Blickpunkt Bogenschießen
Bogenschießen boomt 

Schapdetten -

Bogenschießen ist eine Sportart, die im Trend liegt. Gesundheitsfördernde Aspekte sind ein Grund dafür. Es gibt aber auch andere. Die kommen besonders bei Fortuna Schapdetten zum Tragen. Der Verein vollzieht eine erstaunliche Entwicklung – maßgeblich wegen seiner Bogensport-Abteilung.

Donnerstag, 18.04.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 16:56 Uhr
Almut Kolitz demonstriert auf der neuen Schapdettener Sportanlage Phasen des Bogenschießens (oben von li. im Uhrzeigersinn): das Einlegen des Pfeils, die Vorspannung, der Endzug mit viel Kraft bei vollem Durchziehen, das Nachhalten.
Almut Kolitz vom SV Fortuna demonstriert auf der neuen Schapdettener Sportanlage den Endzug beim Bogenschießen. Bruchteile von Sekunden später löst sich der Pfeil vom Sportgerät.. Foto: Heiner Gerull

Hochkonzentriert legt Almut Kolitz den Pfeil in die Sehne des Bogens, anschließend hebt sie Bogen- und Zugarm bis auf Schulterhöhe. Sie zieht die Sehne bis an ihr Kinn heran, dann löst sich der Pfeil mit leisem Surren vom Sportgerät – Volltreffer. Die Bogenschützin vom SV Fortuna Schapdetten hat die 60 Meter weit entfernte Scheibe getroffen.

Dass Kolitz von ihrer Tochter Glückwünsche für ihren Schuss „mitten ins Gold“, wie es im Fachjargon heißt, erhalten hat, ist bezeichnend für eine Sportart, die „generationenübergreifend“, so Trainer Günter Kuhr , betrieben werden kann. „Derzeit hat unsere Abteilung etwa 100 Mitglieder“, berichtet Uwe Mende , geschäftsführender Vorstand der Bogensportabteilung und stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins SV Fortuna Schapdetten.

Dieser Wert gewinnt an Aussagekraft, wenn man ihn in Relation zur Mitgliederzahl des gesamten Clubs, die bei 600 liegt, setzt. Demnach gehören fast 17 Prozent der Vereinsangehörigen der Bogensportabteilung an. Das ist eine ganze Menge. Bogenschießen boomt – beim SV Fortuna Schapdetten im besonderen Maße.

Die Verantwortlichen richten sich darauf ein, dass dieser Trend nachhaltig ist. Allein deshalb, weil jetzt, am Ende eines „langen und steinigen Weges“, so Mende, die Bogenschießanlage endlich fertiggestellt ist. Offiziell eingeweiht wird sie am 30. Mai.

Dass es in Schapdetten solch eine schmucke, gleichwohl auch hochleistungssportgerechte Anlage irgendwann einmal geben würde, damit hatten selbst die Initiatoren vor neun Jahren, als sie die Bogenschützenabteilung gründeten, kaum gerechnet. Doch als nach der ersten Sommeraktion gleich 100 Interessierte die Einladung zu einem Probetraining angenommen hatten, zeichnete sich ab, dass Fortuna Schapdetten eine Nische aufgetan hatte, für die es offensichtlich eine große Nachfrage gab.

„Zwischenzeitlich mussten wir einen Aufnahmestopp verhängen, weil wir die großen Gruppen kaum mehr betreuen konnten“, lässt Mende im Rückblick auf die anfangs eher provisorischen Bedingungen anklingen. In den ersten Jahren schossen die Bogenschützen aus einer Entfernung von maximal 30 Metern auf acht Scheiben. Um wettkampfgerecht aufgestellt zu sein, bedurfte es jedoch eines größeren Geländes. 70 Meter sind die olympische Entfernung. Auf jene Distanz werden die bedeutenden Meisterschaften (Kreis-, Bezirks-, Landes- und Deutsche Meisterschaft) ausgetragen. Die neue Bogensportanlage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schapdettener Fußballplatz entspricht diesen Anforderungen.

Welch ein Aufwand nach erteilter Baugenehmigung seitens der Bezirksregierung (März 2017), der Gemeinde (12. Dezember 2017) und des Baubeginns im Mai vergangenen Jahres gestemmt werden musste, bringt Abteilungsleiter Peter Rüschhoff-Nadermann auf den Punkt: „In der Zeit bis zur Fertigstellung im Dezember 2018 wurden hier 8000 Kubikmeter Erdreich verschoben.“ Und mit Blick auf viele ehrenamtliche Helfer fügt Mende hinzu: „Hier waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Bei Fortuna Schapdetten ist man angesichts dieser Bedingungen auf bestem Wege, das Bogenschießen aus der Nische herauszuführen. Sportlich trägt maßgeblich Günter Kuhr dazu bei. Er fungiert nicht nur beim SV Fortuna als Coach, sondern gehört auch dem Trainergremium des Bundeskaders an. „Selbst der Großvater kann mit seinem Enkel Bogenschießen betreiben“, streicht Kuhr einen Vorzug der altersübergreifend praktizierbaren Sportart heraus.

Manch ein Bogenschütze fand den Zugang über eine Reha-Maßnahme. Immer häufiger gehört Bogenschießen zu dieser Therapieform. „Die Leute kommen zu uns, weil sie den Stress hinter sich lassen wollen“, sagt Kuhr.

Allerdings will er kein falsches Bild erzeugen. In Schapdetten geht es nicht nur um Breiten- und Präventionssport. Vielmehr hat es auch schon eine beachtliche Zahl leistungssportorientierter Bogenschützen des SV Fortuna auf Landesebene zu Ruhm und Ehre gebracht, etwa die Vize-Landesmeister Jannis Kuschel und Anke Rüschhoff-Nadermann sowie der mehrfache Bezirks- und Landesmeister Justus Driese.

Um dorthin zu kommen, bedarf es freilich intensiven Trainings. „Im ersten Jahr macht man relativ schnell Fortschritte“, weiß Sportwart Dietmar Hülsmann. Doch um Bezirksmeister zu werden, müsse man mindestens fünf Jahre trainieren, ergänzt Kuhr. „Wer im Training an einem Tag 500 Pfeile schießt, hat eine Zuglast von zwölf Tonnen bewegt“, umschreibt der Bundestrainer das Anforderungsprofil der (Hoch-) Leistungsschützen.

Die qualifizierte Betreuung sowie die vorzüglichen Bedingungen bei Fortuna haben sich in der Szene längst herumgesprochen. So kommen die Mitglieder nicht nur aus Schapdetten und den umliegenden Ortschaften, sondern ebenfalls aus Münster. Des Öfteren finden sich auch Schützen aus dem Landes- und Bundeskader auf der Anlage ein.

Beim SV Fortuna sorgen offensichtlich viele junge Hoffnungsträger und engagierte Vereinsvertreter dafür, dass Bogenschießen den Weg aus der Nische findet.

 

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