Handball: Landesliga
Martin Drewer denkt an seine Zeit bei SW Havixbeck zurück

Havixbeck -

Martin Drewer ist nicht mehr Handball-Trainer von SW Havixbeck. An diesen Gedanken muss man sich erst noch gewöhnen. Im Interview mit den Westfälischen Nachrichten blickt er auf eine ereignisreiche Zeit zurück.

Freitag, 18.05.2018, 11:05 Uhr

Blumen und einen Gutschein gab es zum Abschied für Martin Drewer (M.). Mit ihm lachen hier Abteilungsleiter Marc Huysmann (r.) und Christian Kösters, der Mitglied im Abteilungsvorstand ist.
Blumen und einen Gutschein gab es zum Abschied für Martin Drewer (M.). Mit ihm lachen hier Abteilungsleiter Marc Huysmann (r.) und Christian Kösters, der Mitglied im Abteilungsvorstand ist. Foto: Marco Steinbrenner

Vier Jahre leistete Martin Drewer überaus erfolgreiche Arbeit als Handball-Trainer der Männer von SW Havixbeck. Der Familienvater führte die Mannschaft als Meister nach zehn Jahren zurück in die Landesliga und etablierte das mit bis auf zwei Ausnahmen aus dem Ort stammenden Spielern, nur Christian Mühlenkamp und Torhüter Arndt Cassens kommen aus Billerbeck, auf dem sehr guten fünften Platz. WN-Mitarbeiter Marco Steinbrenner blickt im Gespräch mit dem scheidenden Coach noch einmal auf abwechslungsreiche Monate zurück.

Auch wenn es schon eine ganze Zeit her ist, können Sie sich noch an den 14. September 2014 erinnern?

Drewer: Fand an diesem Tag das erste Spiel mit den Jungs und mir als Trainer statt?

Genau richtig. Gegen den TV Borghorst gab es in der Baumberge-Sporthalle einen 24:21-Sieg.

Drewer: Das Spiel ist ehrlich gesagt nicht mehr in meinem Kopf. Ich weiß nur noch, dass wir sehr gut in die Saison gestartet sind und bis Weihnachten weit oben in der Tabelle zu finden waren. Am Ende reichte es dann zu Platz fünf.

Wir machen einen zeitlichen Sprung. Welcher Gedanke schoss Ihnen durch den Kopf, als am vergangenen Samstag in Isselhorst die Schlusssirene nach dem letzten Saisonspiel zu hören war?

Drewer: Das war eine ganz komische Sache. Ich war zwiegespalten. Es herrschte sowohl Erleichterung als auch Wehmut.

Trotz nur weniger personeller Veränderungen entwickelte sich Ihre Mannschaft immer weiter. Welche Gründe waren hierfür ausschlaggebend?

Drewer: Natürlich gab es während der Zeit Phasen, in denen es nicht so lief. Deshalb war es immer wichtig, den Spaß beizubehalten. Ich habe mir häufig Gedanken gemacht, wie ich die Spieler noch besser erreichen kann. Wichtig ist es, bei seinen eigenen Entscheidungen zu bleiben. Aber ich habe mir auch immer die Ideen und Meinungen aus der Mannschaft angehört. Jüngstes Beispiel: Christopher Wiesner kam vor zwei Wochen während der Telgte-Partie auf die Idee, den Spieler im linken Rückraum in Manndeckung zu nehmen. Diesen Gedanken habe ich aufgenommen und umgesetzt.

Welches der 104 Meisterschaftsspiele ist Ihnen besonders im Gedächtnis hängen geblieben?

Drewer: Mir fällt direkt die Begegnung beim BSV Roxel ein. 350 Zuschauer waren in der Halle. Davon kamen 200 Fans aus Havixbeck, die uns super unterstützt haben. Mit dem Sieg in Roxel übernahmen wir in der Meistersaison wieder Platz eins und gingen einen großen Schritt in Richtung Aufstieg. Aber auch das Heimspiel wenige Wochen später gegen den TV Kattenvenne bleibt in Erinnerung. Durch den Erfolg hatten wir endgültig die Meisterschaft perfekt gemacht. Alle Spieler waren hochmotiviert. Kattenvenne schenkten wir damals 36 Tore ein.

Gibt es für Sie einen Spieler, der während Ihrer Amtszeit den größten Leistungssprung gemacht hat?

Drewer: Torhüter Arndt Cassens kam als Rohdiamant vom VfL Billerbeck aus der 2. Kreisklasse. Er hat sich während meiner Zeit zu den fünf besten Torhütern der Landesliga entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass in ihm noch mehr Potenzial steckt. Er ist mit seinen 23 Jahren sehr, sehr jung für einen guten Torhüter. Arndt hat viel von Thomas Jürgens mitgenommen und fiel außerdem durch eine gute Trainingsbeteiligung auf. Wenn ich an das Heimspiel gegen den Mitfavoriten Warendorf denke, als er uns mit einem gehaltenen Siebenmeter in den Schlusssekunden die zwei Punkte rettete . . . Ich muss aber auch sagen, dass sich alle Spieler im taktischen Bereich weiterentwickelt haben. Zudem ist das Team disziplinierter geworden.

Verraten Sie die Stärken des Teams.

Drewer: (lacht) Das mache ich nicht. Nein, Spaß. Der mannschaftliche Zusammenhalt ist an erster Stelle zu nennen. Außerdem sind alle Positionen gleichwertig gut besetzt.

An welchen Schwächen haben Sie größtenteils gearbeitet?

Drewer: Wir haben uns viel mit dem Deckungsverhalten beschäftigt. Außerdem galt es, die Qualität im Abschluss zu erhöhen.

Wie überraschend kommt für Sie der fünfte Platz in der ersten Landesliga-Saison?

Drewer: Ich hatte mit einer Position im oberen Mittelfeld gerechnet – so in dem Bereich vier bis sieben.

Zwischenzeitlich gab es einen Negativlauf von acht verlorenen Partien in Serie. Wie haben Sie es geschafft, die Mannschaft wieder in die Spur zurückzuführen?

Drewer: Ganz eng verbunden ist die Niederlagenserie natürlich mit den Verletzungen von Moritz Albers und Joshua Schmidt. Hinzu kam, dass mit David Weiper sowie Jonas Lügering zwei weitere Leistungsträger längere Zeit im Urlaub waren. Johannes Bäumer fehlte zwei Partien wegen seines lädierten Daumens. Diese Lücken mussten erst einmal geschlossen werden. Es kamen Spieler auf für sie ungewohnten Positionen zum Einsatz. Linkshänder Jesse Frieling musste beispielsweise im linken Rückraum ran. Vor der Partie in Ladbergen war allen bewusst, dass wir bei einer weiteren Niederlage in den Abstiegsstrudel reinrutschen würden. Dann kam das Ladbergen-Spiel und die Jungs erwischten einen Sahnetag. Mit 12:4 Punkten aus den letzten acht Partien haben wir eine sehr gute Serie zum Abschluss hingelegt.

Das zweite Jahr nach einem Aufstieg ist bekanntlich immer sehr schwer. Wird es auch für die Schwarz-Weißen so sein?

Drewer: Auf jeden Fall. Ich hoffe, dass die Mannschaft die Abgänge von David Weiper, Julian Steens und Moritz Albers gut verkraften kann. Mit Weiper sowie Albers fallen gleich zwei Kreisläufer weg. Der A-Jugendliche Mario Lepke wäre so ein Kandidat für diese Position. Er ist aber noch unerfahren.

Was trauen Sie der Mannschaft in der nächsten Saison zu?

Drewer: Kommt die Truppe ohne Verletzungen durch die Vorbereitung und Spielzeit, hoffe ich auf einen einstelligen Tabellenplatz. Wenn alle am Kabel ziehen, ist sicherlich auch die Wiederholung des fünften Ranges möglich. Aber es wird deutlich schwerer, da sich die Gegner auf das System nun eingestellt haben.

Abschließend zu Ihnen persönlich: Sie hatten immer den großen Wunsch, die Männer 1-Mannschaft von SW Havixbeck trainieren zu dürfen. Diese Zeit ist nun vorbei. Welche Ziele verfolgt Martin Drewer als Trainer nun?

Drewer: Zunächst lege ich ein Sabbatjahr ein. Ob ich in Zukunft als Jugend-, Frauen- oder Männer-Trainer arbeiten werde, muss man sehen.

Werden Sie in der Saison 2018/19 als Gast in der Baumberge-Sporthalle sein?

Drewer: Selbstverständlich, denn die Verbundenheit zu meinem Heimatverein ist da. Ich bin in Havixbeck groß geworden und habe immer für Schwarz-Weiß gespielt.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5746857?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35336%2F
Bankräuber stecken Fluchtfahrzeug in Brand und vernichten historische Kapelle
Im Zuge des Brandes stürzte das Gewölbe der Kapelle teilweise ein und diverse Kunstschätze, wie Grabplatten aus dem 19. Jhdt wurden unwiederbringlich zerstört.
Nachrichten-Ticker