit den Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgehen? Aber hinter so einem Turnier steckt ja auch viel Kohle – und Professionalität“, glaubt der SCN-Coach, dass „die das in Ägypten schon alles richtig machen werden“.

Was die Chancen der Deutschen Mannschaft ohne die vier Leistungsträger anbelangt, meint Nowack: „Das Spiel und der Sieg gegen Österreich am Sonntag war schon sehr stark und souverän, auch wenn Österreich nicht unbedingt ein Gradmesser ist. Die Frage ist, ob die Mannschaft dieses Niveau wird halten können. Ich traue ihr aber einiges zu, der Gislason ist ja ein starker Motivator. Und wir haben mit Wolff, Bitter und Heinevetter drei sehr gute Torleute.“ Außerdem ist Nowack der Meinung, dass so eine WM auch mal eine Abwechslung zum üblichen Fernsehprogramm sei.

DanielAhmann(Trainer TV Borghorst) schwankt zwischen einem Einerseits und Andererseits: „Es muss ja weitergehen. Man kann nicht alles stehen und liegen lassen, nur weil es kriselt – ebenso in der Wirtschaft. Deutschland ist ja nicht allein auf der Welt.“

Bedauerlich sei, dass es keinen klaren Weg gebe, der optimal sei. „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort jemand infiziert, halte ich schon für hoch. Ich persönlich wäre mitgefahren als Spieler“, sagt Ahmann. Nach den Chancen der Deutschen Mannschaft gefragt, meint der ehemalige Gummersbacher Erstliga-Handballer: „Die vier, die fehlen, sind zwar wichtige Spieler, aber ihr Fehlen ist auch eine optimale Chance für die jungen Spieler im Kader. Die jungen Leute können sich nun entwickeln und beweisen. Das ist gut.“

UweGeersen, Spielwart beim TB Burgsteinfurt, kann nicht ganz nachvollziehen, warum die WM in Ägypten nicht durchgeführt werden sollte: „Der Profisport überall auf der Welt ist doch aktiv. Warum sollten die Handballer nicht spielen? Außerdem, der Präsident des Internationalen Handballverbandes ist ein Ägypter (Hassan Moustafa). Und jetzt ist die WM in seinem Land. Da kann ich verstehen, dass der die durchziehen will“, sagt Geersen. „Ich glaube schon, dass das Turnier sicher ist, was Hygiene und Schutzmaßnahmen betrifft.“

Zu den Chancen der Deutschen Mannschaft meint der Stemmerter, dass die jüngsten Spiele gegen Österreich „natürlich kein Maßstab“ gewesen seien, aber „Zielsetzung Viertelfinale“ hält er für durchaus realistisch, zumal „lieber mit jungen, hungrigen Spielern“ als mit solchen aus Kiel, die zu einem Einsatz gezwungen werden.

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