Motorboot: DM im Slalom in der Wettkampfklasse M 4
Nello Arand ist deutscher Meister

Nottuln -

Ein Nottulner wird deutscher Meister in einem Motorboot? Das klingt seltsam, entspricht aber der Wahrheit. Nello Arand gelang dieses Kunststück im Slalom.

Mittwoch, 16.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 17.10.2019, 20:00 Uhr
In schnellen Booten fühlt er sich pudelwohl: Nello Arand. Und der 13-Jährige ist in seinem Sport erfolgreich. Auf dem Bodensee wurde der Nottulner jetzt deutscher Meister.
In schnellen Booten fühlt er sich pudelwohl: Nello Arand. Und der 13-Jährige ist in seinem Sport erfolgreich. Auf dem Bodensee wurde der Nottulner jetzt deutscher Meister. Foto: privat

Auf die Idee, auf dem Rhodeparkteich oder gar dem Nonnenbach in Nottuln Boot zu fahren, käme wohl niemand. Erst recht nicht mit einem Motorboot. Nichtsdestotrotz kommt der diesjährige deutsche Meister im Motorbootslalom in der Wettkampfklasse M 4 genau hier her. Ob im Kreis, im Slalom oder gar rückwärts: Nello Arand beherrscht das Schlauchboot sicher.

Das muss der Nottulner auch, denn bei Wettkämpfen fahren die Piloten, wie die Bootsführer im Motorbootsport heißen, einen Parcours mit fünf Bojentoren. Mal ist es Aufgabe, sie zu umkreisen, mal muss man durchfahren oder bei der sogenannten „Schikane“ aufstehen, einen Rettungsring hochheben und wieder ablegen. Wieder ein anderes Mal müssen die Sportler auf ein Bojentor zufahren, wenden und trotz Wellengangs rückwärts zwischen den Bojen einparken. Und das alles am besten, ohne die Bojen zu berühren, denn dafür gibt es zehn Strafsekunden.

Was für manchen Erwachsenen schon im Auto eine Herausforderung ist, sieht beim 13-jährigen Nello auf dem Wasser einfach nur elegant aus. Hinten im Boot sitzend, lenkt er mit einer Pinne das sechs Pferdestärken starke Schlauchboot um die Hindernisse und das mit bis zu 25 km/h, auf Wettkämpfen auch noch mit ihm unbekannten Booten. Denn damit die Voraussetzungen für alle gleich sind, fahren alle Konkurrenten mit dem selben Schlauchboot.

So selbstverständlich das heute bei Nello auch aussehen mag, dass er ausgerechnet an diesen Sport geraten ist, liegt an einem kuriosen Zufall: „Wir haben ein Wohnmobil und stehen damit immer am Wasser. Da wollten wir uns halt ein Schlauchboot dazu kaufen“, berichtet Mutter Isabel Ghosh-Arand. Da in Skandinavien allerdings häufig Steine im Wasser seien, sei ein fester Boden wichtig gewesen. Auf eBay fanden sie dann genau das, was sie suchten, angeboten vom Automobil- und Motorbootsportclub Castrop-Rauxel e.V. Nello, der Anfang 2017 unbedingt einen Motorsport ausprobieren wollte, trainierte bei dieser Gelegenheit gleich mal mit – und hat seit diesem Zeitpunkt nicht wieder mit diesem Hobby aufgehört.

Nur kurze Zeit, nachdem Nello den Sport kennengelernt hatte, kam schon der Trainer auf die Eltern zu. Er vermutete Talent in ihrem Sohn. Und er sollte Recht behalten. Im gleichen Jahr belegte der damals Zehnjährige den vierten Platz der Landesmeisterschaften. In der darauffolgenden Saison gewann er die Landesmeisterschaft und wurde Sechster bei den deutschen Meisterschaften. Mit dem Sieg bei den DM in diesem Jahr hat er seinen bisherigen Höhepunkt erreicht – und den Sprung in den Nationalkader für die „Formula Future“, wie der internationale Wettbewerb im Motorbootslalom heißt, geschafft.

Damit steht er vor einer neuen Herausforderung, denn international werden die Wettkämpfe in seiner Altersgruppe mit einem anderen Boot gefahren als in Deutschland. So muss er ab sofort auf zwei Booten trainieren: zum einen wie bisher mit Pinne und zum anderen auf einem Schlauchboot mit Lenkrad und 15 PS statt 6. Und das bei lediglich einer Gruppentrainingseinheit in der Woche, bei der Nello etwa viermal den Parcours fahren kann.

Scheinbar ist es ein großer Aufwand, jede Woche ins Ruhrgebiet zum Training zu fahren, aber in NRW gibt es lediglich drei Motorbootsportvereine mit Jugendarbeit. Doch Nello brennt für den Sport. Die technischen Herausforderungen, das Tempo und die Konzentration entsprechen seinen Neigungen und Talenten. Und seine Eltern fördern die gerne. Es sei eine schöne Alternative zum Zocken, ein Sport an der frischen Luft, der Spaß mache, meint seine Mutter und betont, dass es entgegen dem Klischee kein Sport für Reiche sei. Nellos Verein nimmt für die Vereinskleidung, Benutzungsgebühr der Boote und eine Ferienfreizeit eine Jahresgebühr von 18 Euro.

Langfristig wird Nello den Sport allerdings wohl nicht betreiben können, die Schlauchbootrennen sind ein reiner Jugendsport. International kann man nur fahren, bis man 18 ist, in Deutschland bis 27. „Es wäre schon cool, Motorbootrennen zum Beruf zu machen“, meint Nello. „Aber Berufspilot zu werden, wäre dann doch sehr teuer.“ Wie im Automotorsport braucht man auch hier sein eigenes Fahrzeug, muss es in Schuss halten, reparieren und transportieren. Anders als in der Formel 1, gibt es beim Bootssport allerdings keine Preisgelder.

Aber es gibt ja auch noch genug andere Möglichkeiten, seine Passion auszuleben. Vom Zoll bis zum Bootsführer bei der DLRG kann sich Nello sehr viel vorstellen, aber das hat ja alles noch Zeit. Erstmal bleibt er dem Motorbootslalom und den Schlauchbooten treu und freut sich schon auf die nächste Saison – immerhin seine erste internationale.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7002455?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35336%2F
Negativrekord statt Befreiung: Preußen Münster spielt 1:1 gegen Eintracht Braunschweig
Die Megachance nach wenigen Sekunden: Heinz Mörschel (beim Schuss) und Luca Schnellbacher hatten hier kein Glück.
Nachrichten-Ticker