Fußball: Landesliga 4
Dirk Nottebaum von GW Nottuln macht richtigen Schritt

Nottuln -

Vom Cheftrainer zum Co-Trainer: Diesen Schritt hat Dirk Nottebaum bis heute nicht bereut. Der ehemalige Coach von GS Hohenholte hat deshalb aber nicht mehr Freizeit, berichtet er im Interview.

Dienstag, 05.03.2019, 06:00 Uhr
Er bezeichnet sich selbst als Perfektionisten: Dirk Nottebaum. Dem Co-Trainer des Fußball-Landesligisten GW Nottuln macht momentan die Arbeit in der zweiten Reihe sehr viel Spaß.
Er bezeichnet sich selbst als Perfektionisten: Dirk Nottebaum. Dem Co-Trainer des Fußball-Landesligisten GW Nottuln macht momentan die Arbeit in der zweiten Reihe sehr viel Spaß. Foto: Marco Steinbrenner

Der Co-Trainer steht oft im Schatten. In Wirklichkeit aber hat der Mann hinter dem Chef-Trainer bei vielen Fußball-Mannschaften eine große Bedeutung. So ist es auch bei Dirk Nottebaum , der seit Sommer 2018 beim Landesligisten GW Nottuln Oliver Glaser unterstützt. Mit dem 43 Jahre alten Hohenholter sprach WN-Sportredakteur Johannes Oetz.

Hallo, Herr Nottebaum, am vergangenen Wochenende hatte Ihr Team spielfrei. Haben Sie die Zeit ohne Ihre Spieler genossen?

Nottebaum: Spielfrei hatten wir wohl, doch die Spieler habe ich gesehen. Wir sind nämlich mit 16 Spielern, zwei Trainern und vier Kindern zum Bundesligaspiel zwischen Leverkusen und Freiburg gefahren. Wir wollten einmal Zeit außerhalb des Trainings oder eines Spiels miteinander verbringen.

Dirk Nottebaum ist Co-Trainer bei GW Nottuln

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  • Dirk Nottebaum, Co-Trainer von GW Nottuln, ist ein guter Beobachter.

    Foto: Johannes Oetz
  • Der gebürtige Essener sagt über sich selbst, dass er ein Perfektionist ist. Wenn die Spieler mal falsche Entscheidungen treffen, kann er sich ordentlich ärgern.

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  • Kann mit den Spielern gut umgehen: Dirk Nottebaum kümmert sich um Henning Klaus.

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  • Beide kommen aus dem Ruhrgebiet und verstehen sich nicht nur auf der Bank hervorragend: Oliver Glaser (l.) und Dirk Nottebaum.

    Foto: Marco Steinbrenner
  • Christian Messing (l.) wurde von Dirk Nottebaum bereits in der B-Regio-Auswahl trainiert.

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  • Die Wege von Nico Beughold (l.) und Dirk Nottebaum trennen sich nach der Saison 2018/19. Beughold wechselt zu Arminia Appelhülsen.

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  • Er kann auch entspannt: Dirk Nottebaum.

    Foto: Marco Steinbrenner
  • In seinem Element: Dirk Nottebaum gibt Felix Hesker taktische Anweisungen.

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  • Manchmal ist er auch für die verflixten Trikots verantwortlich: Dirk Nottebaum.

    Foto: Marco Steinbrenner
  • Da muss man doch mal laut werden! Verlieren kann er nicht gut, sagt Nottulns Co-Trainer Dirk Nottebaum über sich selbst.

    Foto: Johannes Oetz
  • Das erste gemeinsame Foto: Am 2. Juli 2018 trat das Duo Oliver Glaser (r.) und Dirk Nottebaum erstmals vor die Presse.

    Foto: Johannes Oetz
  • Beim Auftakttraining am 2. Juli 2018 wurde neben den Spielern auch der neue Co-Trainer Dirk Nottebaum vorgestellt.

    Foto: Johannes Oetz

Hört sich nach einer Teambuilding-Maßnahme an. Brauchten Sie die?

Nottebaum: Nein, die brauchten wir natürlich nicht unbedingt, denn die Stimmung in der Truppe ist sehr gut. Schaden kann so etwas aber auch nicht. Abends haben wir dann noch einige Kneipen in Münster besucht. Das war ein gelungener Tag.

Wenn Sie ein Fußballspiel besucht haben, dann wurde sicher auch über Fußball gesprochen, oder?

Nottebaum: Wenn man Trainer ist, dann kann man kein Spiel mehr anschauen, ohne es zu analysieren. Im Trainerauto haben wir auf der Rückfahrt selbstverständlich auch über das Pressing und Umschaltverhalten der beiden Bundesligisten gesprochen.

Sie standen früher als hauptverantwortlicher Trainer in Hohenholte, bei der B-Regio-Auswahl und als Jugendtrainer zu Ihrer Essener Zeit in der ersten Reihe. Vermissen Sie das nicht?

Nottebaum: Überhaupt nicht! Ich habe mich damals ganz bewusst dazu entschieden, aus der ersten Reihe zurückzutreten. Für mich war das der richtige Schritt, denn ich habe mein Trainerprofil geschärft. Ich habe festgestellt, was ich gut kann und was ich noch nicht kann.

Ihr Verhältnis zu Chef-Trainer Oliver Glaser sieht nach außen hin sehr harmonisch aus. Ist das wirklich so?

Nottebaum: Auf jeden Fall. Mit Olli habe ich riesiges Glück gehabt, denn er hat mich direkt als Trainer auf Augenhöhe zugelassen. Dafür bin ich ihm wahnsinnig dankbar.

Versuchen Sie doch bitte einmal darzustellen, wie Ihre Arbeit als Co-Trainer eigentlich aussieht.

Nottebaum: Haben Sie einen etwas längeren Text eingeplant? Es könnte nämlich ausführlich werden. Grundsätzlich sehe ich mich nicht als Co-Trainer, sondern als Teil eines Trainerteams. Co-Trainer ist nur ein Begriff für all diejenigen, die nicht Teil der Mannschaft sind. Ich habe beratende Funktion, analysiere, beobachte, übernehme Teile des Trainings und studiere Videos von den nächsten Gegnern. Außerdem übernehme ich bei uns das Fitness-Training und bespreche mit Olli die Trainingssteuerung. Neulich haben wir uns in einer Woche einmal aufgeteilt: Ich habe mit der Mannschaft nur die Defensive trainiert, Olli die Offensive. Am Ende der Woche haben wir dann beides zusammengeführt. Manchmal sehe ich mich auch als Helikopter, der aus 20 Meter Höhe schaut, wie das Team gerade funktioniert. Meine gesammelten Informationen bespreche ich dann mit Olli.

Das hört sich nicht nach viel weniger Arbeit als die eines Chef-Trainers an.

Nottebaum: Das ist es auch nicht. Es ist eine ganz andere Arbeit.

Wann beginnt Ihre Arbeit?

Nottebaum: Sonntags unmittelbar nach dem Spiel. Oft noch am gleichen Abend, spätestens aber am Montag telefonieren Olli und ich. Wir schauen auf das vergangene Spiel zurück und planen auf dieser Grundlage die Trainingswoche. Die Schwerpunkte werden dann mit zwei, drei Überschriften von Olli vorgegeben. Anschließend besprechen wir, welche Teile davon ich übernehme. Dienstags, donnerstags und freitags trainieren wir. Olli gibt im Verlauf der Woche die Spielausrichtung auf den nächsten Gegner vor. Ich arbeite ihm dann zu.

Die Zusammenarbeit mit Oliver Glaser klappt. Da Sie für nächste Saison bei GW Nottuln zugesagt haben, gehen Sie offensichtlich davon aus, dass es auch mit dem neuen Trainer Jens Niehues funktionieren wird.

Nottebaum: Absolut. Ich habe mit Jens Niehues ja schon die Spielergespräche geführt und dabei einen sehr guten Eindruck von ihm gewonnen. Menschlich passt das bisher wunderbar. Und auch beim Fußball haben Jens und ich die gleiche Einstellung. Das ist aber auch kein Wunder, denn er ist ja schließlich als Co-Trainer von Olli bei Eintracht Ahaus durch die glasersche Schule gegangen.

Sie sprachen anfangs davon, dass Sie bewusst aus der ersten Reihe zurückgetreten sind. Wer Sie kennt, kann sich aber nicht vorstellen, dass Sie ewig nur zweiter Mann sein wollen.

Nottebaum: Das ist richtig, dauerhaft will ich nicht Co-Trainer bleiben. Ich mache es aber wie immer: Ich entscheide von Jahr zu Jahr. Das bedeutet, dass ich im Dezember schauen werde, wie es weitergeht. Wenn sie mich dann noch bei GW Nottuln haben wollen, werde ich mir das überlegen. Aber egal, wie ich mich entscheide: Meine Aufgabe im Sport muss vor allen Dingen zu meinem Leben passen.

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