Fußball: Frank Uhlenbrocks Hammer war gefürchtet – selbst bei Zuschauern
Ein todsicherer Elfmeterschütze

Steinfurt -

Mitte der 80er Jahre stürmte der SV Wilmsberg von der Bezirks- bis in die Verbandsliga. Mit dabei: Frank Uhlenbrock, dessen linke Klebe gefürchtet war. Auch vom Elfmeterpunkt aus war der ehemalige Nordwalder eine Bank.

Donnerstag, 11.02.2021, 15:07 Uhr aktualisiert: 11.02.2021, 16:32 Uhr
Frank Uhlenbrock hat mit dem ehemaligen Stuttgarter Fußballer Thomas Hitzlsperger eins gemeinsam: Beide hatten einen unglaublich harten Schuss, und bei dem ihrem linken Schlappen.
Frank Uhlenbrock hat mit dem ehemaligen Stuttgarter Fußballer Thomas Hitzlsperger eins gemeinsam: Beide hatten einen unglaublich harten Schuss, und bei dem ihrem linken Schlappen. Foto: privat

Beim VfB Stuttgart waren die Freistöße von Thomas Hitzlsperger eine Sache für sich. Den Spitznamen „Hitz the Hammer“ erhielt der gebürtiger Münchner allerdings erst nach seinem Wechsel auf die Insel, als er bei West Ham United spielte. Mit sensationellen 125 km/h zimmerte der Stuttgarter 2009 über Leverkusens Torwart René Adler einen Standard in die Maschen, so fest, dass Adler die Hände nicht mehr schnell genug auf Kopfhöhe bekam.

Dem Borghorster Frank Uhlenbrock wird Ähnliches nachgesagt – auch wenn wahrscheinlich noch nie gemessen wurde, wie hart seine Freistöße zu Wilmsberger Zeiten waren. Was ehemaligen Mitspielern sofort einfällt, wenn sie auf Uhlenbrock angesprochen werden, ist sein kräftiger Schuss. Muss also was dran sein. „Frank hatte einen unglaublichen Hammer“, sagt Rolf Weiser , der in den goldenen Zeiten des SV Wilmsberg Mitte der 80er Jahre im Mittelfeld die Fäden zog. „Da saß unheimlich viel Power dahinter, wenn der abzog“, weiß auch Bernd Hahn, Wilmsbergs damaliger Spielertrainer. „Ähnlich wie bei Stefan Althoff. Die beiden konnten vom Mittelkreis abziehen und trafen dann unter die Latte“, erinnert sich Weiser. Der eine mit rechts, Althoff, der andere mit links, Uhlenbrock.

„Elfmeter konnte Frank auch gut“, fällt Rolf Weiser noch ein spielerisches Attribut Uhlenbrocks ein. „Aber nicht so wie heute, dass die Schützen den Torwart erst ausgucken und dann schießen. Der hat den Ball hingelegt und geschossen. Und ich kann mich nicht erinnern, dass er mal nicht getroffen hat“, kramt Weiser noch ein wenig in seinem Gedächtnis.

„Doch“, widerspricht Linksfuß Uhlenbrock, „in einem Freundschaftsspiel habe ich mal einen verschossen. Aber sonst war ich ein todsicherer Schütze“, erzählt der 57-Jährige. „Vom Torwart aus gesehen links unten. Ich habe den Ball nie in eine andere Ecke geschossen“, hatte er ein festes Ziel beim Eckigen. „Man darf nicht allzu viel darüber nachdenken, sonst geht es schief“, war sein Credo.

Doch nicht nur die Elfer, auch Freistöße, am besten mit Wut im Bauch, hatte Uhlenbrock drauf: Beim Stand von 1:6 in einem Verbandsligaspiel gegen Herford donnerte der Borghorster die Kugel nach dem Anstoß vom Mittelkreis aus direkt aufs Tor. „Ich habe gesehen, dass der Torwart etwas zu weit vor seinem Kasten stand. Wir lagen zurück, und ich war wütend, also habe ich direkt geschossen. Der Torwart hat den Ball erst gesehen, als er schon in seinem Tor lag“, erinnert sich Uhlenbrock. Es gab jedoch auch mal einen fatalen Fehlschuss, bei dem eine Zuschauerin fünf Minuten lang bewusstlos am Boden lag. „Ich bin bei einem Freistoß weggerutscht und habe den Ball verzogen, sodass er die Zuschauerin traf. Das tat mir natürlich unheimlich leid.“

Bis auf einen Schlüsselbeinbruch in einem Pokalspiel gegen Recklinghausen – ausgerechnet in der letzten Minute – hat sich der 57-Jährige nie eine Verletzung zugezogen; es gab jedoch mal eine sehr missliche Diagnose: Hüftdysplasie. Danach war der Traum vom großen Fußball vorbei. 17 Treffer in der Verbandsliga – das ließ auch andere Vereine aufhorchen, die sich prompt bei ihm meldeten. „Mit dieser Diagnose von Dr. Götting und dem Wissen, dass ich vielleicht nur noch wenige Jahre spielen kann, wollte ich kein Probetraining bei Preußen Münster machen. Drei Mal hatten die mich eingeladen, aber ich bin in dann doch beim SV Wilmsberg geblieben.“

Und das für ein Taschengeld, wenn man der Konkurrenz anderer Verbandsligamannschaften glauben durfte. „Die haben sich totgelacht, wenn sie von uns hörten, was wir bekommen haben“, haben Uhlenbrock und seine Teamkameraden ab und zu unter der Dusche oder auch mal im Mittelkreis erfahren, was andere Clubs so zahlen.

Das Abenteuer Verbandsliga währte ja auch nur ein Jahr, und das eigentlich ohne richtiges Training. „Nach dem „Warmmachen haben wir nur Spielchen gemacht, das hat gereicht, und Bernd Hahn hat uns machen lassen. Wir waren eben ein eingeschworener Haufen“, gab es laut Uhlenbrock kein Taktiktraining oder Sonstiges.

Und heute? Nix mehr Fußball? „Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nicht einmal beim neuen Verein am Platz war. Zuletzt entweder in Kinderhaus oder jetzt in Altenberge“, verrät Uhlenbrock, dass er sich mit Frau und Tochter regelmäßig seinen „vielleicht zukünftigen Schwiegersohn“ beim Kicken anschaut. Aber Uhlenbrock will das bislang Versäumte nachholen.

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